Kennst du die Dicke Bohne?

Ackerbohne, Puffbohne, Pferdebohne, Saubohne, Fave, Vicia faba. Alle diese Namen beschreiben die gleiche Pflanze, die ich euch heute gerne vorstellen möchte.

Diese Pflanze gehört zu der Familie der Schmetterlingsblütler, hat weiße Blüten mit schwarzen Flecken, aus denen sich große grüne Hülsen bilden, die wiederrum große grüne Bohnen enthalten. Ist das Jahr schon weiter fortgeschritten und die Frucht schon länger an der Pflanze, wird die äußere Schicht der Bohne etwas ledrig und deshalb meist vorm essen entfernt. Das gelingt besonders leicht nach etwa 10 minütigem Kochen.

Bei dieser Bohne handelt es sich um eine uralte Kulturpflanze. In norddeutschen Küstenregionen wurde die Bohne schon vor 2000 Jahren angebaut, da sie im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen die ständige Flutung mit Salzwasser ertragen konnte. Weltgeschichtlich ist die Dicke Bohne schon seit bereits 5000 Jahren als Kulturpflanze zu finden.

Die Dicke Bohne war früher nicht nur aufgrund ihrer Robustheit und Unempfindlichkeit gegenüber Salzwasser beliebt, sie hat auch noch andere Vorteile, die einen Anbau lohnenswert machten: Lange Zeit war die Ackerbohne eine der wichtigsten Eiweißquellen für den Menschen. Da die Pflanze sehr temperaturunempfindlich ist, kann sie schon früh im Jahr gesät werden. Sie kann je nach Sorte Temperaturen bis zu -5°C aushalten. Eine frühe Aussaat führt dann dazu, dass es auch eine relativ frühe Ernte gibt (vor allem im Vergleich zu anderen Bohnen). Bereits Ende Mai/ Anfang Juni können die ersten Früchte geerntet werden. Getrocknet lässt sich die Bohne hervorragend lagern und der Samen ist sogar noch nach 5 Jahren keimfähig. Also das perfekte Lagergemüse für den Winter.

Zudem gehört die Dicke Bohne zu den Leguminosen und ist somit ein echter Bodenverbesserer. Leguminosen bieten in ihren Wurzelknöllchen einen Lebensraum für bestimmte Bakterien, welche den Stickstoff aus der Luft fixieren, also umwandeln können. Das macht den für Pflanzen sonst unnutzbaren Luftstickstoff verfügbar. So kann die Ackerbohne nicht nur als Menschenfutter, sondern auch als Bodenfutter angebaut werden. Genial oder?

Heutzutage ist die Dicke Bohne weitesgehend unbekannt. Ihre Qualitäten werden nicht mehr gebraucht. Denn Eiweißquellen sind rund um das Jahr in Massen verfügbar, Menschen sind nicht mehr darauf angewiesen, dass sie selber in ihrer Region ihre Nahrung anbauen müssen und die Gartenbohne und andere Gemüsesorten (wie Kartoffeln), die vor etwa 400 Jahren nach Europa kamen, haben die Dicke Bohne von den Feldern der Bauern verdrängt .

Ich habe die Bohne der viele Namen im März hier auf dem Hof kennengelernt. Sie war die erste Pflanze, die ich in meinem Garten eingesät habe. Und nun auch eine der ersten, die ich ernten durfte. Aufgrund ihrer langen Geschichte gibt es vielzählige und sehr unterschiedliche Rezeptideen für diese Bohne. In einigen Ländern wie Italien und Spanien oder im Alpenraum gilt die Dicke Bohne auch heute noch als Delikatesse. Bei unseren gemeinschaftlichen Mittagessen auf dem Hof durfte ich einige ganz vorzügliche davon kennenlernen.

Eine Bohne wurde hier schon aus der zweiten ledrigen Hülle gepult.

Aufstrich-Rezept-Idee: Mr. Bean

Die Bohnen aus den Hülsen befreien und für etwa 10 Minuten kochen lassen. Die gekochten Bohnen mit etwas Knoblauch und Olivenöl pürieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken et voilà fertig ist ein super leckerer und nahrhafter Aufstrich. Für eine bessere Bekömmlichkeit kann der Knoblauch vorher angedünstet werden.

Rezept
  • Dicke Bohnen
  • Knoblauch
  • Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer

Des Weiteren lässt sich die Dicke Bohne ganz hervorragend in allerlei Gerichte einfügen. Der Renner hier auf dem Hof ist eine Reispfanne mit Dicken Bohnen und frischen Erbsen, gut gewürzt mit Sojasauce und was die Küche noch so hergibt.

Für mich steht die Dicke Bohne stellvertretend für all die Pflanzen, die hier bei uns heimisch sind- oder schon eine sehr lange Geschichte haben-, aber im Bewusstsein der Gesellschaft total in Vergessenheit geraten sind. Wir kaufen uns Kräuter und Superfoods von überall auf der Welt und wissen dabei gar nicht, welche Schätze vor unseren eigenen Haustür warten. So sind auch viele alte und traditionelle Gemüsesorten von unseren Tellern und aus unseren Küchen verschwunden. Vielleicht lohnt es sich bei der einen oder anderen Sorte diese wieder auszugraben. Die Dicke Bohne ist es auf jeden Fall Wert wieder aus der Versenkung geholt zu werden.

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