Warum Wildkräuter?
Bisher habe ich mir diese Frage nie gestellt. Für mich war immer klar: essbare Pflanzen draußen in der Natur sammeln ist großartig- aus verschiedenen Gründen (zu denen ich gleich noch komme). Doch während ich hier so sitze und darüber sinniere, wird mir klar, dass das wohl viele Menschen nicht so sehen- auch aus verschiedenen Gründen.
Kontra
Zu viel Aufwand, ist glaube ich einer stärksten Faktoren. Um Wildkräuter sammeln zu können, muss man sich halt wenigstens ein bisschen damit auseinandersetzen. Unsicherheit wegen giftigen Verwandten oder Angst vor Verschmutzung durch Tiere (Stichwort: Hundeklo), sind andere Gründe. Oder der im Zusammenhang mit Essen aus der Natur oft erwähnte Fuchsbandwurm.
Pro
Wenn du selber schon mal draußen warst, um Wildkräuter zu sammeln, kennst du vielleicht das Gefühl aus dem Wald nach Hause zu kommen mit einem Korb voller Nahrung. Frische, echte Nahrung, selbst gesammelt, selbst ausgewählt. Und die Pflanzen wachsen einfach so, ganz von alleine. Keiner muss sich darum kümmern und es ist – so wie ich es bisher erlebt habe- eigentlich immer genug da für alle Interessierten.
Die qualitativ besten Wildkräuter lassen sich wohl im Wald sammeln. Dort gibt es noch nährstoffreichen, gesunden Boden, was sich natürlich auch in den dort wachsenden Pflanzen wiederspiegelt. Viele Wildkräuter haben weit höhere Mengen an Mineralstoffen und Vitamine als die Nahrungsmittel, die es in Läden zu kaufen gibt.
Nehmen wir das Beispiel der Brennnessel: 100g Brennnessel enthalten 4,1mg Eisen, 335mg Vitamin C und 715mg Kalzium.
Zum Vergleich: 100g Kuhmilch enthalten etwa 125mg Kalzium. Der lange als der Eisenlieferant gefeierte Spinat kommt mit seinen 3,8mg Eisen pro 100g auch nicht an die Brennnessel ran. Auch die meisten Obstsorten liegen mit ihrem Vitamin C Gehalt weit unter dem der Brennnessel. Orangen haben 53mg, Schwarze Johannisbeeren immerhin 177mg.
Was zeigt uns das?
Wildkräuter sind der Hammer!
Und es ist so viel einfacher sich gesund zu ernähren, als die meisten von uns annehmen. Die besten Superfoods wachsen nicht weit entfernt an exotischen Orten, sondern- oft als Unkraut verschrien- direkt vor unserer Tür.
Wildkräuter erkennen
Das ist heutzutage sogar als total unerfahrene Person gar nicht mehr so schwer. So gibt es doch zahlreiche Bücher über essbare Wildpflanzen, recht taugliche Apps zum Erkennen von Pflanzen und doch auch einige Menschen, die sich für dieses Themengebiet begeistern.
Die Angst vor dem giftigen Zwilling
In Deutschland haben wir es da relativ einfach. Es gibt nämlich gar nicht so viele, die Ähnlichkeit mit einer essbaren Wildpflanze haben. In dem Buch ‚Essbare Wildpflanzen‚ sind genau 11 Pflanzen aufgeführt vor denen man sich in Acht nehmen sollte. Dageen werden in diesem Buch 200 essbare Pflanzen aufgeführt. Also lohnt es sich schon eher diese 11 Pflanzen zu lernen und sicher zu erkennen. Dazu gilt auch der Satz, den einige Wildkräuter-Führer gerne verbreiten: Probieren, kannst du jede Pflanze. Gemeint ist hier wirklich nur das Probieren– also in einer ganz kleinen Menge!
Angstmacher Fuchsbandwurm
Der Fuchsbandwurm ist ja, sobald es um das wilde Sammeln von Pflanzen oder Beeren geht, das Totschlagargument schlechthin. Ein paar interessante Gedanken dazu: Füchse sind nicht nur im Wald unterwegs. Sie wagen sich auch näher an den Menschen heran. Und sie wagen sich definitv auf Felder und Äcker, wo unser Obst und Gemüse angebaut wird, was wir im Laden kaufen. Als eine der größten Infektionsquellen gilt mit Fuchskot infizierter Ackerstaub.
Also bereit für die Wildkräuter?
Hier kommen sie: Aktuelle Wildkräuter
Gundermann – Glechoma hederaceae

Der Gundermann mag es eher etwas schattig und steht bevorzugt auf nährstoffreichen, teilweise feuchten Böden. Geerntet wird von April bis August.

Verwendet werden können die Blätter (herb-aromatisch) und die Blüten (zart süßlich). Das kleine Kraut eignet sich hervorragend für Salate, Suppen, Kräuterbutter, Quiche und Eintöpfe und allem, was einem sonst noch einfällt. Die Blüten eignen sich besonders gut als Dekoration von Speisen.Gundermann enthält vor allem Bitterstoffe, Gerbstoffe, Vitamin C und Kalium. Wirken soll die kleine Pflanze bei Blasenleiden, Leberbeschwerden und auf den Dickdarm.
Giersch- Aegopodium podagraria
Auch der Giersch bevorzugt schattige und feuchte Standorte und kann von März bis Oktober geerntet werden.
Vielen Hobby-Gärtnern ist der Giersch ein Graus in ihrem ordentlich gepflegten Garten. Dreh den Spieß doch mal um: Betrachte den Giersch als nüztliche Pflanze, als Teil eines Salats oder grüner Kick in allen möglichen anderen Gerichten. Denn Giersch hat das Aroma von Petersilie und Karotte, was eventuell darauf zurückzuführen ist, dass sie der gleichen Pflanzenfamilie angehören.
Giersch ist reich an Kalium, Magnesium, Kalzium, Vitamin A und C. In der Heilkunde wird er bei Rheuma und Gicht eingesetzt. Er wirkt generell krampflösend, entsäuernd und entzündungshemmend.
Zusammenfassend: Giersch ist gesund (hat z.B. im Vergleich zu Kopfsalat viel mehr Mineralstoffe), schmeckt gut und ist oft relativ einfach verfügbar. Was will man mehr?

Erkennen lässt sich der Giersch vor allem auch an seinem charakteristischen Geruch. Dieser ist schwer mit Worten zubeschreiben, wer ihn aber einmal in der Nase hat, erkennt ihn meist auch wieder.

Knoblauchsrauke – Alliaria petiolata
Die Knoblauchsrauke ist schon voll im Gange. Sie ist in voller Blüte, teilweise schon mit Schoten (der Frucht). Zu finden ist sie an Waldrändern, Waldwegen und auf nährstoffreichen, lockeren Böden.

Knoblauchsrauke schmeckt wie der Name schon sagt nach Knoblauch. Sie ist eine schöne Alternative zum Bärlauch, da die Pflanze etwas milder im Geschmack als der doch schon scharfschmeckende Bärlauch ist.
Auch die Knoblauchsrauke hat neben anderen Mineralstoffen reichlich Vitamin A und C. Sie wirkt ähnlich wie Knoblauch antibakteriell und keimtötend und eignet sich zur Behandlung von Asthma und Zahnfleischentzündungen.
Weiße Taubnessel- Lamium album
Die Weiße Taubnessel hat ähnliche Blätter wie die Brennnessel, ist aber sehr gut durch die weißen Blütenstände von dieser zu unterscheiden. Erntemonate sind von März bis Oktober. Wachsen tut die Pflanze auf nährstoffreichen Lehmböden, etwa auf Wiesen, an Wegrändern oder auch im Garten.

Verwendet werden kann eigentlich alles von der Pflanze. Junge Blätter im Salat, als Tee oder n Suppen, Blüten für süße Desserts oder ebenfalls zur Dekoration und die Wurzeln zum knabbern oder auch in Suppe und Salat. Geschmacklich lässt sich die Taubnessel mit feinwürzigem Pilzgeschmack beschreiben.
Früher wurde die Weiße Taubnessel auch das ‚Kraut der lächelnden Mutter‚ genannt, da sie besonders gut für Frauen sein soll. Die Taubnessel wirkt belebend, schleimhautschützend, blutstillend, verdauungsfördernd und harntreibend. Die Anwendungsmöglichkeiten sind demnach vielseitig und reichen von Husten und Bronchitis über Menstruationsbeschwerden bis hin zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt oder Hautausschlägen.
Update: Bärlauch- Allium ursinum
Inzwischen ist der Bärlauch wohl fast überall in die Blüte gegangen. Aber keine Angst auch die Blüten sind noch essbar und eignen sich hervorragend zum würzen oder dekorieren. Denn der Geschmack wandert sozusagen aus den Blättern in die Blüten.
Vorsicht ist nun allerdings geboten mit dem giftigen ‚Zwilling‘ des Bärlauchs. Gestern beim Waldspaziergang habe ich die ersten Maiglöckchenblätter entdeckt, die denen des Bärlauchs doch recht ähnlich sehen. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist neben dem charakteristischen Geruch auch die Beschaffenheit der Blattunterseite. Maiglöckchen haben eine glänzende Blattunterseite, Bärlauch ist matt an der Blattunterseite. Zudem ist Bärlauch wie gesagt, bereits fast überall in die Blüte gegangen. Junge, frische Pflanzen ohne Blüten sind also höchstwahrscheinlich kleine Maiglöcken.

Maiglöckchen aktuell 
Bärlauch aktuell 
Maiglöckchen in einigen Wochen
Das waren natürlich noch längst nicht alle Wildkräuter, die es sich zu kennen lohnt. Doch es hilft ungemein erst mal mit ein paar Pflanzen zu starten und dann peu à peu ein neues Kraut dazuzunehmen.
Viel Freude beim suchen, sammeln, kochen und ausprobieren!
Wie cool,
Danke Danke und wir freuen uns schon auf die Folgen 2-10 😀
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