Die Permakultur-Prinzipien

Wie bereits angekündigt, kommen hier einige weitere der 12 Prinzipien von David Holmgren, die für permakulturelles Denken und Designen sehr nützlich sind. Sie lassen sich zum Beispiel für deine Gartenplanung verwenden oder auch im sozialen Kontext anwenden.

2. Prinzip: Sammle und speichere Energie

Da stellt sich natürlich erst mal die Frage: Welche Energieformen gibt es überhaupt? Für den Garten gibt es da zum Beispiel Wasser, Wind, Wärme/Licht, Biomasse. Ziel ist es die Energie möglichst lange im System zu halten. Stichwort Kreisläufe. Und wie geht das? Die Möglichkeiten sind divers und endlos. Klassisch sind Regenauffangsysteme und -speicher, Mulch (hält Wasser im Boden), Steine als Wärmespeicher, Maßnahmen, die Wasserspeicherkapazität des Boden erhöhen, Bäume pflanzen (Baum=Energiespeicher), Saatgut sammeln und und und. Umso besser wir es schaffen die Energie in unserem System zirkulieren zu lassen und nicht einfach rausrauschen zu lassen, desto weniger Engerie muss dem System von außen zugeführt werden. Klingt logisch oder?

Doch unser alltägliches, gesellschaftliches System ist meist ganz anders aufgebaut. Energie (egal in welcher Form) ist jederzeit von außen verfügbar: Der Wasserhahn läuft, das Licht brennt, die Heizung funktioniert. Supermärkte haben fast rund um die Uhr geöffnet. Die Notwendigkeit Energie zu sammeln oder gar zu speichern ist quasi nicht mehr gegeben. Denn Speichern wird erst unbedingt notwendig wenn es auch Zeiten des Mangels gibt. Und hier fragt sich der Permakultur-Designer: Geht das nicht auch anders? Muss es erst zu spät sein bevor wir anfangen nachhaltig mit Energie zu haushalten? Welche lokalen Energiequellen gibt es hier und wie kann ich diese nutzen? Schon das Trocknen der Wäsche in der Sonne oder das Auffangen des Duschwassers zum weiteren Gebrauch ist eine Nutzung lokal verfügbarer Energie.

Und auch im sozialen Bereich ist es wichtig mit Energie zu haushalten. Wo geht meine Energie hin und wo bekomme ich Energie her? Und möchte ich so viel Energie für diese Sachen aufwenden? Oder geht das auch anders?

3. Prinzip: Erwirtschafte einen Ertrag

Bei diesem Prinzip ist bei mir zuerst ein ablehnendes Gefühl entstanden. Ich muss einen Ertag erwirtschaften? Das hat sich für mich im ersten Moment ziemlich konsumorientiert und wirtschaftlich angehört.

Was ist eine Ertrag? Alles mögliche kann ein Ertrag sein. Damit ist keinesfalls nur die Ernte in Form von Obst und Gemüse gemeint. So können Materialien zum Mulchen ein Ertrag sein oder Äste zum Zäune bauen etc. Und dann gibt es natürlich auch noch die immateriellen Erträge, den ’seelischen Ertrag‘. Dazu kann gehören, dass dir dein Garten Freude und Entspannung bringt oder dass du in deinem Garten Raum hast für ein schönes Beisammen-Sein, für Begnungen.

Inzwischen finde ich dieses Prinzip sehr schön. Es verdeutlicht für mich, dass alles ein Geben UND Nehmen ist. Denn wenn ich Energie in das System gebe, sei es nun physische, geistige oder materielle Energie, dann darf ich auch etwas zurück kommen lassen. Ich darf auch etwas ernten. Denn ein System, in dem ich nichts ernten kann, mich also nicht mal selbst versorgen kann, werde ich nicht erhalten können/wollen.

4. Prinzip: Nutze Selbstregulation und Feedback

Ein Ziel der Permakultur sind sich selbst regulierende Systeme. Mit anderen Worten: Ein Garten, der sich selbst begärtnert und sich in einem stablien Gleichgewicht befindet. Positives und negatives Feedback halten sich die Waage, wodurch das Wachstum auf ein (für das System) gesundes Maß begrenzt wird. Ein System, was sich selbst reguliert, bedarf wenig bis gar keine korrigierende Eingriffe von Außen. Das bedeutet für einen Gärtner konkret: weniger Arbeit.

Alles um dich herum gibt dir ständig Feedback auf dein Verhalten. Und doch bekommen wir oft die Auswirkungen unserer Handlung überhaupt nicht mit. Sei es nur etwas so alltägliches wie der Einkauf im Laden. Vielleicht kaufst du dir eine Tafel Schokolade. Woher kommt der Kakao? Was löst du damit in einem weit entfernten Land aus, wenn du diese Schokolade kaufst? Bei den Anbauern, für das Ökosystem? In unserer weiten, vernetzten Welt sieht man oft die Konsequenzen seiner Handlungen nicht mehr. Umso wertvoller ist es das direkte Feedback, was wir von unseren Mitmenschen und der Natur um uns herum bekommen, wahrzunehmen, zu akzeptieren und im besten Fall sogar umzusetzen..


Zu jedem der Prinzipien gibt es gefühlt unendlich viel zu sagen. Teilweise verschwimmen sie auch ineinander und während ich darüber schreibe, habe ich das Gefühl noch lange nicht erfasst oder verstanden zu haben, was alles dazu gehört. Also lasse ich meinen Perfektionisten mal in den Hintergrund treten und mache die Bühne frei für die Herzensstimme, die mir ein Gefühl der Zufriedenheit schenkt.

Permakultur bietet mir Werkzeuge an, keine fertigen Lösungen. Und so kommt es wie bei allen Werkzeugen darauf an, wer sie benutzt und wie sie benutzt werden. Die Ideen und Lösungen kommen aus mir heraus- aus dir. Und so wünsche ich mir, dass du diese Prinzipien verstehst: als Inspiration für deine eigene Kreativität, für deinen Weg und deine Lösung.

Hinterlasse einen Kommentar

Erstelle eine Website wie diese mit WordPress.com
Jetzt starten