Permakultur ist ein Tanz mit der Natur, bei dem die Natur führt.
Bill Mollison
Ich habe kürzlich meine erste Einführung in die Grundlagen der Permakultur bekommen. Dieses Zitat von Bill Mollison, dem Begründer der modernen Permakultur, ist nachhaltig bei mir hängen geblieben. Wahrscheinlich weil mich der Vergleich mit einem Tanz gleich berührt hat. Die Teife und Vielschichtigkeit dieses Satzes ist mir allerdings erst gerade beim schreiben klargeworden.

Permakultur ist ein Tanz…
Der Duden definiert Tanz als „Abfolge von Körperbewegungen, die nach einem durch Musik oder eine andere akustische Äußerung hervorgebrachten Rhythmus ausgeführt wird„. Es gibt also Bewegung – Handlung – Tun und einen übergeoordneten Rhythmus – ein Muster – ein Design.
Für mich ist Tanzen Freude, Kreativität, sich-selber-spüren und teilen.
...mit der Natur…
Es ist kein Solo-Tanz, sondern ein Tanz mit der Natur- ein Paartanz. Sobald zu zweit getanzt wird, entsteht eine ganz besondere Dynamik. Es ist wie eine eigene Sprache zwischen den beiden Tänzern. Es wird auf die feinsten Impulse reagiert, die eigenen Bewegungen auf die des Partners eingestimmt und das alles im übergeordneten Rhythmus der Musik. In der Permakultur tanzt der Mensch mit der Natur.
Wie begegnest du deinem Tanzpartner? Höflich, respektvoll, achtsam und aufmerksam. Nur gemeinsam kann etwas erschaffen werden- wird es zum Tanz.
…bei dem die Natur führt
Einer der Tänzer ist der Impulsgeber, der den Tanz führt. Der ‚Führer‘ hat einen übergeordneten Blick über die Situation. Er hört/spürt den Rhythmus, hat ein Gefühl für den Raum und die Elemente darin und gibt Impulse an seinen Partner.
Wenn die Natur führt…
Was ist überhaupt die Natur? Meine ersten Assoziationen dazu: Natur ist alles, was grün ist, was unberührt vom Menschen ist. Ich denke jeder von uns hat eine eigene Vorstellung dazu, was Natur ist. Sogar der Duden hat sechs verschiedene Definitionen. Definitionen zur äußeren Natur beinhalten tatsächlich meistens ‚vom Menschen unberührt/unbeeinflusst‘. Gleichzeitig gibt es den Begriff der inneren Natur, was oft mit Seele oder Geist gleichgesetzt wird.
Ich persönlich finde dieses Paradox sehr schön: Natur ist alles, was nicht Mensch ist und gleichzeitig das tiefste Innere des Menschen. Das erinnert mich daran, was ich in der Yogalehrer-Ausbildung oft gehört habe: Die äußere Welt ist ein Spiegel meines Inneren.
Kann Natur also vielleicht als ‚alles, was nicht vom Verstand des Menschens kontrolliert wird‘, beschrieben werden (im äußeren und im inneren)?
Permakultur- Was steckt dahinter?
Das Permakultur-Prinzip wurde in den 70er Jahren von Bill Mollison und David Holgrem entwickelt. Die Idee dahinter war ‚eine zukunftsfähige Form der Landwirtschaft, die sich um sich selber kümmert‘. Also permanente Landwirtschaft- permanent agriculture – permaculture. Inspiriert dazu wurden sie dabei von Beobachtungen der Natur, natürlichen Ökosystemen und dem uralten Wissen von Naturvölkern. Denn eins war den beiden klar: So wie es ist, kann es nicht weiter gehen.

Die Wurzeln des Permakultur-Baums
Allem, was den Namen Permakultur trägt, liegen drei ethische Prinzipien zugrunde und bilden damit die Wurzeln, also die Grundlage. Bei der Formulierung dieser Wertebasis haben sich Mollison und Holgrem an Kulturen und Gemeinschaften orientiert, die langfristig lebenserhaltend agiert haben. Ein Beispiel hierfür sind die australischen Aborigines, die seit Jahrtausenden im Einklang mit der Natur existieren.
Earth Care – Sorge für die Erde
Was ist alles Erde? Die Erde ist unser Planet und wir bezeichnen das Boden-Substrat als Erde. Gemeint ist hier alles. Also der Boden, die Luft, Pflanzen, Tiere, Steine…
Oder um es mit schamanischen Worten auszusrücken:
Die Kinder von Mutter Erde: Die Steinmenschen, die Pflanzenmenschen, die Vierbeiner, die Zweibeiner, die Krabbelden, Kriecher, Geschuppten und Gefiederten- alle, mit denen wir verbunden sind.
Ein Permakultur-Designer fragt sich bei seinen Handlungen stets ‚Habe ich dabei an die Bedürfnisse unserer Erde gedacht?‘
People Care – Sorge für die Menschen
Es könnte argumentiert werden, dass wir Menschen als Kinder von Mutter Erde mit zur Erde gehören und demnach auch unter den Punkt Sorge für die Erde fallen, das würde allerdings der aktuellen Situation nicht gerecht werden. Deshalb wird Sorge für die Menschen noch einmal hervorgehoben. Konkret geht es bei diesem Grundsatz darum, dass die Arbeit (für die Erde) auch mit den eigenen Bedürfnissen übereinstimmen muss. Denn ist es nachhaltig aufzuhören die Natur auszubeuten aber stattdessen uns selbst auszubeuten?
Ab diesem Punkt geht Permakultur über bloßen Naturschutz hinaus. Zwischen den Bedürfnissen der Menschen und der Erde entsteht schnell ein Spannungsfeld. Es gilt diese Wiedersprüche aufzuheben.

Fair Share – Überschüsse fair verteilen
Man könnte sagen, dass es bei diesem Grundsatz um Wirtschaft geht. Es gilt zu erkennen Was brauche ich wirklich? Und dementsprechend seinen Konsum auf ein Minimum zu begrenzen. Denn unbegrenztes Wachstum ist auf einer Erde mit begrenztem Raum und begrenzten Ressourcen und Menschen mit einer begrenzten Lebensspanne eher unwahrscheinlich- um es mal vorsichtig auszudrücken. Trotzdem ist es das, worauf unsere Wirtschaft ausgerichtet ist. Dieser Grundsatz lädt dazu ein Konsum und Wachstum zu begrenzen und alles, was über ist weiterzugeben. Aus der Fülle heraus geben. So überlässt ein Gärtner, der nach den Prinzipien der Permakultur lebt, ohne Groll ein Drittel seiner Salatköpfe den Schnecken, wenn ihm die anderen zwei Drittel für sich selbst reichen.
Permakultur versucht diese drei Grundsätze in ein Gleichgewicht zu bringen. Sie sind die Wurzeln aus denen jegliche Planung und Handlung keimt.
Wichtig dabei bleibt zu wissen: Wir können nie alles komplett richtig oder perfekt machen. Handle nach DEINEM besten Wissen und Gewissen.

Ein Kommentar zu “Permakultur- Einführung”