Hervorgehoben

Ein Anfang…

Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Chinesisches Sprichwort

Ein Schritt…


Hallo liebes Erdenkind und herzlich Willkommen auf meinem neuen (ersten) Blog. Ich habe einen Schritt gewagt und werde nun für ein Jahr eintauchen in das Leben auf dem Biobauernhof Luna. In diesem Blog werde ich die nächsten Monate über die Erlebnisse und Erfahrungen meiner ‚Reise‘ berichten.

Mein Jahr auf dem Bauernhof.

Hof Luna ist ein Demeter-zertifizierter Bauernhof, der südlich von Hannover im beschaulichen Everode liegt. Man könnte auch sagen ‚weit wech vom Schuss‘, dafür Natur pur. (Also genauso wie ich es mag 🙂 ). Hier werde ich nun ab März für ein Jahr an dem Programm ‚Orientierungsjahr- Art-gerecht leben lernen‘ teilnehmen. Dabei geht es um Nachhaltigkeit, Selbstversorgung, Permakultur, Gemeinschaft und und und.

Durch diesen Blog möchte ich Dich daran teilhaben lassen. Ich wünsche mir eine Welt, wo wir uns gegenseitig unterstützen, uns austauschen und teilen. Die Idee mit diesem Blog mein neu erworbenes Wissen und meine Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen- es mit Dir zu teilen-, finde ich toll. So wird aus meinem eigenen kleinen ‚Ich finde meinen Weg-Projekt‘ ein Gemeinschaftsprojekt. Ich nehme Dich mit auf meine Forschungsreise zu der Frage:

Wie kann ich im Einklang mit der Natur leben und trotzdem als Teil dieser Welt?

Hof Luna ist der Ort, den ich mir unter anderem für die Beantwortung dieser Frage ausgesucht habe. Warum? Weil es hier neben dem biologisch-dynamisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb auch den sogenannten LernOrt gibt. Was man hier lernen kann? Gelehrt, gelernt und gelebt wird hier mit viel Enthusiasmus und Liebe rund um die Themen Permakultur, Wildniswissen, Selbstversorgung und Landwirtschaft. Und weißt du, was das schönste daran ist? Hier geht es nicht darum theoretisch Konzepte zu erlernen und am Schreibtisch sitzend Bücher zu wälzen. In diesem Jahr bin ich hautnah dabei und kann alles ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen und so die wertvollste Art von Wissen sammeln: Erfahrungswissen. (Etwas Theorie und einige Bücher lesen gehört wohl trotzdem noch dazu 😉 ).

Ein Gramm Praxis ist mehr wert als eine Tonne Theorie.

Swami Sivananda

Falls du dich jetzt fragst, was dieses Permakultur-Ding ist und was das überhaupt soll, helfen dir vielleicht folgende Sätze für einen kleinen Überblick: David Holgrem, Mitbegründer des Permakulturansatzes, definiert Permakultur als “kreative[n] Gestaltungsansatz, der auf eine Welt schwindender Energie- und Ressourcenverfügbarkeit reagiert”. Kurz zusammengefasst geht es darum eine zukunftsfähige Lebensweise zu entwickeln und Lebensräume zu schaffen, ausgehend von den drei Grundsätzen: Earth Care. People Care. Fair ShareSorge für die Erde. Sorge für die Menschen. Begrenze Konsum und Wachstum, verteile Überschüsse.

Hört sich gut an oder? Neugierige können hier noch etwas weiterstöbern: https://permakultur.de/was-ist-permakultur/. Und falls du jetzt Lust auf mehr bekommen hast, kannst du mich die nächsten Monate begleiten und mit mir nach und nach mehr über dieses so umfangreiche und wie ich finde zukunftsweisende Thema lernen.


Ich möchte mit diesem Blog ein Netzwerk aufbauen. Ein Netzwerk mit Menschen, die sich gegenseitig unterstützen- ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich möchte durch diesen Blog teilen, was ich in diesem Jahr erleben und erfahren darf – das, was ich in Fülle habe.

Es wird um eine bunte Mischung von Themen gehen angefangen bei Permakultur (was sonst?! 😉 ), Selbstversorgung über Landwirtschaft und Ökologie bis hin zu Ernährung und leben in Gemeinschaft. Mal mit wissenschaftlichen Inhalten, mal mit der persönlichen Erfahrung. Das ein oder andere Rezept zum selber nachmachen oder ein kleines Gartenprojekt werden auch dabei sein, sowie inspirierende Zitate oder interessante Fragen. Ich möchte dich mit auf die Reise nehmen durch gut durchlüftete Tiefen und baumige Höhen, über selbstgebackene Brotberge und zu ungeahnten Wissensquellen.

Ob als stiller Mitleser, aktiver Diskussionenstarter, begeisterter Wissenssammler oder kurzer Besucher, sei dabei und begleite mich auf meiner Reise. Wenn du magst, trage dich bei der Startseite ganz unten in die E-Mail-Liste ein und erfahre immer sofort, wenn es etwas neues gibt.

Hast du Fragen oder Anmerkungen kannst du mir natürlich gerne schreiben. Ich selber freue mich riesig auf dieses Abenteuer und hoffe auch dich neugierig gemacht zu haben.


Das vergangene Jahr habe ich mich viel mit den Fragen beschäftigt was ich gerne machen möchte (Was ist meine Berufung? Was kann ICH der Welt geben?) und wo es jetzt hingehen soll (Was ist mein Lebensweg?). Meine Suche, meine Fragen, mein Vertrauen und auch die dazwischen empfundenen Ängste und Unsicherheiten haben mich schlussendlich hierher geführt. Jetzt traue ich mich und mache…

meinen ersten Schritt…

Noch ein paar Prinzipien der Permakultur

Verrückt wie schnell die Zeit vergeht. Ein Jahr ist fast vorbei. Und was gehört zu einem Ende immer dazu? Rückblick, Reflektieren, Feiern.

Und gleichzeitig der Ausblick nach vorne, das Feedforward (was hier auch immer zu einem Feedback dazugehört).

Wie schaffe ich einen Übergang? Was möchte ich mitnehmen, was hinter mir lassen? So eine Veränderung bietet auch immer eine große Chance für einen neuen Anfang.

Nach einem Jahr intensivem Permakultur-Lernen und Leben weiß ich, dass ich die Permakultur gerne noch etwas weiter in meinem Leben mitnehmen möchte. Doch wie kann ich Permakultur im Alltag leben, wenn ich nicht gerade von einem Permakultur-Lernort und Permakultur-Designern umgeben bin?

Eine unserer Mentorinnen hat genau dafür den PermAdventskalender entwickelt. Ja ich weiß Weihnachten ist schon vorbei. Doch wie es auch schon im Namen steckt, PERMAdventskalender, kann man diesen Kalender PERMANENT anwenden. Dabei geht es darum sich immer 1-3 Tage lang (oder auch eine Woche oder einen Monat) mit einem der 12 Permakultur-Prinzipien nach Holmgren zu beschäftigen und so zu entdecken, wo Permakultur eigentlich in deinem Alltag schlummert. Besonders wirksam ist es, wenn man sich zu jedem Prinzip einige Notizen macht.

Und um noch einen tieferen Einblick in die Prinzipien zu bekommen und was sie eigentlich bedeuten, kommen hier die nächsten beiden Prinzipien etwas genauer.

9. Prinzip: Setze auf kleine und langsame Lösungen

Dieses Prinzip finde ich sehr wertvoll. Es ist so ein kleiner Reminder, dass es nicht sofort und nicht perfekt sein muss. Große Eingriffe schlagen oft auch große Wellen und sind dadurch viel schwieriger einzuschätzen oder zu korrigieren.

Ein Beispiel vom Hof

Vor einigen Jahren wurde die Anbindehaltung für demeter Betriebe verboten. Bis dahin gab es hier einen Kuhstall, wo die Kühe alle ihren festen Platz hatten und im Stall angebunden waren. Das neue Modell, ein Laufstall, bedarf eines komplett anderen Stalldesigns, da die Kühe, wie der Name sagt, frei im Stall herumlaufen können. Das hieß für den Betrieb: etwas muss geändert werden. Der Stall der Anbindehaltung entsprach überhaupt nicht den Anforderungen für einen Laufstall. Viel zu klein. Was nun? Der Landwirt hat entschieden einen neuen, großen Kuhstall zu bauen, der den neuen Anforderungen gerecht wird. Das bedeutete konkret eine immense finanzielle Investition und auf lange Sicht auch Abhängigkeit durch die Verschuldung. Der Stall wird heute noch abbezahlt. Die Kuhherde ist stark vergrößert worden (irgendwo muss das Geld ja herkommen). Viele andere Bereiche wie Gemüsebau oder der Verkauf von Getreide mussten aufgegeben werden, da die Milchproduktion alle Arbeitskräfte erfordert.

Der Bau eines neuen Kuhstalls war definitiv keine kleine und langsame Lösung. Es war ein großer Eingriff ins System mit einem enormen Energieaufwand (Geld, Zeit). Das hat diesen Hof auf die Milchproduktion festgelegt und somit mögliche heutige Handlungsspielräume verbaut. Und es gibt keine (einfache) Möglichkeit der Änderung mehr. Sobald der Stall angefangen wurde zu bauen, war es fest. Eventuelle Beobachtungen und Erkenntnisse oder Veränderungen im Außen, die einen anderen Weg als besser offenbaren, können nicht mehr berücksichtig werden. Der Kurs konnte und kann nicht mehr geändert werden. Egal welches Feedback aus dem System auf die Veränderung kommt.

Also,

Gründe für eine kleine und langsame Lösung:
  • es ist meist schneller möglich, da nicht so ein großer Energieaufwand erforderlich ist (in dem Beispiel war einige Zeit nötig die finanziellen Mittel zu beschaffen und dann auhc den Stall zu bauen)
  • es ist überschaubar (ein großer Eingriff wächst dir schnell über den Kopf)
  • Fehlerfreundlichkeit, da Feedback aus dem System berücksichtigt werden kann
  • je größer, desto komplexer. Es ist uns Menschen einfach nicht möglich alle Folgen unserer Entscheidungen und Taten abzusehen
  • langsame Systeme sind potentiell stabiler und effektiver
10. Prinzip: Nutze und schätze Vielfalt

Dass Diversität wichtig ist, kommt langsam in das Bewusstsein der Menschen. Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen, Diversität im Genpool, eine abwechslungsreiche Ernährung… Ein gesundes und stabiles (Öko)System ist vielfältig und komplex. Es gibt eine Vielzahl an Elementen und vor allem auch eine Vielzahl an Verbindungen unter den Elementen. Elemente eines Waldes sind zum Beispiel Bäume, kleine krautige Pflanzen, Vögel, Insekten, Pilze, Trampelpfade, Säugetiere, der Boden und und und. Eine Vielzahl an Elementen ist sozusagen der erste Schritt. Doch einfach möglichst viel verschiedenes zu haben, bringt es im Endeffekt dann auch nicht. Ein Wald ist ein stabiles Ökosystem, weil alle Elemente verbunden sind auf vielfältige Art und Weise. Insekten fressen das Holz der Bäume, Pilze sind in Sybiose mit Baumwurzeln, Vögel bauen ihre Nester in Bäumen, Baumwurzeln stbilisieren den Boden, der Boden ernährt die Bäume und und und.

Vielfalt bedeutet, dass, wenn ein Element ausfällt, das System das auffangen kann, weil es noch ein anderes Element gibt, was diese Funktion ausführen kann oder schon ausführt. Das ist der Grund, warum genetische Variabilität so wichtig ist. Bei einer Vielzahl an Möglichkeiten gibt es immer ‚jemanden‘, der mit der Veränderung klar kommt. Die Pflanze, die mit wenig Wasser auskommt, das Tier, was eine unauffälligere Farbe hat oder die Methode, die flexibler ist und Veränderung miteinbezieht/willkommen heißt.

Also Vielfalt meint sowohl eine Vielfalt an Elementen als auch eine Vielfalt an Beziehungen und Verbindungen zwischen den Elementen. Erst damit kann ein wirklich stabiles und auch nachhaltiges System entstehen.

Kleine Hexenküche- Tinkturen herstellen

Es ist schon alles da. Direkt vor uns, um uns herum.

Es gibt so viel, was wir nicht wissen. Von dem wir nicht mal wissen, dass wir es nicht wissen.

Es lohnt sich manchmal genauer hinzuschauen. Nachzufragen. Nachzuforschen. Auszuprobieren. Es anders zu machen?

Pflanzen sind unglaublich. Wir verwenden sie für alles mögliche. Es gibt so verschiedene Pflanzen, da ist für alles und für jeden was dabei. Ich denke jedem von uns ist klar, dass jede Pflanze eine bestimmte Wirkung hat und dementsprechend auch eingesetzt werden kann. Früher war es Gang und Gäbe Heilkräuter zu verwenden. Und auch heute noch werden spezielle Tees getrunken bei Magenbeschwerden oder Blasenentzündungen oder Salben mit Kräutern verwendet. Doch viel ist nicht mehr übrig geblieben von diesem alten Wissen. Statt die Kräuter aus unserem Garten für unsere Gesundheit zu nutzen, kaufen wir Medizin oder Globulis in der Apotheke oder Nahrungsergänzungsmittel wie Algen aus Übersee. Woran liegt das?

Es ist eine Frage von Wissen, Gewohnheit und Vertrauen. Ein Hustensaft aus der Apotheke wirkt einfach vertrauensvoller als etwas selbst zusammengebrautes. Damit haben sich Spezialisten beschäftigt, die wissen, was sie tun. Dazu kommt ein Muster von ‚dafür habe ich etwas gegeben (Geld), also ist etwas(/mehr) wert. Bei den Pflanzen aus meinem Garten kann mir niemand garantieren, dass es wirkt. Niemand sagt dir ‚hier nimm dies und dir wird es besser gehen‘. Und wenn es wirklich so einfach ist, warum machen das nicht alle?

Tja, um diese Hürde zu überwinden, hilft nur eins: Ausprobieren.

Gehe auf Entdeckungsreise und erforsche, was alles in deinen Pflanzen steckt. Und vor allem: lerne dich selbst und deinen Körper besser kennen. Denn niemand weiß besser, was du brauchst, als du selbst. Nicht einmal der Spezialist, der den Hustensaft entwickelt hat.

Ich habe mich diesen Winter vor allem mit leicht verfügbaren Küchenkräutern beschäftigt. Die Frage ist natürlich erst mal welches Kraut man braucht und dann vor allem, wie es angewendet wird. Ich habe herausgefunden, dass sich viele Wirkstoffe besonders gut in Alkohol lösen (Tinktur). Zudem bleiben sie so auch über den Winter gut erhalten. Andere Möglichkeiten sind Aufbewahrung in Öl oder Trocknen der Kräuter für Tees.

Grundrezept für Tinkturen
  • saubere Gläser mit Deckel
  • 50 g frische Kräuter oder 100g getrocknete
  • 200ml 70%iger Alkohol (z.B. Prima Sprit) für frische Kräuter
  • für getrocknete reicht 40%iger Alkohol
  • ein feines Sieb
  • dunkle Gläschen oder Fläschchen zum Aufbewahren

Das Kraut von den groben Stängeln trennen und gegebenenfalls von Schmutz reinigen. Dann die Kräuter in die Gläser geben und mit dem Alkohol aufgießen, sodass die Kräuter mindestens vollständig bedeckt sind. Gläser verschließen und für etwa 4-6 Wochen stehen lassen. Tägliches leichtes Schütteln verhindert, dass sich Schimmel bilden kann. Nach entsprechender Ziehzeit kann die Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen und anschließend in dunkle Gläser abgefüllt werden. Besonders schön dafür sind so kleine Pipetten-Gläschen.

Eine Alternative zu alkoholischen Tinkturen ist eine Tinktur mit (Apfel)essig. Dieser löst ebenfalls einige Wirkstoffe aus den Pflanzen. Die Tinktur kann auf die gleiche Art und Weise angesetzt werden.

Wie gesagt jede Pflanze hat eine Wirkung. Jetzt gilt es nur herauszufinden, welche du jetzt grade brauchst. Ich werde eine kleine Auswahl vorstellen einfach verfügbaren Pflanzen. Es gibt aber noch weit mehr Möglichkeiten!

PflanzeWirkung
Thymianäußerlich: Akne, Pickel, rheumatische Beschwerden
innerlich:Husten, Bronchitis, Entzündungen im Mund, bei niedrigem Blutdruck, bei Blähungen, reguliert Menstruation
Rosmarinäußerlich: bei Gelenkschmerzen, wirkt belebend
innerlich: Herz-Kreislauf stärkend, bei Nervosität (Nerven stärkend), bei Krämpfen
Salbeiwirkt generell antibakteriell und antiviral
äußerlich: bei Zahnfleischproblemen, bei Halsentzündungen
innerlich: Blutreinigend, Schleim abführend (Atemwege, Magen), entzündungshemmend
Chiliäußerlich: Verspannungen, Muskelkater, Durchbutungsfördernd
innerlich: regt Verdauung an, bei Blähungen, Appetitlosigkeit
LavendelSchlaflosigkeit, Unruhezustände, leichte depressive Verstimmung, nervösen Magen und Darmbeschwerden, Spannungskopfschmerzen (einmassieren auf Schläfen oder / und Nacken), Halsschmerzen, Rheuma (einreiben der Gelenke)
KastanieKrampfadern, Venenerkrankungen, Hämorrhoiden, Rheuma, Magenkrämpfe

Für die innere Anwendung kann die Tinktur einfach in ein Glas Wasser getreufelt werden. Für eine äußere Anwendung eignen sich Umschläge, Einreiben oder Vermischen mit einem Öl (z.B. Mandel, Sesam, Kokos).

Käse nach FETA-Art

In diesem Blogeintrag möchte ich gerne mit euch teilen, wie easy es ist einen (Kuhmilch)Feta selber zu machen.

Also los gehts:

Es ist Mopro-Monday, 17:40h. Ich schnappe mir eine Schubkarre und die große Milchkanne (20l) und mache mich auf den Weg zum Kuhstall. Es ist schon stockfinster und ziemlich kalt. Doch ich freue mich über die Bewegung an der frischen Luft (denn nein, davon kann ich nie genug bekommen :)). Der Marsch den Berg hinauf macht schön warm. Oben angekommen treffe ich unsere Auszubildene vorm Stall, die mir erzählt, dass sie just angefangen haben mit dem Melken, ich also noch ein paar Minütchen warten muss, weil der Tank noch leer ist. Also kraule ich ein paar Kälbchen und lasse mir die Finger abnuckeln. Nach gefühlten paar Minütchen versuche ich mein Glück und tadaa: Milch ist da. Ich mache die Kanne voll und begebe mich auf den Rückweg, zum Glück bergab. Ich höre die Kirchenglocken schlagen – sechs Uhr = Mopro-time. Zurück beim Hof sehe ich durchs Küchenfenster die anderen beiden schon rumhantieren. Töpfe werden rausgeholt und der Wasserkocher läuft schon….

…Denn…

…bevor ich beginne, ist es wichtig alle Geräte mit kochendem Wasser abzuspülen. Hygiene und so.

Jetzt kann es los gehen.

Dieses Rezept ist auf 10 Liter Milch ausgelegt -Hofmengen eben. Natürlich können die Mengen auch reduziert werden auf z.B. erst einmal 1-2 Liter zum ausprobieren.


Rezept ‚Nach FETA-Art‘
  • 10l Milch
  • 360ml Zitronensaft
  • Salzlake (Rezept siehe weiter unten)
  • Olivenöl
  • evtl. Kräuter

Thermometer, Sieb&Tuch, Schneebesen


Die Milch in einen Topf geben und unter rühren auf 95°C erhitzen. Das Rühren ist wichtig damit die Milch unten nicht ansetzt oder anbrennt. Für das Messen gibt es extra Lebensmitteltermometer. Wer nichts passendes zur Hand hat, kann versuchen es nach Gefühl zu machen. 95°C sind 5°C bevor es kocht. Das heißt man könnte es auch erhitzen bis es anffängt zu blubbern und dann noch kurze Zeit wieder abkühlen lassen bis es -ungefähr- bei 95°C angekommen ist.

Nun werden 360ml Zitronensaft nach und nach in die Milch gegossen. Dabei wird mit einem Schneebesen gerührt. Laut unserer Anleitung soll der Zitronensaft halbmondförmig eingegossen werden und dabei kreisend von unten nach oben gerührt werden. Ob das wirklich einen signifikanten Unterschied macht, konnte ich noch nicht feststellen. Was aber tatsächlich passieren sollte, ist ein Ausflocken der Milch.

Anschließend wird das Gemisch in ein Käsetuch (ein Mulltuch, Nussmilchbeutel o.ä.) gegeben. Wir fangen die Molke (also das, was aus dem Tuch tropft) immer auf. Die Schweine freuen sich riesig darüber. Aber auch der Kompost freut sich. Falls du nicht so eine tolle Konstruktion, wie wir hast, kannst du dein Mulltuch auch einfach in ein Sieb legen. Der Käse sollte jetzt für einige Zeit abtropfen können (ca. 15-30min). Wichtig zu wissen ist, dass der Käse jetzt die Form annimmt, in der er liegt. Etwas schneller geht es, wenn der Käse zusätzlich noch ausgepresst wird, indem etwas schweres oben drauf gestellt wird.

Kleiner Molke Exkurs

Molke ist das, was bei der Käseherstelleung als Nebenprodukt anfällt. Sie besteht zum größten Teil aus Wasser und enthält viele wasserlösliche Vitamine, Eiweiß, Mineralstoffe und sehr wenig Fett. Sie wird vielfältig verwendet: Wellness- und Fitnessshakes, Kosmetik, Schweinezucht und generell vielfältig in der Industrie. Wer kennt es nicht wenn auf der Zutatenliste steht: Molkereierzeugnisse, Molkenpulver etc.


Rezept Salzlake (2 Liter)
  • 250ml Essig (z.B. Weisßweinessig) ODER 1TL Zitronensäure
  • 1TL Calcium Chlorid
  • 2-4EL Salz

Alles zusammengeben und mit Wasser bis 2l auffüllen. Salzlakeüberschuss kann auch in eine Flasche abgefüllt, leicht kühl, gelagert werden


Wenn dein Käse die von dir gewünschte Konsistenz hat, kannst ihn aus dem Tuch holen und in Würfel schneiden. Schon in diesem Stadium kann der Käse gegessen werden. Noch mehr Feta-like wird er allerdings, wenn er noch für einige Tage in Salzlake eingelegt wird. Dafür einfach in eine Schüssel o.ä. füllen und mit Lake bedecken. Gelagert wird der Käse abgedeckt an einem leicht kühlen Ort (Flur, Keller etc.). Nach 2-4 Tagen kann der Feta aus der Salzlake geholte werden und entweder sofort gegessen oder in einem Glas mit Olivenöl aufgefüllt aufbewahrt werden. Besonders lecker ist es, wenn du noch einige Kräuter mit ins Öl gibst, wie Rosmarin oder Oregano.

Hier wird der Feta gerne für Pizza oder als Brotbelag gegessen. Das restliche Olivenöl, was nicht auf dem Brot landet, verwenden wir weiter zum Backen oder Kochen.

Let’s not forget the Permakultur-Prinzipien

Bei jedem Design, welches ein Permakultur-Designer erstellt, verwendet er oder sie ein Prinzipien-Set, wie die 12 Permakultur-Prinzipien nach Holmgren, die ich euch hier nach und nach vorstelle. Ein anderes Set wären zum Beispiel die Ökosystemkriterien. Dieses Abgleichen soll dazu beitragen ein möglichst NATÜRLICHES System zu erschaffen. NATÜRLICH ganz im Sinne des Wortes- also der Natur nachempfunden/ genauso wie die Natur es machen würde.

7. Prinzip: Gestalte vom Muster zum Detail

Es ist total spannend, was man alles erfahren kann, wenn man sich mal mit dem Thema Muster beschäftigt. Es gibt so viele verschiedene Muster, die entdeckt werden können, in allen möglichen Bereichen. Muster in der Landschaft, das Muster wie ein Baum wächst, das Muster wie sich eine Gruppe von Menschen zu einem Team entwickelt, Gedankenmuster, das Muster des Jahresverlaufs… Doch wenn man ganz genau hinschaut, wird offenbar, dass es in der Natur nur einige wenige Grundmuster gibt. Aus diesen Mustern ist die Welt aufgebaut, so könnte man sagen. Und jedes Muster hat eine bestimmte Funktion, hat Eigenschaften. So gibt es das Muster der Spirale, ein Wachstumsmuster, oder das Wabenmuster für Stabilität und Effizienz.

Das zugrunde liegende Muster zu kennen ist eine große Hilfe um verstehen zu können. Du brauchst nicht jedes Detail, jeden Prozess in deinem System zu verstehen -das ist auch ziemlich unmöglich- doch den Überblick zu haben und das große Ganze verstanden zu haben, ist enorm hilfreich. Genauso ist es auch beim Planen und Gestalten. Finde zuerst dein Muster –was willst du eigentlich erschaffen?-, bevor du überlegst wie breit der Reihenabstand zwischen deinen Möhren sein soll.

In der Permakultur wird zu diesem Zeitpunkt immer sehr gerne von Qualitäten und Produkten gesprochen. Überlege dir zuerst, welche Qualitäten du haben möchtest. Hilfreich ist es dafür auch seine Bedürfnisse zu analysieren. Meistens läuft es bei uns eher anders herum. Wir haben schon ein paar Ideen, die wir umsetzten wollen. Wenn wir beim Gartenbeispiel bleiben, könnte das z.B. ein Hochbeet oder ein Zaun sein. Das sind Produkte. Aber sind das auch die Produkte von deinen Bedürfnissen, deinen Qualitäten? Wenn dein Bedürfnis eine Abgrenzung zum Nachbargrundstück ist, könnte das Produkt ja genauso gut eine Hecke sein oder ein Rankgitter. Die Permakultur-Art zu planen fragt erst ‚Was will ich‘ und dann erst ‚Wie mache ich das‚. Diese Art zu denken hilft den Wald trotz vieler Bäume zu sehen. Es hilft sich nicht in Kleinigkeiten zu verfransen und dabei das große Ganze, das worum es eigentlich geht, zu verlieren. Also Vom Muster zum Detail. Von Qualitäten zu Produkten. Vom groben ‚Schlachtplan‘ zu den Einzelheiten.


8. Prinzip: Integriere statt abzugrenzen

Hast du schon einmal festgestellt, was für ein großer Kraftaufwand es ist, vehement gegen etwas zu sein und es komplett von dir fernzuhalten? Du ärgerst dich jedes Mal wenn es nicht klappt und hast andauernd Sorge, dass es bald wieder auftaucht. Du denkst dir immer wieder neue Kniffe und Methoden aus, um dieses etwas von dir fernzuhalten. Beim Gartenbeispiel könnten das die Wühlmäuse sein, die deine Pflanzen anknabbern. Ein anderes klassisches Beispiel bietet die konventionelle Landwirschaft. Alle Pflanzen bis auf die gewünschte Nutzpflanze werden ausgegrenzt und die meisten Tiere ebenfalls. Was das für Auswirkungen und Konsequenzen hat, muss ich euch ja nicht mehr erklären. Ein so bewirtschafteter Acker ist pure Abgrenzung.

Falls du es -wie ich zuerst- nicht erkennst: Das sind Menschen im Kreis, die sich an den Händen halten.

Dieses Prinzip lädt dich jetzt dazu ein dich zu öffnen, dein System zu öffnen und einzuladen, anstatt eine Mauer um dich herum zu bauen und alles auszusperren. Weg von ‚Das will ich nicht‚ hin zu ‚Warum ist es hier? Was ist die Funktion davon?‚.

Die Wühlmäuse zum Beispiel durchlockern und durchlüften den Boden. Jetzt kann ich mir überlegen, ob ich das vielleicht auch anders hinkriege, wodurch die Mäuse wahrscheinlich mit der Zeit von alleine verschwinden würden. Oder ich lade noch mehr ‚Elemente‘ in mein System ein. Zum Beispiel den Mäusebussard. Hier im Permakultur-Garten haben wir Ansitzstangen für Greifvögel aufgestellt, damit diese sich hier wohlfühlen und sich um die Mäusepopulation kümmern.

Und mal so für den Perspektivwechsel: Vielleicht leben die Mäuse ja schon viel länger auf diesem Stück Land als du. Und nur weil du jetzt auf einmal Gemüse auf ihrem Dach anbaust, hast du das Recht sie zu vergiften und ihre Behausungen zu zerstören?

Gerade auch im sozialen Bereich ist das ein sehr bereicherndes Prinzip. Oder für unseren Geist? Ungewohnte Ideen, fremde Weltbilder oder andere Gedanken zu einem Thema, andere Meinungen.

Erlaube kommen und gehen. Arbeite damit, statt dagegen. Sei offen.

Selbstversorgung

Selbstversorgung- was heißt das eigentlich?

Im wahrsten Sinne des Wortes heißt SelbstVersorgung sich selbst versorgen. Ich kann mich selbst versorgen. Das setzt vorraus, dass ich weiß, was ich brauche.

Was sind meine Bedürfnisse- meine wahren Bedürfnisse?

Was brauche ich wirklich? Und was brauche ich nicht?

Das ist für mich ein Schlüssel und vor allem auch ein Ansetzpunkt für SelbstVersorgung.

Zu diesen Gedanken bin ich gekommen, als ich angefangen habe mich konkret mit dem Thema Selbstversorgung auseinander zu setzen. Bis dato war mein Bild von Selbstversorgung: Zu wissen, wie man Zahnpasta selber herstellt, Gemüse aus dem eigenen Garten zu essen und generell möglichst viel selber zu machen. Bei vielen schwingt da auch noch so ein Bild vom einsamen Eremiten mit, der völlig abgekapselt -weil autark lebend- irgendwo im Nirgendwo lebt. Doch mit Selbstversorgung ist keinesfalls gemeint alles alleine machen zu müssen- im Gegenteil. Erst im GEMEINSAM handeln mit anderen wird Selbstversorgung wirklich sinnvoll.

Was gehört denn nun alles dazu?

Das ist schon mal eine spannende Frage. Wenn die Basis von Selbstversorgung meine eigenen Bedürfnisse sind, gehört für jeden individuell auch etwas anderes dazu. Logisch oder? Trotzdem wird es wahrscheinlich, vor allem bei den Grundbedürfnissen, viele Überschneidungen geben. Wasser, Nahrung, Schutz und Wärme wird wohl bei jedem in irgendeiner Form auf dem Zettel stehen. Ich war dann aber ziemlich überrascht, wie viele Bereiche noch dazugehören (können). Angefangen bei matriellen Dingen, wie Kleidung oder Kosmetikartikel über Energieversorgung oder Bildung bis hin zu Unterhaltung oder Mobilität.

Definitionen?

Selbstversorgung ist das Gegenteil von Konsumieren und blind das zu nutzen, was angeboten wird. Selbstversorgung heißt zu wissen, wo die Dinge herkommen, die ich benutze, und wo sie danach hingehen (Kreislaufgedanke). Selbstversorgung heißt selbst entscheiden zu können, was und wie viel und zu welchem Zeitpunkt. Selbstversorgung bedeutet einigermaßen unabhängig zu sein von dem Handeln anderer. Ich weiß, was ich WIRKLICH brauche und ich weiß, wie ich diese meine Bedürfnisse erfüllen kann.


So wie es viele Bereiche für Selbstversorgung gibt, so gibt es auch verschiedene Grade der Selbstversorgung. Wie gesagt jeder Mensch ist anders und jeder hat ein anderes Level der Selbstversorgung. Wo für den einen der nächste Schritt der Selbstversorgung der komplette Verzicht auf zugekaufte Nahrungsmittel ist, so könnte für den anderen das Zubereiten der eigenen Mahlzeiten der nächste Schritt sein. Und das ist auch gut und richtig so. Es machen auch nicht für jeden die gleichen Sachen Sinn. Der Gemüseanbau im eigenen Garten ist für viele Stadtbewohner schlicht nicht möglich. Dafür ist es hier viel einfacher sich mit vielen Menschen zusammenzuschließen, um beispielsweise eine FoodCoop (Lebensmittelkooperative) zu gründen oder sich gemeinsam selbst mit Strom zu versorgen unabhängig vom Stromnetz. Auch das Teilen von Gegenständen, wie Werkzeuge, Autos oder Bücher, ist in Städten viel einfacher zu organisieren. Wie gesagt es geht nicht darum alles alleine und ohne Hilfe zu schaffen. ‚Gemeinsam sind wir stark‚ kommt nicht von ungefähr.

In vielen größeren Städten gibt es inzwischen viele tolle Initiativen, Alternativen zum bestehenden System. Es gibt Solawis, Gemüsekisten und FoodCoops, alternative Schulsysteme oder Waldkindergärten, Repair Cafes und Selbsthilfewerkstätten, Bücherschränke und Kleidertauschpartys, Car-Sharing und und und.

Und warum das Ganze?

Das ist die nächste gute Frage. Die jeder wieder nur für sich selbst beantworten kann. Ich für mich möchte wieder verbunden sein mit den Dingen, die mich umgeben und mit der Nahrung, die ich zu mir nehme.

Eine Möhre ist etwas gänzlich anderes, wenn ich sie selber im Frühjahr eingesät, mehrmals im Jahr nach ihr geschaut und von Beikraut befreit habe und sie dann im Herbst selbst aus der Erde gezogen habe und in meinem Fahrradkorb nach Hause gefahren habe, um sie zu schnippeln und in den Kochtopf zu tun. Ich weiß wie die Erde sich anfühlt, in der sie gewachsen ist, ich weiß welches Wetter sie erlebt hat und kenne die Tiere, die an ihr vorbeigehuscht sind. Der Unterschied zu einer Möhre, die ich im Supermarkt kaufe und Zuhause aus ihrer Plastikverpackung hole, könnte nicht größer sein. Von dieser Möhre weiß ich nichts. Sie ist anonym, irgendwie leer. Genauso wie ich nichts über den Ort ihres Ursprungs oder die Menschen, die daran beteiligt waren, weiß.

Und das ist nur ein kleiner Aspekt dabei. Die Frage nach der ökologischen Vertretbarkeit und sozialen Vertretbarkeit bei der Erfüllung meiner Bedürfnisse spielt für mich auch eine wichtige Rolle. Lasse ich meine Bedürfnisse von anderen befriedigen, von denen ich –im besten Fall– nicht weiß, ob sie auf ökologische oder soziale Belange Rücksicht nehmen, oder –im schlechteren Fall– weiß, dass sie ihren Fokus auf die eigene Profitsteigerung legen?


Bedürfnisse sind der Schlüssel -finde ich-. Viel zu oft wissen wir gar nicht, was unser eigentliches tiefes Bedürfnis ist. Viel zu oft lassen wir und von außen einreden, was wir brauchen, was wir haben sollten und was nicht. Sei es durch Werbung oder durch andere Menschen in unserem Umfeld. Im Laufe unseres Lebens haben wir einige ‚Werkzeuge‘ eingeübt, die augenscheinlich unsere Bedürfnisse befriedigen. Abends einen Film schauen, um abzuschalten. Ein Glas Wein trinken, um es so richtig gemütlich zu machen. Sich mal richtig was zu gönnen, weil es grade so anstrengend ist. Doch befriedigen diese Dinge wirklich die Bedürfnisse dahinter? Oder brauchen wir in manchen Fällen vielleicht etwas ganz anderes? Was ist das Bedürfnis hinter ‚abschalten‘? Den Gedanken und dem Alltag entfliehen? Ist es also vielleicht die Klärung einer angespannten Situation oder weniger Stress oder einfach Entspannung? Und ist ein Film hier wirklich das beste Mittel?

Für mich geht SelbstVersorgung über den materiellen Aspekt hinaus. Es ist genauso wichtig mich emotional oder geistig zu versorgen- zu reflektieren, was meine Bedürfnisse sind und dann auch konkrete Schritte einzuleiten, um sie zu erfüllen.

Eines meiner Bedürfnisse ist zu lernen. Die Möglichkeiten, die ich hier auf dem Hof habe zu nutzen und neue andere Dinge machen. Daher hier eins von den Rezepten, die ich kürzlich ausprobiert habe. Denn mir hilft es immer auch erst mal ins Handeln zu kommen. Das heißt kleine, neue Sachen ausprobieren auf der einen Seite und auf der anderen Seite mir über meine Bedürfnisse klar werden, über meine Möglichkeiten, meine Ziele und daraus dann eine Art flexiblen Masterplan für meine SelbstVersorgung erstellen.


Rezept Karpern aus Kapuzinerkressesamen

Die Samen von Schmutz befreien, mit reichlich Salz in ein Glas geben und gut schütteln. Die Samen sollten wie gezuckert aussehen. (So wird das Wasser entzogen). So für eine Woche in den Kühlschrank stellen. Anschließend die Samen mit Wasser abspülen, in ein Glas füllen und vollständig mit (weißwein)Essig bedecken. Nun darf das Ganze für noch etwa 2 Wochen durchziehen.


Ich bin von diesem Rezept ziemlich begeistert, da das Ergebnis tatsächlich schmeckt wie Karpern, es sich einfach und problemlos herstellen und lagern lässt und die Samen in Fülle in unserem Garten vorhanden sind.



Natürliche Landwirtschaft

Wie wäre es, dies nicht zu tun? Warum jenes nicht unterlassen?

Masanobu Fukuoka

Es gab einst einen Mann in Japan, Masanobu Fukuoka war sein Name, der in der Ruhe und Stille seiner heimatlichen Berge das entdeckt und gelebt hat, was er selbst als ‚Natürliche Landwirtschaft‘ beschreibt. Dieses Erfahrungs-Wissen hat große Wellen geschlagen. Fukuoka gab unzählige Vorträge weltweit, schrieb einige Bücher und erhielt für seine Taten den asiatischen ‚Friedensnobelpreis‘. Auch Bill Mollison, Begründer der Permakultur, tauschte sich mit Fukuoka über seine Erkenntnisse aus. So lassen sich einige Sachen von Fukuoka und seiner ‚Nicht-Tun-Landwirtschaft‚ in der Permakultur wiederfinden. Fukuokas Buch ‚Der Große Weg hat kein Tor‘ wurde in über 25 Sprachen übersetzt und hat auch mich zu diesem Eintrag inspiriert.

Nachdem Fukuoka als junger Mann als Mikrobiologe in der Forschung gearbeitet hat, traf ihn eines Tages die Erkenntnis, dass er nichts weiß. Dass wir Menschen nichts wissen. Mit anderen Worten: Fukuoka wurde bewusst, dass Wissen, mit dem Verstand erfasst, immer nur unzulänglich sein kann- nie vollständig. Der Weg, den er daraufhin beschritt, sollte genau dies zeigen: Der Mensch weiß nichts. Sein Demonstrationsobjekt war der von den Eltern übernommene landwirtschaftliche Betrieb, wo er genau dies zeigen wollte.

Der übliche Weg, um eine neue Methode zu entwickeln, ist, zu fragen ‚Wie wäre es dies auszuprobieren?‘, ‚Was passiert, wenn ich jedes tue?‘. Fukuoka machte es genau anders herum. Er fragte sich ‚Wie wäre es dies NICHT zu tun?‚. Der Grundgedanke dahinter: Die Arbeit einfacher zu machen und zu verringern. Und so begann er nach und nach all die Dinge, die man halt so macht in der Landwirtschaft, zu unterlassen. Er hörte auf zu Pflügen, Dünger zu verwenden, Pestizide oder Herbizide einzusetzen oder Kompost zu bereiten. Kurz um: nach seiner Erfahrung gibt es nur sehr wenige landwirtschaftliche Praktiken, die wirklich nötig sind. Und der einzige Grund, warum diese Techniken heute nötig erscheinen, ist, dass das natürliche Gleichgewicht der Natur gestört wurde und das Land abhängig geworden ist von den modernen Techniken. Fukuoka möchte „mit der Natur arbeiten, statt sie durch Unterwerfung zu übertreffen“.

Da springt natürlich bei den meisten von uns gleich der Kritiker an: ‚Das hört sich ja alles schön und gut an, aber funktioniert das auch in der Praxis?‚ Fukuoka hat gezeigt, dass es funktioniert. Mit seiner Nicht-Tun-Landwirtschaft erzielte er genauso gute Erträge, teilweise sogar bessere, wie seine Kollegen. Viele Menschen -Reisende, Suchende, Wissenschaftler, Neugierige, Kritiker- kamen ihn besuchen und konnten vor Ort miterleben und lernen, was natürliche Landwirtschaft bedeutet. Einige durften erkennen, dass ‚Nicht-Tun-Landwirtschaft‚ nicht bedeutet nichts zu tun. Es bedeutet nur nichts überflüssiges zu tun. Fukuoka stellte 4 Prinzipien für natürliche Landwirtschaft zusammen, welche er durch Ausprobieren herausgefunden hatte:

  • keine Bodenbearbeitung
  • kein chemischer Dünger oder aufbreiteter Kompost (stattdessen Bodenverbesserung durch Leguminosen, Mist und Mulch)
  • keine Unkrautbekämpfung durch Bearbeiten oder Herbizide (Unkraut sollte kontrolliert nicht beseitigt werden)
  • keine Abhängigkeit von Chemikalien

Mit dieser Grundlage und dem ein oder anderen Trick, wie z.B. das Einschließen von Saatgut in Lehmkügelchen zum Fraßschutz, konnte Fukuoka einen landwirtschaftlichen Betrieb führen mit guten Erträgen und deutlich weniger Arbeitsaufwand und auch Material- und Kostenaufwand. Man bedenke nur die ganzen Mittel oder Maschinen, die völlig überflüssig werden bei dieser Art der Landwirtschaft.

In seinem Buch wird genau beschrieben wie sein System funktioniert, welche Pflanzen er verwendet und wann er was tut. Allerdings können von seinen Beschreibungen nur die Qualitäten übernommen werden, nicht die konkreten Produkte, da er von Reisanbau in Japan spricht.


Eine Landwirtschaft, die heil ist, nährt die ganze Person, Körper und Seele.

Wie am Anfang beschrieben, fängt Fukuoka nicht bei der Landwirtschaft an. Es geht nicht nur um Obst- und Gamüseanbau. Denn das ist ja alles nur ein Teil des Ganzen. Für Fukuoka ist natürliche Landwirtschaft ein Lebensstil, ein Wissen um das Nicht-Wissen. Sie entsteht aus der Harmonie und Verbindung des Bauerns mit Natur- ganz von selbst. Sie ist frei von der ‚Herrschaft des willensmäßigen Intellekts‘. Frei von ‚Ich will das aber so‘, ‚Ich brauche dieses und jenes‘ oder ‚Das muss so gemacht werden‚. Daher gibt es keine Regeln oder Richtlinien dafür. Jeder Mensch kann aus sich heraus ’natürlich‘ leben. „Den menschlichen Willen aufgeben und uns stattdessen von der Natur führen lassen.“

Die Bereiche Ernährung und Arbeit sind eng mit dem Thema natürliche Landwirtschaft verwoben. Zum Thema Ernährung sagt Fukuoka ‚am besten für den Menschen sind Nahrungsmittel aus seiner Umgebung, bei denen er sich nicht anstrengen muss, um sie zu bekommen‘. Das bedeutet in Kurzform für uns: Regional und Saisonal. Zudem weist er auch hier darauf hin die Welt nicht nur mit dem Verstnad zu begreifen. Heutzutage essen die Menschen mit ihrem Verstand, nicht mit ihrem Körper‘. Alles ist wissenschaftlich aufgedröselt, der Nährstoffgehalt von allem bestimmt und festgelegt, wie viel der Mensch wovon braucht. Doch schon allein an der Vielfalt der Ernährungstipps, die sich immer wieder komplett widersprechen, sieht man, dass es so nicht funktioniert. Es reicht nicht nur die körperliche Dimension miteinzubeziehen. Bei einem ganzheitlichen Ernährungsverständnis sind der Zyklus der Natur und die spirituellen und emotionalen Werte genauso fundamental wie die physiologischen.

„Der erste Schritt ist, Sensibilität zu entwickeln, um dem Körper zu erlauben, seine Nahrung selbst auszuwählen.“

Fukuoka schreibt auch einiges zu Arbeit und leben. „Menschen wäre ein Leben von solcher Einfachheit möglich, wenn man arbeiten würde, um direkt für seine täglichen Bedürfnisse zu produzieren. Bei solch einem Leben ist Arbeit keine Arbeit im herkömmlichen Sinn, sondern einfach das, was nötig ist, was getan werden muss.“ Seinem Verständnis nach sind alle Probleme der Menschheit erst entstanden, weil die Menschen versuchen etwas zu vollbringen- etwas zu tun. Den Tag zu leben und zu genießen. Das tun, was nötig ist, und die restliche Zeit nach Belieben, dösend oder dichtend, verbringen- eben ein natürliches und einfaches Leben führen.

Es ist nirgends besser als auf dieser Welt. Vor Jahren schon habe ich erkannt, wir Menschen sind gut, so wie wir sind, und ich habe begonnen, mein Leben zu genießen.

Masanobu Fukuoka

Ich habe versucht einige der Kerngedanken von Masanobu Fukuoka aus seinem Buch ‚Der Große Weg hat kein Tor‘ hier wiederzugeben. Da dies aus meiner ganz persönlichen Sicht geschehen ist, mit dem Filter meiner Vorlieben und dem, was ich für wichtig und richtig halte, lohnt es sich auf jeden Fall das Buch selber noch mal zu lesen, falls du dich von den Inhalten angesprochen fühlst. Mich hat das Buch sehr inpiriert und mich noch mal daran erinnert, was ‚wichtig‚ ist.

Schoki-Aufstrich Rezepte

Wer kennt sie nicht? Die Suche nach einem Schokoladenaufstrich, der sowohl für die gesunde Ernährung als auch für die Umwelt einigermaßen vertretbar ist. Zucker und Palmöl sind wohl die kritischsten Zutaten. Doch wenn man dann mal einen bio-fairtrade-palmölfreien Schokoaufstrich gefunden hat, ist dieser entweder mordsmäßig teuer oder schmeckt nicht so gut wie erhofft.

Was liegt da näher als einfach mal zu versuchen selbst einen herzustellen? So schwer kann das ja wohl nicht sein! Das gute dabei: Du kannst selbst aussuchen, was dir wichtig ist. Ist es zuckerfrei oder vegan, regional oder günstig, magst du es lieber süß, nussig oder so richtig schokoladig?

Ein Schwerpunkt, den ich erst hier auf dem Hof so richtig lebe und ausprobiere, ist das Thema regionale und saisonale Lebensmittel. Ganz permakulturell nach dem Motto „Arbeite mit dem, was da ist“. Demnach besteht das erste Rezept hauptsächlich aus Zutaten, die wir hier vor Ort haben. Haselnüsse und Walnüsse, Butter von unseren Kühen und Honig von unseren Bienen. Kakao ist natürlich leider nicht regional. Diesen und andere Produkte, die wir zukaufen müssen, bestellen wir regelmäßig beim Bio-Großhandel.

Variante 1: Fokus Regional

CA. 200 GRAMM (HASEL)NÜSSE
CA. 250 GRAMM WEICHE BUTTER (VEGAN: MARGARINE)
CA. 3 EL HONIG ODER ALTERNATIVES VEGANES SÜßUNGSMITTEL
KAKAOPULVER
1 PRISE SALZ

Und so wirds gemacht:

  1. Nüsse in der Pfanne (ohne Fett) anrösten. Je länger, desto kräftiger wird der Nussgeschmack.
  2. Nüsse fein häckseln/hacken. Wenn du die Nüsse sogar erst häckselst und dann anröstest, wird der Geschmack NOCH intensiver…aber verbrennt auch schneller 
  3. Nüsse abkühlen lassen
  4. Butter/Margarine mit dem Rührbesen schön cremig schlagen
  5. Dann alle gewünschten Zutaten hinzufügen und weiter mixen.
  6. Wenn dir der Aufstrich zu stückig ist, kannst du nun nochmal mit dem Pürierstab durchgehen und es zu einer cremigen Konsistenz pürieren.

Da es hier bei uns auf dem Hof immer wieder Menschen gibt, die sich an eine „Zuckerfrei-Challenge“ wagen, sind wir auf dem Gebiet der zuckerfreien „Süßspeisen“ recht weit fortgeschritten. Bei diesem Rezept handelt es sich um ein dynamisches selbst-ausprobier-Rezept, daher gibt es keine Mengenangaben.

Variante 2: Fokus zuckerfrei

Man nehme:

  • DATTELN
  • MARGARINE
  • KAKAOPULVER
  • ETWAS MANDELMUS ODER ERDNUSSMUS
  • 1 PRISE SALZ

Die Datteln lassen sich leichter verarbeiten, wenn sie vorher für einige Zeit (auch gerne über Nacht) eingeweicht werden. Dann alle Zutaten in ein Gefäß geben und mit dem Pürierstab zu einer cremigen Masse verarbeiten.


Mein Favorite, da vegan, schnell gemacht (ohne ewiges Nüsse knacken), zuckerfrei und unfassbar lecker. Und super geeignet für Nussallergirker.

Variante 3: Nussig ohne Nüsse
  • BUCHWEIZEN
  • MARGARINE UND/ODER KOKOSÖL
  • KAKAOPULVER
  • DATTELN (ODER ETWAS ANDERES SÜßES)

Den Buchweizen ohne Fett in der Pfanne anrösten, Datteln vorher einweichen oder wenn es schnell gehen muss mit heißem Wasser übergießen und ein par minuten stehen lassen. Nun alle Zutaten zusammengeben und pürieren.


Natürlich können auch alle Varianten wild und je nach Bedürfnis kombiniert werden. Finde heraus, was dir am besten schmeckt.

Und zaubere dir deine eigene Kreation.

Permakultur-Prinzipien Fortsetzung

5. Prinzip: Nutze erneuerbare Ressourcen und Dienstleistungen

Als erneuerbar gilt eine Ressource oder Dienstleistung, wenn sie sich in einem überschaubaren Zeitraum durch natürliche Prozesse und ohne Zuführung von nichterneuerbaren Ressourcen regeneriert. Das Symbol für dieses Prinzip ist das Pferd. Das Pferd und der Mensch haben eine lange gemeinsame Geschichte. Als Arbeitstier für Pflug und Karren, als Lastentier, als Transporttier und als treuer Wegbegleiter. Heute werden alle diese Tätigkeiten von Maschinen ausgeführt. Der Trecker pflügt das Feld und zieht den Anhänger, das Auto bringt uns von A nach B und unsere wohl treusten und immer-dabei Wegbegleiter sind unsere Smartphones. Klar sind Trecker und Co. wohl effektiver, effizienter, produktiver, doch lohnt sich das langfristig gesehen? Woraus werden Maschinen hergestellt? Wie werden sie hergestellt? Wie werden sie betrieben? Wie gewartet und repariert? Und von wem? Was passiert mit einer Maschine wenn sie endgültig ausgedient hat?

Das soll jetzt nicht heißen, dass Maschinen und Technik grundsätzlich schlecht sind- denn sie bieten auch einige Vorteile. Es möchte dazu anregen darüber nachzudenken, aus welchen Materialien die Geräte bestehen, die ich benutzen, was sie verbrauchen und was passiert, wenn sie kaputt gehen. Verstehe ich das, was ich benutze und kann es selbst reparieren, mit Materialien, die verfügbar sind? Und vor allem: Welche Alternativen gibt es? Brauche ich unbedingt einen Trecker, der meinen Pflug zieht? Oder könnte das auch ein Pferd? Oder nutze ich eine ganz andere Methode, indem ich zum Beispiel Hühner oder Schweine auf die Fläche bringe, die den Boden für mich umgraben und dabei sogar noch düngen?


6. Prinzip: Erzeuge keinen Abfall

,Die Natur kennt keinen Abfall, warum wir?‘ Abfall ist ein Output eines Systems, was nicht nutzbringend vom System weiterverwendet werden kann. Ein gutes Bild darüber gibt der Blick in den heimischen Mülleimer: Plastik, Restmüll, Papier, Bioabfall und Glas. Alles Komponenten, die in unser System kommen- durch Nahrungsmittel, Kosmetikprodukte etc. Und alles Komponenten, die oft nur einen kurzen Zweck erfüllen (oft auch komplett unnötig sind) und dann als Abfall -Output, den wir nicht mehr verwenden können in unserem System- entsorgen.

Veränderung:

Refuse-Verweigern Reduce-Reduzieren Reuse-Wiederverwenden Repair-Reparieren RecycleRecyceln

Der erste Schritt kann sein mir selbst die Frage zu stellen: Brauche ich das wirklich? Wenn wir uns diese Frage stellen und auch noch ehrlich beantworten würden, wäre schon viel getan. Stelle dir die Frage: Was brauche ich wirklich? Dieses Video auf Youtube oder den coffee to go am Bahnhof? Oder ist es vielleicht etwas ganz anderes, was mir fehlt? Und gibt es einen anderen Weg damit umzugehen? Wenn wir also zuallererst versuchen gar nicht die Dinge zu verbrauchen, die Abfall erzeugen- uns zu weigern sie zu konsumieren-, ist das großartig.

Als nächster Schritt: Wo kann ich meinen Abfall reduzieren– vielleicht nicht ganz vermeiden, aber doch wenigstens verringern. Zum Beispiel statt der Plastikzahnbürste die Bambuszahnbürste, die auch nicht komplett ohne Abfall produziert werden kann, aber doch mit einem erheblich geringeren Anteil.

Wiederverwenden. Diesen Konzept ist in der Permakultur sehr beliebt. Ganz nach dem Motto ‚Arbeite mit dem, was da ist‘, wird nutzloser Abfall auf neue oder alte Art und Weise erneut verwendet und hält so die Energie/Stoffe im eigenen Kreislauf/System. Seien es die Pappkartons oder Zeitungen, die zum Mulchen verwendet werden, Plastiktüten, die zu Müllbeuteln umfunktioniert werden oder ganz simpel alte Kleidungsstücke, die zerschnitten als Putzlappen dienen. Es kommen erstaunliche Idden dabei heraus, wenn man beginnt seinen Müll nicht mehr als Abfall sondern als Ressource zu betrachten.

Noch vor gar nicht so langer Zeit war das Reparieren von Dingen gang und gäbe und auch absolut notwendig für die meisten Menschen. Es gab noch keinen Überfluss an neuen Produkten. Ein Gegenstand wurde gekauft und dann so lange verwendet, wieder zusammengeflickt und weiterbenutzt bis es absolut nicht mehr ging. Gegenstände waren dafür gemacht lange zu halten, Menschen wussten, womit sie es zu tun haben und wie sie es reparieren können. Heute ist es meist einfacher, günstiger und weniger aufwendig etwas neues zu kaufen und das alte wegzuwerfen.

Recyceln ist recht populär inzwischen und wird auch teilweise recht gut umgesetzt (z.B. Pfandflaschen). Generell ist recyceln allerdings ein viel höherer Energieaufwand als beispielsweise wiederverwenden oder gar nicht erst kaufen. Beim Recycling werden die Materialien wieder in ihre Bestandteile aufgespalten. Warum Gläser und Glasflaschen schmelzen und erneut zu Glasbehältern formen statt die leeren Gefäße einfach wiederzuverwenden? Das Symbol für dieses Prinzip, der Regenwurm, ist einer unserer besten Recycling-Experten. Er recycelt die abgestorbenen Pflanzenteile, die ‚Abfälle‚, und produziert dabei einen wunderbar fruchtbaren Boden, der wiederum als Basis für neue Pflanzen dient.

Sonnengetrocknet

Boden vorbereiten. Einsäen, Warten. Über die ersten kleinen Pflänzchen freuen. Pflegen. Warten. Über die Blüten freuen. Pflegen. Über den Fruchtansatz freuen. Warten. Die erste reife Frucht ernten und sich wie ein König freuen. Ernten. Verarbeiten. Ernten. Noch mehr ernten. Weiterverarbeiten. Ernten – wohin mit den ganzen Früchten?

Diesen Ablauf habe ich inzwischen- so oder ähnlich- recht oft und mit verschiedenem Obst oder Gemüse erlebt. Auf einmal gibt es von einer Sache so eine Fülle, dass wir gar nicht mehr wissen wohin damit. Wenn schon hunderte Gläser Marmelade gekocht wurden, unzählige Kuchen gebacken wurden, Früchte eingefroren wurden, zu Saft verarbeitet, zu Grütze und und und, was dann? Der Wunsch ist möglichst viel von dieser Fülle haltbar zu machen, um in der Zeit des Jahres, wo es nicht so einen Erntereichtum gibt auch etwas zu essen zu haben. Stichwort Selbstversorgung. Wie kann ich mich mit meinem selbstangebauten Obst und Gemüse auch noch im Winter und Frühling selbstversorgen? Wie kann ich schon bei der Verarbeitung und dann auch bei der Aufbewahrung Ressourcen, sprich Energie schonen? Gefriertruhe ist da auf jeden Fall nicht das höchste der Gefühle.

Hier auf dem Hof wurde zu diesem Zwecke ein nur mit Sonnenlicht betriebener Dörrofen gebaut. Dieser ist vor einigen Wochen endlich fertig geworden und seitdem wird ausprobiert und herumexperimentiert. Der erste Testlauf mit einer alten Birnensorte, der Ködelbirne (eine sehr kleine Birne, die sehr lecker ist), war erfolgreich. Seitdem wurden Buchweizensprossen und Apfelscheiben getrocknet. Der aktuelle Versuch sind Brombeeren. Für die Johannisbeeren kam die Fertigstellung des Ofens leider zu spät. Ansonsten hätten wir unsere zugekauften Rosinen vielleicht mit selbstgetrockneten Johannisbeeren ersetzen können.

Das besondere an unserem Dörrofen: Selbstgebaut und stromfrei. Über der schwarzen Fläche ist eine Plexiglasscheibe, so wird die Wärme der Sonne gesammelt und dann durch ein Lüftungsrohr in den Dörrapparat geleitet. Wichtig sind auch die Lüftungslöcher im oberen Bereich des Ofens, da dort die Feuchtigkeit entweichen kann. Nachteil: Das Wetter muss mitspielen sonst passiert im Dörrofen gar nichts.

Natürlich gibt es auch viele andere Möglichkeiten Obst oder Gemüse zu trocknen außer mit einem selbstgebauten solar Dörrofen. Es gibt tolle Dörröfen zu kaufen, die jederzeit verwendbar und zuverlässig sind. Es kann z.B. auch im Backofen bei niedriger Temperatur mit ganz leicht geöffneter Ofentür getrocknet werden. ODER: Ein warmer, trockener Ort tut es bei vielen Früchten auch schon, oder die Heizung/der Kamin. So können Apfelringe auf eine Schnur gespannt im Zimmer aufgehangen werden oder Fruchtscheiben auf ein Stück Küchenpapier gelegt auf der Heizung trocknen.

Das Trocknen von Früchten ist eine urlalte Methode zur Konservierung von Lebensmitteln. So sind leckere Früchte das ganze Jahr über verfügbar und das ganz ohne lange Lieferwege und Supermarkt. So ist diese Methode für mich ein wichtiger Bestandteil von einem naturnahen und selbstversorgten Lebensstil.

Getrocknet werden kann alles mögliche. Von Trauben, Äpfeln und Zwetschgen bis zu Beeren und meinem Favorit: der Birne. Ein guter Trick bei Trockenobst ist das Einweichen vor dem Verzehr. So sind die Trockenfrüchte besonders bekömmlich und besonders lecker im Frühstücksbrei oder Kuchen.

Kennst du die Dicke Bohne?

Ackerbohne, Puffbohne, Pferdebohne, Saubohne, Fave, Vicia faba. Alle diese Namen beschreiben die gleiche Pflanze, die ich euch heute gerne vorstellen möchte.

Diese Pflanze gehört zu der Familie der Schmetterlingsblütler, hat weiße Blüten mit schwarzen Flecken, aus denen sich große grüne Hülsen bilden, die wiederrum große grüne Bohnen enthalten. Ist das Jahr schon weiter fortgeschritten und die Frucht schon länger an der Pflanze, wird die äußere Schicht der Bohne etwas ledrig und deshalb meist vorm essen entfernt. Das gelingt besonders leicht nach etwa 10 minütigem Kochen.

Bei dieser Bohne handelt es sich um eine uralte Kulturpflanze. In norddeutschen Küstenregionen wurde die Bohne schon vor 2000 Jahren angebaut, da sie im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen die ständige Flutung mit Salzwasser ertragen konnte. Weltgeschichtlich ist die Dicke Bohne schon seit bereits 5000 Jahren als Kulturpflanze zu finden.

Die Dicke Bohne war früher nicht nur aufgrund ihrer Robustheit und Unempfindlichkeit gegenüber Salzwasser beliebt, sie hat auch noch andere Vorteile, die einen Anbau lohnenswert machten: Lange Zeit war die Ackerbohne eine der wichtigsten Eiweißquellen für den Menschen. Da die Pflanze sehr temperaturunempfindlich ist, kann sie schon früh im Jahr gesät werden. Sie kann je nach Sorte Temperaturen bis zu -5°C aushalten. Eine frühe Aussaat führt dann dazu, dass es auch eine relativ frühe Ernte gibt (vor allem im Vergleich zu anderen Bohnen). Bereits Ende Mai/ Anfang Juni können die ersten Früchte geerntet werden. Getrocknet lässt sich die Bohne hervorragend lagern und der Samen ist sogar noch nach 5 Jahren keimfähig. Also das perfekte Lagergemüse für den Winter.

Zudem gehört die Dicke Bohne zu den Leguminosen und ist somit ein echter Bodenverbesserer. Leguminosen bieten in ihren Wurzelknöllchen einen Lebensraum für bestimmte Bakterien, welche den Stickstoff aus der Luft fixieren, also umwandeln können. Das macht den für Pflanzen sonst unnutzbaren Luftstickstoff verfügbar. So kann die Ackerbohne nicht nur als Menschenfutter, sondern auch als Bodenfutter angebaut werden. Genial oder?

Heutzutage ist die Dicke Bohne weitesgehend unbekannt. Ihre Qualitäten werden nicht mehr gebraucht. Denn Eiweißquellen sind rund um das Jahr in Massen verfügbar, Menschen sind nicht mehr darauf angewiesen, dass sie selber in ihrer Region ihre Nahrung anbauen müssen und die Gartenbohne und andere Gemüsesorten (wie Kartoffeln), die vor etwa 400 Jahren nach Europa kamen, haben die Dicke Bohne von den Feldern der Bauern verdrängt .

Ich habe die Bohne der viele Namen im März hier auf dem Hof kennengelernt. Sie war die erste Pflanze, die ich in meinem Garten eingesät habe. Und nun auch eine der ersten, die ich ernten durfte. Aufgrund ihrer langen Geschichte gibt es vielzählige und sehr unterschiedliche Rezeptideen für diese Bohne. In einigen Ländern wie Italien und Spanien oder im Alpenraum gilt die Dicke Bohne auch heute noch als Delikatesse. Bei unseren gemeinschaftlichen Mittagessen auf dem Hof durfte ich einige ganz vorzügliche davon kennenlernen.

Eine Bohne wurde hier schon aus der zweiten ledrigen Hülle gepult.

Aufstrich-Rezept-Idee: Mr. Bean

Die Bohnen aus den Hülsen befreien und für etwa 10 Minuten kochen lassen. Die gekochten Bohnen mit etwas Knoblauch und Olivenöl pürieren, mit Salz und Pfeffer abschmecken et voilà fertig ist ein super leckerer und nahrhafter Aufstrich. Für eine bessere Bekömmlichkeit kann der Knoblauch vorher angedünstet werden.

Rezept
  • Dicke Bohnen
  • Knoblauch
  • Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer

Des Weiteren lässt sich die Dicke Bohne ganz hervorragend in allerlei Gerichte einfügen. Der Renner hier auf dem Hof ist eine Reispfanne mit Dicken Bohnen und frischen Erbsen, gut gewürzt mit Sojasauce und was die Küche noch so hergibt.

Für mich steht die Dicke Bohne stellvertretend für all die Pflanzen, die hier bei uns heimisch sind- oder schon eine sehr lange Geschichte haben-, aber im Bewusstsein der Gesellschaft total in Vergessenheit geraten sind. Wir kaufen uns Kräuter und Superfoods von überall auf der Welt und wissen dabei gar nicht, welche Schätze vor unseren eigenen Haustür warten. So sind auch viele alte und traditionelle Gemüsesorten von unseren Tellern und aus unseren Küchen verschwunden. Vielleicht lohnt es sich bei der einen oder anderen Sorte diese wieder auszugraben. Die Dicke Bohne ist es auf jeden Fall Wert wieder aus der Versenkung geholt zu werden.

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