ODER DAS TERRA PRETA PRINZIP
In diesem Post möchte ich euch etwas über das Terra-Preta-Prinzip erzählen. Einen Klassiker in der Permakultur. Terra-Preta ist portugiesisch für Schwarze Erde und kann auch einfach als Pflanzenkohle-Kompost bezeichnet werden.
Was das ist?
Im Prinzip geht es darum die Erde zu unterstützen eine super fruchtbare Hummus-Schicht aufzubauen. Du weißt wahrscheinlich, dass Kompost schon mal eine gute Methode ist, um den Boden zu bereichern und zu versorgen. Pflanzenkohle-Kompost ist sozusagen ‚the next level‚. In der Herstellung ist es etwas aufwendiger, dafür hat ‚das Schwarze Gold des Amazonas‚ einige Vorteile gegenüber normalem Kompost.
Warum sich der Aufwand lohnt:
Bei dem Terra-Preta-Prinzip wird Pflanzenkohle verwendet. Fein zerkleinert hat die Kohle eine imense Oberfläche von 300m² pro Gramm. Stell dir das mal vor: 300m² in einem einzigen Gramm. Zum Vergleich: In Deutschland lebt ein Mensch in Schnitt auf einer Fläche von 44m². Und auf dieser Oberfläche leben keine Menschen, sondern winzige, mit dem Auge nicht sichtbare Mikroorganismen. Diese kleinen Bodenlebewesen sind für einen gesunden und fruchtbaren Boden essentiell. Zudem kann die immense Oberfläche die 5-fache Menge des Eigengewichts an Wasser und Nährstoffen speichern. So werden die wertvollen Stoffe nicht ausgewaschen und können nach und nach an den Boden abgegeben werden. Es entsteht eine scheinbar nie endende Fruchbarkeit des Bodens – der ultimative Langzeitdünger.
Der zweite Vorteil von Pflanzenkohle-Kompost ist, dass Kohlenstoff gebunden wird. Bei einem normalen Kompostiervorgang ohne Pflanzenkohle wird bis zu 50% des Kohlenstoffs als CO₂ wieder freigesetzt, was ja gerade das ist, was wir zur Liebe der Umwelt vermeiden wollen. Kohle ist die termisch stabilste Form von Kohlenstoff. Das kann sehr anschaulich an dem Beispiel des Diamanten gezeigt werden. Ein Diamant besteht aus reinem Kohlenstoff und ist an sich ja diamanthart – also unzerstörbar. Wird ein Diamant allerdings hoch erhitzt (z.B. im Ofen), verwandelt er sich in ein Stück Kohle. Bei der Verwendung von Pflanzenkohle im Kompost wird also Kohlenstoff in einer sehr stabilen Form in der Erde gespeichert, was aus Klimaschutzsicht natürlich ziemlich gut ist.
Wie funktioniert das Ganze?
Schritt 1: Pflanzenkohle herstellen

Dafür braucht es ein Loch im Boden -von den Profis Kon-Tiki genannt- etwa 70cm tief. Die Größe kann je nach herzustellender Menge variieren (es muss nur das zu verbrennende Holz hineinpassen).

In diesem Loch wird ein Holzturm aufgebaut, der von oben nach unten abgebrannt wird. Der Turmaufbau sorgt dafür, dass das Feuer am Anfang nicht erstickt und später sorgt das Loch dafür, dass nicht das ganze Material verbrannt wird, sondern die gewüschte Kohle übrig bleibt.

So entsteht im besten Falle ein rauchloses Feuer. Wenn der Turm etwas runtergebrannt ist, das Feuer voll im Gang, kann weiteres Material dazugegeben werden. Nun kann auch die Turmstruktur aufgegeben werden. Als Material kann alles mögliche aus dem Garten verwendet werden: Äste und Zweige, verholzte Pflanzenteile – alles, was gut brennt, trocken ist und schadstoffarm. So kann die Herstellung gleichzeitig zum Aufräumen des Gartens genutzt werden.

Wenn genug Kohle produziert wurde, was gut und gerne einige Stunden dauern kann, kann der der Prozess durch Ablöschen der Kohle beendet werden. Dazu wird erst vom Rand Wasser hineingegossen und anschließend mit einer Gießkanne mit Brauseaufsatz alles begossen. Positiv für den späteren Kompostiervorgang ist es dem Wasser etwas Urin beizumischen. Ja ich weiß, das hört sich jetzt erst mal etwas befremdlich an, ist aber ziemlich effektiv. Ich war am Anfang auch überrascht wie selbstverständlich hier menschlicher Urin gesammelt und im Garten weiter verwendet wird, bin inzwischen doch etwas begeistert von der Effektivität und Einfachheit dieser Handlung. Dadurch schließt sich zumindest zum kleinen Teil der Kreis der Nährstoffe.
Im Anschluss wird die Kohle zerkleinert- denn je kleiner die Kohlepartikel, desto größer die Oberfläche, desto besser für die Bodenfruchtbarkeit. Und wie kann die Kohle zerkleinert werden? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die, wie ich finde, schönste Methode ist es auf der Kohle zu tanzen. Dafür die Kohle einfach auf einen festen Untergrund geben (eventuell auf eine Plane) und dann nach Herzenslust darauf herumtanzen und hopsen, stampfen und treten. Frühlingstanz der besonderen Art. Zu Let’s Twist Again zerkleinert sich die Kohle beinahe von selbst. Je feiner, desto besser.

Wem das Ganze zu aufwendig ist, oder durch die äußeren Gegebenheiten schlichtweg nicht möglich, der kann sich auch fertige Pflanzenkohle kaufen. Achte dabei aber unbedingt auf die Qualität der Kohle. Woraus wurde sie hergestellt; sind Schadstoffe enthalten; woher kommt sie? Online gibt es z.B. auch extra Terra Preta Pflanzenkohle zu bestellen.
Schritt 2: Kompost herstellen

Um die Pflanzenkohle mit Nährstoffen anzureichern, wird nun ein Pflanzenkohle-Kompost angesetzt. Dazu können weitere Materialien aus Haus und Garten verwendet werden. Man nehme: Eine Schicht braunes Material (feine Häcksel, dünne Zweige, verholztes Pflanzenmaterial wie z.B. Sonnenblumenstiele, Laub), eine Schicht grünes Material (Küchenabfälle, Rasenschnitt, Kompost, anderes frisches Material wie Beikäuter etc.) und eine DÜNNE schwarze Schicht (Pflanzenkohle).
Diese Komponenten werden wiederholt, sodass mehr als 3 Schichten entstehen, übereinander geschichtet, mit reichlich Wasser begossen und im besten Falle noch mit effektiven Mikroorganismen aus beispielsweise Sauerkrautsaft geimpft. Alternativ kann auch Sauerteig-Starter in Wasser gerührt verwendet werden. Der Anteil an Kohle im Kompost sollte etwa 10-20% sein, und das grüne, leicht zersetztbare Material sollte das braune, schwer zersetzbare Material überwiegen. Im Prinzip ist es also wie bei einem ganz normalen Kompost, nur dass zwischendurch noch etwas Kohle hinzugegeben wird.

Es gibt auch die Möglichkeit den Kompost unter Luftabschluss reifen zu lassen. Hier wurde der Kompost-Haufen dazu einfach mit einer Plane abgedeckt und diese mit Steinen beschwert- klar 100% luftdicht ist das nicht, aber immerhin. Diese Methode geht meist etwas schneller und erbringt auch eher den gewünschten Effekt, dass beim Kompostiervorgang keine Gase entweichen.
Schritt 3: Den Boden füttern
Anzeichen dafür, dass der Reifeprozess abgeschlossen ist, ist ein neutraler Geruch. Es sollte eine schöne schwarze Erde entstanden sein Das kann je nach Witterung und Kompostzusammensetzung 5 bis 8 Monate dauern. Je länger die Kohle mit Nährstoffen aufgeladen wird, desto wirkungsvoller ist sie. Dieser hochwertige Kompost kann nun in die Erde eingearbeitet werden. Vor allem starkzehrende Pflanzen (Tomaten oder Kohl) freuen sich über das extra Futter.

Nach dem ich die Herstellung eines Pflanzenkohle-Komposts nach Terra Preta Art selber miterleben durfte, verstehe ich auch jeden Fall warum dies zu einem typischen Element der permakulturellen Arbeitsweise geworden ist. Es ist effektiv. Sowohl für den Boden als auch für den Menschen, der durch einen fruchtabren Boden eine gute Ernte erzielen kann. Es kann Teil der Kreislaufwirtschaft sein, indem Garten’abfälle‘ und Küchen’abfälle‘ weiterverwendet werden. Es ist flexibel in der Anwendung, da je nach dem, was vorhanden ist, mit den unterschiedlisten Materialien gearbeitet werden kann- es aber immer möglich ist mit dem zu arbeiten, was da ist. UND es macht Spaß! Das stundenlang brennende Feuer im Kon-Tiki und der anschließende Tanz auf den Kohlen kann ein wunderschöner Tag im Garten sein und fast wie ein kleines Ritual zelebriert werden.