Wie wäre es, dies nicht zu tun? Warum jenes nicht unterlassen?
Masanobu Fukuoka
Es gab einst einen Mann in Japan, Masanobu Fukuoka war sein Name, der in der Ruhe und Stille seiner heimatlichen Berge das entdeckt und gelebt hat, was er selbst als ‚Natürliche Landwirtschaft‘ beschreibt. Dieses Erfahrungs-Wissen hat große Wellen geschlagen. Fukuoka gab unzählige Vorträge weltweit, schrieb einige Bücher und erhielt für seine Taten den asiatischen ‚Friedensnobelpreis‘. Auch Bill Mollison, Begründer der Permakultur, tauschte sich mit Fukuoka über seine Erkenntnisse aus. So lassen sich einige Sachen von Fukuoka und seiner ‚Nicht-Tun-Landwirtschaft‚ in der Permakultur wiederfinden. Fukuokas Buch ‚Der Große Weg hat kein Tor‘ wurde in über 25 Sprachen übersetzt und hat auch mich zu diesem Eintrag inspiriert.
Nachdem Fukuoka als junger Mann als Mikrobiologe in der Forschung gearbeitet hat, traf ihn eines Tages die Erkenntnis, dass er nichts weiß. Dass wir Menschen nichts wissen. Mit anderen Worten: Fukuoka wurde bewusst, dass Wissen, mit dem Verstand erfasst, immer nur unzulänglich sein kann- nie vollständig. Der Weg, den er daraufhin beschritt, sollte genau dies zeigen: Der Mensch weiß nichts. Sein Demonstrationsobjekt war der von den Eltern übernommene landwirtschaftliche Betrieb, wo er genau dies zeigen wollte.
Der übliche Weg, um eine neue Methode zu entwickeln, ist, zu fragen ‚Wie wäre es dies auszuprobieren?‘, ‚Was passiert, wenn ich jedes tue?‘. Fukuoka machte es genau anders herum. Er fragte sich ‚Wie wäre es dies NICHT zu tun?‚. Der Grundgedanke dahinter: Die Arbeit einfacher zu machen und zu verringern. Und so begann er nach und nach all die Dinge, die man halt so macht in der Landwirtschaft, zu unterlassen. Er hörte auf zu Pflügen, Dünger zu verwenden, Pestizide oder Herbizide einzusetzen oder Kompost zu bereiten. Kurz um: nach seiner Erfahrung gibt es nur sehr wenige landwirtschaftliche Praktiken, die wirklich nötig sind. Und der einzige Grund, warum diese Techniken heute nötig erscheinen, ist, dass das natürliche Gleichgewicht der Natur gestört wurde und das Land abhängig geworden ist von den modernen Techniken. Fukuoka möchte „mit der Natur arbeiten, statt sie durch Unterwerfung zu übertreffen“.
Da springt natürlich bei den meisten von uns gleich der Kritiker an: ‚Das hört sich ja alles schön und gut an, aber funktioniert das auch in der Praxis?‚ Fukuoka hat gezeigt, dass es funktioniert. Mit seiner Nicht-Tun-Landwirtschaft erzielte er genauso gute Erträge, teilweise sogar bessere, wie seine Kollegen. Viele Menschen -Reisende, Suchende, Wissenschaftler, Neugierige, Kritiker- kamen ihn besuchen und konnten vor Ort miterleben und lernen, was natürliche Landwirtschaft bedeutet. Einige durften erkennen, dass ‚Nicht-Tun-Landwirtschaft‚ nicht bedeutet nichts zu tun. Es bedeutet nur nichts überflüssiges zu tun. Fukuoka stellte 4 Prinzipien für natürliche Landwirtschaft zusammen, welche er durch Ausprobieren herausgefunden hatte:
- keine Bodenbearbeitung
- kein chemischer Dünger oder aufbreiteter Kompost (stattdessen Bodenverbesserung durch Leguminosen, Mist und Mulch)
- keine Unkrautbekämpfung durch Bearbeiten oder Herbizide (Unkraut sollte kontrolliert nicht beseitigt werden)
- keine Abhängigkeit von Chemikalien
Mit dieser Grundlage und dem ein oder anderen Trick, wie z.B. das Einschließen von Saatgut in Lehmkügelchen zum Fraßschutz, konnte Fukuoka einen landwirtschaftlichen Betrieb führen mit guten Erträgen und deutlich weniger Arbeitsaufwand und auch Material- und Kostenaufwand. Man bedenke nur die ganzen Mittel oder Maschinen, die völlig überflüssig werden bei dieser Art der Landwirtschaft.

In seinem Buch wird genau beschrieben wie sein System funktioniert, welche Pflanzen er verwendet und wann er was tut. Allerdings können von seinen Beschreibungen nur die Qualitäten übernommen werden, nicht die konkreten Produkte, da er von Reisanbau in Japan spricht.
Eine Landwirtschaft, die heil ist, nährt die ganze Person, Körper und Seele.
Wie am Anfang beschrieben, fängt Fukuoka nicht bei der Landwirtschaft an. Es geht nicht nur um Obst- und Gamüseanbau. Denn das ist ja alles nur ein Teil des Ganzen. Für Fukuoka ist natürliche Landwirtschaft ein Lebensstil, ein Wissen um das Nicht-Wissen. Sie entsteht aus der Harmonie und Verbindung des Bauerns mit Natur- ganz von selbst. Sie ist frei von der ‚Herrschaft des willensmäßigen Intellekts‘. Frei von ‚Ich will das aber so‘, ‚Ich brauche dieses und jenes‘ oder ‚Das muss so gemacht werden‚. Daher gibt es keine Regeln oder Richtlinien dafür. Jeder Mensch kann aus sich heraus ’natürlich‘ leben. „Den menschlichen Willen aufgeben und uns stattdessen von der Natur führen lassen.“
Die Bereiche Ernährung und Arbeit sind eng mit dem Thema natürliche Landwirtschaft verwoben. Zum Thema Ernährung sagt Fukuoka ‚am besten für den Menschen sind Nahrungsmittel aus seiner Umgebung, bei denen er sich nicht anstrengen muss, um sie zu bekommen‘. Das bedeutet in Kurzform für uns: Regional und Saisonal. Zudem weist er auch hier darauf hin die Welt nicht nur mit dem Verstnad zu begreifen. ‚Heutzutage essen die Menschen mit ihrem Verstand, nicht mit ihrem Körper‘. Alles ist wissenschaftlich aufgedröselt, der Nährstoffgehalt von allem bestimmt und festgelegt, wie viel der Mensch wovon braucht. Doch schon allein an der Vielfalt der Ernährungstipps, die sich immer wieder komplett widersprechen, sieht man, dass es so nicht funktioniert. Es reicht nicht nur die körperliche Dimension miteinzubeziehen. Bei einem ganzheitlichen Ernährungsverständnis sind der Zyklus der Natur und die spirituellen und emotionalen Werte genauso fundamental wie die physiologischen.
„Der erste Schritt ist, Sensibilität zu entwickeln, um dem Körper zu erlauben, seine Nahrung selbst auszuwählen.“
Fukuoka schreibt auch einiges zu Arbeit und leben. „Menschen wäre ein Leben von solcher Einfachheit möglich, wenn man arbeiten würde, um direkt für seine täglichen Bedürfnisse zu produzieren. Bei solch einem Leben ist Arbeit keine Arbeit im herkömmlichen Sinn, sondern einfach das, was nötig ist, was getan werden muss.“ Seinem Verständnis nach sind alle Probleme der Menschheit erst entstanden, weil die Menschen versuchen etwas zu vollbringen- etwas zu tun. Den Tag zu leben und zu genießen. Das tun, was nötig ist, und die restliche Zeit nach Belieben, dösend oder dichtend, verbringen- eben ein natürliches und einfaches Leben führen.
Es ist nirgends besser als auf dieser Welt. Vor Jahren schon habe ich erkannt, wir Menschen sind gut, so wie wir sind, und ich habe begonnen, mein Leben zu genießen.
Masanobu Fukuoka
Ich habe versucht einige der Kerngedanken von Masanobu Fukuoka aus seinem Buch ‚Der Große Weg hat kein Tor‘ hier wiederzugeben. Da dies aus meiner ganz persönlichen Sicht geschehen ist, mit dem Filter meiner Vorlieben und dem, was ich für wichtig und richtig halte, lohnt es sich auf jeden Fall das Buch selber noch mal zu lesen, falls du dich von den Inhalten angesprochen fühlst. Mich hat das Buch sehr inpiriert und mich noch mal daran erinnert, was ‚wichtig‚ ist.
