Selbstversorgung- was heißt das eigentlich?
Im wahrsten Sinne des Wortes heißt SelbstVersorgung sich selbst versorgen. Ich kann mich selbst versorgen. Das setzt vorraus, dass ich weiß, was ich brauche.

Was sind meine Bedürfnisse- meine wahren Bedürfnisse?
Was brauche ich wirklich? Und was brauche ich nicht?
Das ist für mich ein Schlüssel und vor allem auch ein Ansetzpunkt für SelbstVersorgung.
Zu diesen Gedanken bin ich gekommen, als ich angefangen habe mich konkret mit dem Thema Selbstversorgung auseinander zu setzen. Bis dato war mein Bild von Selbstversorgung: Zu wissen, wie man Zahnpasta selber herstellt, Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen und generell möglichst viel selber zu machen. Bei vielen schwingt da auch noch so ein Bild vom einsamen Eremiten mit, der völlig abgekapselt -weil autark lebend- irgendwo im Nirgendwo lebt. Doch mit Selbstversorgung ist keinesfalls gemeint alles alleine machen zu müssen- im Gegenteil. Erst im GEMEINSAM handeln mit anderen wird Selbstversorgung wirklich sinnvoll.
Was gehört denn nun alles dazu?
Das ist schon mal eine spannende Frage. Wenn die Basis von Selbstversorgung meine eigenen Bedürfnisse sind, gehört für jeden individuell auch etwas anderes dazu. Logisch oder? Trotzdem wird es wahrscheinlich, vor allem bei den Grundbedürfnissen, viele Überschneidungen geben. Wasser, Nahrung, Schutz und Wärme wird wohl bei jedem in irgendeiner Form auf dem Zettel stehen. Ich war dann aber ziemlich überrascht, wie viele Bereiche noch dazugehören (können). Angefangen bei matriellen Dingen, wie Kleidung oder Kosmetikartikel über Energieversorgung oder Bildung bis hin zu Unterhaltung oder Mobilität.
Definitionen?
Selbstversorgung ist das Gegenteil von Konsumieren und blind das zu nutzen, was angeboten wird. Selbstversorgung heißt zu wissen, wo die Dinge herkommen, die ich benutze, und wo sie danach hingehen (Kreislaufgedanke). Selbstversorgung heißt selbst entscheiden zu können, was und wie viel und zu welchem Zeitpunkt. Selbstversorgung bedeutet einigermaßen unabhängig zu sein von dem Handeln anderer. Ich weiß, was ich WIRKLICH brauche und ich weiß, wie ich diese meine Bedürfnisse erfüllen kann.
So wie es viele Bereiche für Selbstversorgung gibt, so gibt es auch verschiedene Grade der Selbstversorgung. Wie gesagt jeder Mensch ist anders und jeder hat ein anderes Level der Selbstversorgung. Wo für den einen der nächste Schritt der Selbstversorgung der komplette Verzicht auf zugekaufte Nahrungsmittel ist, so könnte für den anderen das Zubereiten der eigenen Mahlzeiten der nächste Schritt sein. Und das ist auch gut und richtig so. Es machen auch nicht für jeden die gleichen Sachen Sinn. Der Gemüseanbau im eigenen Garten ist für viele Stadtbewohner schlicht nicht möglich. Dafür ist es hier viel einfacher sich mit vielen Menschen zusammenzuschließen, um beispielsweise eine FoodCoop (Lebensmittelkooperative) zu gründen oder sich gemeinsam selbst mit Strom zu versorgen unabhängig vom Stromnetz. Auch das Teilen von Gegenständen, wie Werkzeuge, Autos oder Bücher, ist in Städten viel einfacher zu organisieren. Wie gesagt es geht nicht darum alles alleine und ohne Hilfe zu schaffen. ‚Gemeinsam sind wir stark‚ kommt nicht von ungefähr.
In vielen größeren Städten gibt es inzwischen viele tolle Initiativen, Alternativen zum bestehenden System. Es gibt Solawis, Gemüsekisten und FoodCoops, alternative Schulsysteme oder Waldkindergärten, Repair Cafes und Selbsthilfewerkstätten, Bücherschränke und Kleidertauschpartys, Car-Sharing und und und.
Und warum das Ganze?
Das ist die nächste gute Frage. Die jeder wieder nur für sich selbst beantworten kann. Ich für mich möchte wieder verbunden sein mit den Dingen, die mich umgeben und mit der Nahrung, die ich zu mir nehme.

Eine Möhre ist etwas gänzlich anderes, wenn ich sie selber im Frühjahr eingesät, mehrmals im Jahr nach ihr geschaut und von Beikraut befreit habe und sie dann im Herbst selbst aus der Erde gezogen habe und in meinem Fahrradkorb nach Hause gefahren habe, um sie zu schnippeln und in den Kochtopf zu tun. Ich weiß wie die Erde sich anfühlt, in der sie gewachsen ist, ich weiß welches Wetter sie erlebt hat und kenne die Tiere, die an ihr vorbeigehuscht sind. Der Unterschied zu einer Möhre, die ich im Supermarkt kaufe und Zuhause aus ihrer Plastikverpackung hole, könnte nicht größer sein. Von dieser Möhre weiß ich nichts. Sie ist anonym, irgendwie leer. Genauso wie ich nichts über den Ort ihres Ursprungs oder die Menschen, die daran beteiligt waren, weiß.
Und das ist nur ein kleiner Aspekt dabei. Die Frage nach der ökologischen Vertretbarkeit und sozialen Vertretbarkeit bei der Erfüllung meiner Bedürfnisse spielt für mich auch eine wichtige Rolle. Lasse ich meine Bedürfnisse von anderen befriedigen, von denen ich –im besten Fall– nicht weiß, ob sie auf ökologische oder soziale Belange Rücksicht nehmen, oder –im schlechteren Fall– weiß, dass sie ihren Fokus auf die eigene Profitsteigerung legen?
Bedürfnisse sind der Schlüssel -finde ich-. Viel zu oft wissen wir gar nicht, was unser eigentliches tiefes Bedürfnis ist. Viel zu oft lassen wir und von außen einreden, was wir brauchen, was wir haben sollten und was nicht. Sei es durch Werbung oder durch andere Menschen in unserem Umfeld. Im Laufe unseres Lebens haben wir einige ‚Werkzeuge‘ eingeübt, die augenscheinlich unsere Bedürfnisse befriedigen. Abends einen Film schauen, um abzuschalten. Ein Glas Wein trinken, um es so richtig gemütlich zu machen. Sich mal richtig was zu gönnen, weil es grade so anstrengend ist. Doch befriedigen diese Dinge wirklich die Bedürfnisse dahinter? Oder brauchen wir in manchen Fällen vielleicht etwas ganz anderes? Was ist das Bedürfnis hinter ‚abschalten‘? Den Gedanken und dem Alltag entfliehen? Ist es also vielleicht die Klärung einer angespannten Situation oder weniger Stress oder einfach Entspannung? Und ist ein Film hier wirklich das beste Mittel?

Für mich geht SelbstVersorgung über den materiellen Aspekt hinaus. Es ist genauso wichtig mich emotional oder geistig zu versorgen- zu reflektieren, was meine Bedürfnisse sind und dann auch konkrete Schritte einzuleiten, um sie zu erfüllen.
Eines meiner Bedürfnisse ist zu lernen. Die Möglichkeiten, die ich hier auf dem Hof habe zu nutzen und neue andere Dinge machen. Daher hier eins von den Rezepten, die ich kürzlich ausprobiert habe. Denn mir hilft es immer auch erst mal ins Handeln zu kommen. Das heißt kleine, neue Sachen ausprobieren auf der einen Seite und auf der anderen Seite mir über meine Bedürfnisse klar werden, über meine Möglichkeiten, meine Ziele und daraus dann eine Art flexiblen Masterplan für meine SelbstVersorgung erstellen.
Rezept Karpern aus Kapuzinerkressesamen
Die Samen von Schmutz befreien, mit reichlich Salz in ein Glas geben und gut schütteln. Die Samen sollten wie gezuckert aussehen. (So wird das Wasser entzogen). So für eine Woche in den Kühlschrank stellen. Anschließend die Samen mit Wasser abspülen, in ein Glas füllen und vollständig mit (weißwein)Essig bedecken. Nun darf das Ganze für noch etwa 2 Wochen durchziehen.
Ich bin von diesem Rezept ziemlich begeistert, da das Ergebnis tatsächlich schmeckt wie Karpern, es sich einfach und problemlos herstellen und lagern lässt und die Samen in Fülle in unserem Garten vorhanden sind.