Verrückt wie schnell die Zeit vergeht. Ein Jahr ist fast vorbei. Und was gehört zu einem Ende immer dazu? Rückblick, Reflektieren, Feiern.
Und gleichzeitig der Ausblick nach vorne, das Feedforward (was hier auch immer zu einem Feedback dazugehört).
Wie schaffe ich einen Übergang? Was möchte ich mitnehmen, was hinter mir lassen? So eine Veränderung bietet auch immer eine große Chance für einen neuen Anfang.
Nach einem Jahr intensivem Permakultur-Lernen und Leben weiß ich, dass ich die Permakultur gerne noch etwas weiter in meinem Leben mitnehmen möchte. Doch wie kann ich Permakultur im Alltag leben, wenn ich nicht gerade von einem Permakultur-Lernort und Permakultur-Designern umgeben bin?
Eine unserer Mentorinnen hat genau dafür den PermAdventskalender entwickelt. Ja ich weiß Weihnachten ist schon vorbei. Doch wie es auch schon im Namen steckt, PERMAdventskalender, kann man diesen Kalender PERMANENT anwenden. Dabei geht es darum sich immer 1-3 Tage lang (oder auch eine Woche oder einen Monat) mit einem der 12 Permakultur-Prinzipien nach Holmgren zu beschäftigen und so zu entdecken, wo Permakultur eigentlich in deinem Alltag schlummert. Besonders wirksam ist es, wenn man sich zu jedem Prinzip einige Notizen macht.
Und um noch einen tieferen Einblick in die Prinzipien zu bekommen und was sie eigentlich bedeuten, kommen hier die nächsten beiden Prinzipien etwas genauer.
9. Prinzip: Setze auf kleine und langsame Lösungen

Dieses Prinzip finde ich sehr wertvoll. Es ist so ein kleiner Reminder, dass es nicht sofort und nicht perfekt sein muss. Große Eingriffe schlagen oft auch große Wellen und sind dadurch viel schwieriger einzuschätzen oder zu korrigieren.
Ein Beispiel vom Hof
Vor einigen Jahren wurde die Anbindehaltung für demeter Betriebe verboten. Bis dahin gab es hier einen Kuhstall, wo die Kühe alle ihren festen Platz hatten und im Stall angebunden waren. Das neue Modell, ein Laufstall, bedarf eines komplett anderen Stalldesigns, da die Kühe, wie der Name sagt, frei im Stall herumlaufen können. Das hieß für den Betrieb: etwas muss geändert werden. Der Stall der Anbindehaltung entsprach überhaupt nicht den Anforderungen für einen Laufstall. Viel zu klein. Was nun? Der Landwirt hat entschieden einen neuen, großen Kuhstall zu bauen, der den neuen Anforderungen gerecht wird. Das bedeutete konkret eine immense finanzielle Investition und auf lange Sicht auch Abhängigkeit durch die Verschuldung. Der Stall wird heute noch abbezahlt. Die Kuhherde ist stark vergrößert worden (irgendwo muss das Geld ja herkommen). Viele andere Bereiche wie Gemüsebau oder der Verkauf von Getreide mussten aufgegeben werden, da die Milchproduktion alle Arbeitskräfte erfordert.
Der Bau eines neuen Kuhstalls war definitiv keine kleine und langsame Lösung. Es war ein großer Eingriff ins System mit einem enormen Energieaufwand (Geld, Zeit). Das hat diesen Hof auf die Milchproduktion festgelegt und somit mögliche heutige Handlungsspielräume verbaut. Und es gibt keine (einfache) Möglichkeit der Änderung mehr. Sobald der Stall angefangen wurde zu bauen, war es fest. Eventuelle Beobachtungen und Erkenntnisse oder Veränderungen im Außen, die einen anderen Weg als besser offenbaren, können nicht mehr berücksichtig werden. Der Kurs konnte und kann nicht mehr geändert werden. Egal welches Feedback aus dem System auf die Veränderung kommt.
Also,
Gründe für eine kleine und langsame Lösung:
- es ist meist schneller möglich, da nicht so ein großer Energieaufwand erforderlich ist (in dem Beispiel war einige Zeit nötig die finanziellen Mittel zu beschaffen und dann auhc den Stall zu bauen)
- es ist überschaubar (ein großer Eingriff wächst dir schnell über den Kopf)
- Fehlerfreundlichkeit, da Feedback aus dem System berücksichtigt werden kann
- je größer, desto komplexer. Es ist uns Menschen einfach nicht möglich alle Folgen unserer Entscheidungen und Taten abzusehen
- langsame Systeme sind potentiell stabiler und effektiver
10. Prinzip: Nutze und schätze Vielfalt

Dass Diversität wichtig ist, kommt langsam in das Bewusstsein der Menschen. Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen, Diversität im Genpool, eine abwechslungsreiche Ernährung… Ein gesundes und stabiles (Öko)System ist vielfältig und komplex. Es gibt eine Vielzahl an Elementen und vor allem auch eine Vielzahl an Verbindungen unter den Elementen. Elemente eines Waldes sind zum Beispiel Bäume, kleine krautige Pflanzen, Vögel, Insekten, Pilze, Trampelpfade, Säugetiere, der Boden und und und. Eine Vielzahl an Elementen ist sozusagen der erste Schritt. Doch einfach möglichst viel verschiedenes zu haben, bringt es im Endeffekt dann auch nicht. Ein Wald ist ein stabiles Ökosystem, weil alle Elemente verbunden sind auf vielfältige Art und Weise. Insekten fressen das Holz der Bäume, Pilze sind in Sybiose mit Baumwurzeln, Vögel bauen ihre Nester in Bäumen, Baumwurzeln stbilisieren den Boden, der Boden ernährt die Bäume und und und.
Vielfalt bedeutet, dass, wenn ein Element ausfällt, das System das auffangen kann, weil es noch ein anderes Element gibt, was diese Funktion ausführen kann oder schon ausführt. Das ist der Grund, warum genetische Variabilität so wichtig ist. Bei einer Vielzahl an Möglichkeiten gibt es immer ‚jemanden‘, der mit der Veränderung klar kommt. Die Pflanze, die mit wenig Wasser auskommt, das Tier, was eine unauffälligere Farbe hat oder die Methode, die flexibler ist und Veränderung miteinbezieht/willkommen heißt.
Also Vielfalt meint sowohl eine Vielfalt an Elementen als auch eine Vielfalt an Beziehungen und Verbindungen zwischen den Elementen. Erst damit kann ein wirklich stabiles und auch nachhaltiges System entstehen.

Huhu – seid ihr noch da?
LikeLike