Boden vorbereiten. Einsäen, Warten. Über die ersten kleinen Pflänzchen freuen. Pflegen. Warten. Über die Blüten freuen. Pflegen. Über den Fruchtansatz freuen. Warten. Die erste reife Frucht ernten und sich wie ein König freuen. Ernten. Verarbeiten. Ernten. Noch mehr ernten. Weiterverarbeiten. Ernten – wohin mit den ganzen Früchten?
Diesen Ablauf habe ich inzwischen- so oder ähnlich- recht oft und mit verschiedenem Obst oder Gemüse erlebt. Auf einmal gibt es von einer Sache so eine Fülle, dass wir gar nicht mehr wissen wohin damit. Wenn schon hunderte Gläser Marmelade gekocht wurden, unzählige Kuchen gebacken wurden, Früchte eingefroren wurden, zu Saft verarbeitet, zu Grütze und und und, was dann? Der Wunsch ist möglichst viel von dieser Fülle haltbar zu machen, um in der Zeit des Jahres, wo es nicht so einen Erntereichtum gibt auch etwas zu essen zu haben. Stichwort Selbstversorgung. Wie kann ich mich mit meinem selbstangebauten Obst und Gemüse auch noch im Winter und Frühling selbstversorgen? Wie kann ich schon bei der Verarbeitung und dann auch bei der Aufbewahrung Ressourcen, sprich Energie schonen? Gefriertruhe ist da auf jeden Fall nicht das höchste der Gefühle.

Hier auf dem Hof wurde zu diesem Zwecke ein nur mit Sonnenlicht betriebener Dörrofen gebaut. Dieser ist vor einigen Wochen endlich fertig geworden und seitdem wird ausprobiert und herumexperimentiert. Der erste Testlauf mit einer alten Birnensorte, der Ködelbirne (eine sehr kleine Birne, die sehr lecker ist), war erfolgreich. Seitdem wurden Buchweizensprossen und Apfelscheiben getrocknet. Der aktuelle Versuch sind Brombeeren. Für die Johannisbeeren kam die Fertigstellung des Ofens leider zu spät. Ansonsten hätten wir unsere zugekauften Rosinen vielleicht mit selbstgetrockneten Johannisbeeren ersetzen können.

Das besondere an unserem Dörrofen: Selbstgebaut und stromfrei. Über der schwarzen Fläche ist eine Plexiglasscheibe, so wird die Wärme der Sonne gesammelt und dann durch ein Lüftungsrohr in den Dörrapparat geleitet. Wichtig sind auch die Lüftungslöcher im oberen Bereich des Ofens, da dort die Feuchtigkeit entweichen kann. Nachteil: Das Wetter muss mitspielen sonst passiert im Dörrofen gar nichts.
Natürlich gibt es auch viele andere Möglichkeiten Obst oder Gemüse zu trocknen außer mit einem selbstgebauten solar Dörrofen. Es gibt tolle Dörröfen zu kaufen, die jederzeit verwendbar und zuverlässig sind. Es kann z.B. auch im Backofen bei niedriger Temperatur mit ganz leicht geöffneter Ofentür getrocknet werden. ODER: Ein warmer, trockener Ort tut es bei vielen Früchten auch schon, oder die Heizung/der Kamin. So können Apfelringe auf eine Schnur gespannt im Zimmer aufgehangen werden oder Fruchtscheiben auf ein Stück Küchenpapier gelegt auf der Heizung trocknen.
Das Trocknen von Früchten ist eine urlalte Methode zur Konservierung von Lebensmitteln. So sind leckere Früchte das ganze Jahr über verfügbar und das ganz ohne lange Lieferwege und Supermarkt. So ist diese Methode für mich ein wichtiger Bestandteil von einem naturnahen und selbstversorgten Lebensstil.
Getrocknet werden kann alles mögliche. Von Trauben, Äpfeln und Zwetschgen bis zu Beeren und meinem Favorit: der Birne. Ein guter Trick bei Trockenobst ist das Einweichen vor dem Verzehr. So sind die Trockenfrüchte besonders bekömmlich und besonders lecker im Frühstücksbrei oder Kuchen.
