Das Geheime Leben des Sauerteigs

Du hast gerade etwas Zeit über und Lust mal was neues auszuprobieren? Vielleicht noch etwas nützliches und leckeres UND gesundes?

Wie wärs mit einem guten altbewährten Sauerteigbrot?

Für mich war Sauerteig immer etwas fremd, ja sogar mysteriös, da ich nur wusste, dass es nicht so einfach ist wie mal eben eine Tüte Backpulver oder ein Päckchen Hefe in den Teig zu mischen. Hier auf dem Hof habe ich dann ganz schnell Sauerteig in allen möglichen Backwaren und Zubereitungsstadien kennengelernt. Jede Woche etwa 6 Sauerteigbrote backen hilft da ungemein.

Also, wie funktioniert das Ganze?

Zum Backen mit Sauerteig braucht es einen Sauerteig-Starter. Sobald man einmal so einen Starter hat, kann damit dann für immer weitergearbeitet werden.

Gut, woher kriege ich so einen Starter?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Die schnellste und einfachste: Du fragst jemanden, der bereits einen hat, ob er dir etwas davon abgibt. Die andere Möglichkeit: Du stellst ihn dir selber her. Das ist gar nicht so schwer. Es braucht genau drei Zutaten: Wasser, Mehl und eine Prise Geduld.

Anleitung: Sauerteig-Starter herstellen

Man nehme eine kleine Menge Mehl -etwa 50g. Das kann jede beliebige Sorte Mehl sein. Der Klassiker ist Roggen, es geht aber genauso gut mit Weizen oder Dinkel. Für den Starter sollte es allerdings ein Vollkornmehl sein, da sich vor allem an den Schalen des Getreidekorns die Bakterien und Pilze befinden, die für die Gärung und Säuerung nötig sind. Wenn die Herstellung geglückt ist, kann der Sauerteig danach jedoch auch mit weniger gemahlenen Mehlen (Typ 1150 oder 1050) aktiv gehalten werden. Zu dem Mehl wird eine kleine Menge lauwarmes (32°-40°C) Wasser gegeben – etwa 50g. Wasser und Mehl werden verrührt. Der Teig sollte flüssig sein, aber noch so fest, dass er am Löffel hängen bleibt. Nun die Schüssel abdecken z.B. mit einem Teller.


Rezept Sauerteig-Starter:

(für den kompletten Durchlauf bei 5 Tagen Dauer)

  • 250g Vollkornmehl (50g pro Durchgang)
  • 250 g Wasser (50g Pro Durchgang)

Wage, Schüssel, Löffel und ein warmer Ort

SPÜLT VOR DER VERWENDUNG SCHÜSSEL UND LÖFFEL MIT KOCHENDEM WASSER AB. TROCKNET DIE SACHEN NICHT MIT EINEM TUCH (GEFAHR VON FREMDKEIMEN), SONDERN LASST SIE EINFACH LUFTTROCKNEN


Jetzt bedarf es der Prise Geduld, denn der Sauerteig-Starter muss für einige Tage ruhen. Wobei es ruhen nicht ganz trifft, denn im Teig geht, wenn du alles richtig gemacht hast, die Party ab. Wichtig ist, dass der Teig an einem konstant warmen Ort steht. Optimal sind Temperaturen zwischen 24° und 28°C. Bei diesen Temperaturen fühlen sich die guten Bakterien pudelwohl und behalten die Oberhand. Falls die Außentemperaturen diese Temperatur noch nicht hergeben, kannst du den Ansatz zum Beispiel in den Ofen stellen und einfach die Beleuchtung anschalten (funktioniert NICHT bei LED-Glühbirnen). Lasse die Ofentür trotzdem leicht geöffnet (Holzlöffen in die Öffnung klemmen), damit die Luft noch zirkulieren kann. Nahe der Heizung ist theoretisch auch möglich, da sie nachts aber oft abgeschaltet wird, ist die Wärme nicht konstant. Sei kreativ und suche dir ein warmes Nestchen für deinen Starter. Und keine Sorge es ist nur bei der Herstellung des Starters so wichtig die Temperatur zu halten.

Nach 12 Stunden sollte der Teig einmal durchgerührt werden um Luft in das Gemisch zu bringen. 24 Stunden nach Ansetzen des Starters wird er gefüttert. Dazu werden noch mal 50g Vollkornmehl und 50g Wasser eingerührt. Dieses Prozedere wird für 4-5 Tage wiederholt. So dass du an Tag 5 insgesamt 250g Mehl und 250g Wasser verwendet hast.

Während wir warten

Was ist eigentlich Sauerteig und warum ist er gut?

Sauerteig ist -Achtung, krasse Erkenntnis- gesäuerter Teig. Man könnte auch sagen der Teig ist lebendig. Denn er ist voll mit Milchsäure- und Essigsäurebakterien und wilden Hefen. Das mag für den einen oder anderen erst mal etwas abschreckend klingen, assoziieren wir Bakterien meist doch als erstes mit Krankheit und Desinfizieren, ganz nach dem Motto: bloß weg mit allen Bakterien. Natürlich ist inzwischen auch allgemein bekannt, dass der Mensch nicht nur überhäuft ist mit Bakterien (wir haben 10mal mehr Bakterien im Körper als unsere eigenen Zellen), sondern sie auch zum Überleben braucht. Denk nur an unsere fleißigen Darmbakterien, die über 700 Bakterienarten in unserer Mundhöhle oder auf unserer Haut. Alle diese winzig kleinen Lebewesen in uns und auf uns erfüllen diverse Aufgaben, ohne die ein Leben für uns nicht möglich wäre. (Echt spannend sich mal damit zu beschäftigen!)

Was nun bei einem Sauerteig passiert, ist, dass die Bakterien und Pilze, die sich im Mehl befinden durch das Wasser quasi wieder zum Leben erwachen. Der daraufhin stattfindene Prozess ist eine Fermentierung – eine Umsetzung organischer Materie durch Mikroben. Die Lebensmittel werden sozusagen vorverdaut von unseren kleinen Helfern, was die Nährstoffe biologisch besser verfügbar macht. Dadurch wirken fermentierte Lebensmittel verdauungsfördernd und sind sehr nährstoffreich. Zudem wird auch die allgemeine Gesundheit unterstützt und das Immunsystem gestärkt. Denn ein gesunder Darm -also eine gute Bakterienflora- trägt maßgeblich zu einer guten Immunreaktion im ganzen Körper bei, wie Studien gezeigt haben.

Viele der Informationen habe ich aus dem Buch Die Kunst des Fermentierens. Das ist ein echt dicker Schinken mit sehr vielen Informationen und super interessant. Ich könnte hier seitenweise weiterschreiben. In dem Buch geht es neben Einzelheiten zu Bakterien auch um alle anderen Arten von Fermentationsprodukten. Von Gemüse (Kimchi) über Wein, Bier, Kaffee, Kakao und Tee bis zu Joghurt, Käse, Sojasauce oder dem Klassiker Sauerkraut. Und wieder einmal stelle ich fest: Es gibt so viel, was ich nicht weiß. Aber: was nicht ist, kann ja noch werden- dazu bin ich ja hier.

So, was macht unser Sauerteig-Starter inzwischen?

Es sind einige Tage vergangen, du hast den Teig brav alle 12 Stunden gerührt und alle 24 Stunden gefüttert. Zwischenzeitlich ist Bewegung in den Teig gekommen. Es blubberte, es hat vielleicht gemüffelt oder sogar echt fies gestunken -alles ganz normal. Und groß ist er geworden, unser kleiner. Heute an Tag 5 (Zeitpunkt kann je nach Mehl und Umgebung variieren) riecht der Teig angenehm und hat einehelle gelbgräuliche bis hellbräunlich-beige Farbe.

Riecht der Teig an Tag 5 oder 6 immer noch sehr unangenehm oder gar faulig und nimmt eine grünliche oder schwarze Färbung an, ist etwas schief gegangen. Das passiert aber wohl eher selten habe ich mir sagen lassen.

Alles gut gegangen und dein Ergebnis sieht in etwa so aus? Cool! Jetzt hast du deinen eigenen Sauerteig und kannst wild drauf losbacken. Wichtig: Lasse immer einen kleinen Rest Sauerteig über (etwa 50g). Diesen Rest kannst du dann auffrischen, also vermehren, wodurch du immer was zum backen parat hast.

Denk dran: Dein Sauerteig ist lebendig. Er braucht Zuwendung und Nahrung und einen geschützten Ort zum gedeihen. Der Teig ist, im Kühlschrank aufbewahrt, etwa 4 Tage (manche Angaben sagen er hält es bis zu 14 Tagen) zufrieden. Spätestens dann sollte er wieder aufgefrischt werden. Das bedeutet im Umkehrschluss für dich, dass der Starter immer mehr wird, du ihn also regelmäßig verbacken solltest, wenn du ihn nicht wegschmeißen willst.


Auffrischen
  • 50g Sauerteig
  • 50g Mehl
  • 25g Wasser

Oder im gleichen Verhältnis mit anderen Mengen.

Alles gut vermischen. Nach etwa 6 Stunden bei Zimmertemperatur ist der Sauerteig wieder frisch und kann verwendet werden.


Was machen mit dem Starter?

Da gibt es viele Möglichkeiten. Einfachste: Du verbackst ihn in Brot, Pfannkuchen, Cossaints, Pizza, Kuchen… (Schmeckt alles, kann ich aus Erfahrung sagen). Du verschenkst ihn. So ersparst du deinen Freunden die langwierige Prozedur des selber Herstellens. Wenn du weißt, dass es länger dauert bis zu deinem nächsten Backvorhaben kannst du den Starter auch einfrieren oder trocknen. Dafür den Teig zum Beispiel sehr dünn auf Backpapier streichen und an der Luft trocknen lassen. Das Getrocknete kann ganz einfach in einem Schraubglas mit Deckel aufbewahrt werden und zur nächsten Benutzung mit Wasser wieder lebendig gemacht werden. Ein so gelagerter Starter hält für immer (wurde mir erzählt 😉 ).

Ein gutes Rezept für ein Sauerteig-Brot folgt in Kürze.

Für mich hat Sauerteig etwas faszinierendes bekommen. Der eigene Sauerteig wird von vielen stolzen Besitzern fast wie ein Haustier behandelt: Er wird regelmäßig gefüttert und es wird geguckt ob es ihm gut geht. Er kommt sogar mit in den Urlaub. Die Sauerteig-Liebhaber tauschen untereinander immer mal wieder einen Löffel aus. So kam es auch dazu, dass wir hier im Haus mit einem Sauerteig backen, der Bestandteile eines schon 100 Jahre lang bestehenden Sauerteiges aus Italien hat.

Und wie bei allem was lebt: Es gibt kein festes Schema, was immer funktioniert. Jeder Teig ist anders, jede Bakterien-Gemeinschaft ist anders. Probiere aus, was bei dir funktioniert und höre im Zweifelsfall auf deine Nase und dein Gefühl.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

Ein Tag auf Hof Luna

In diesem Blog-Post möchte ich euch mitnehmen auf eine Reise. Eine Reise nach Everode. Um genauer zu sein auf den demeter Hof Luna, wo ich nun seit über einem Monat lebe. Für einen Tag seit ihr hautnah mit dabei und könnt ein bisschen Hof Atmosphäre schnuppern.

Bist du bereit?

Los gehts.

Ich blinzel. Es ist noch nicht ganz hell. Ich höre wie im Flur eine Tür geht. Ah, das ist die Stallschicht. Also ist es noch vor sechs. Dann kann ich mich ja nochmal umdrehen.

Mein Wecker klingelt. Ich mache ihn aus. Jetzt ist es schon fast hell. 6:33h.

Der Wecker klingelt. Oh, da bin ich wohl noch mal weggedöst. 6:38h. Diesmal bleibe ich mit offenen Augen liegen und warte auf den dritten Wecker, der in zwei MInuten klingelt.

Dritter Wecker. Ich stehe auf und beginne mit meiner Morgenroutine. Dazu gehört momentan mit als erstes der Blick auf meine Fensterbank. Denn ich beherberge grade etliche kleine Pflänzchen, die auf meiner Fensterbank das Licht der Welt erblicken dürfen. Anzucht in anderen Worten. Da gibt es Tomaten, Paprika, Chilis und Tagetes (eine Blume). Da die Erde trocken aussieht, besprühe ich sie mit Wasser. ‚Die Saat schön feucht halten‚- so wurde es mir aufgetragen.

Nach einigen Yoga-Dehn-und Streck-Übungen gehe ich um 7:30h nach unten in die Küche. Noch ist es herrlich ruhig im Haus. Die Leute der Landwirtschaft sind noch im Stall, die Langschläfer schlafen noch und einige andere sind schon fleißig im Büro zu Gange. Ich habe Frühstücks-Dienst, was so viel heißt wie Frühstückstisch decken, Porridge machen, Kamin anmachen und Küche aufräumen. Als ich vor dem Kamin stehe, sehe ich, dass kein Holz mehr da ist. Also ziehe ich mit dem Holzkorb los und hole Holz aus dem Holzlager. Ich nehme gleich die Schubkarre mit und mache sie voll für die Heizung später. Bin ich eigentlich heute dran mit Heizen? Ein Blick auf unseren Wochenplan verrät mir, dass ich mich für diese Woche nicht mehr um die Heizung kümmern muss.

Unser Wochenplan. Hier tragen wir ein wer wann mit was dran ist.

Gegen 8:20h trudeln die ersten Leute aus dem Stall ein. ‚Früh dran heute‚ denke ich mir. 10 Minuten später gehe ich in den Flur und läute die Glocke: Kommt herbei, Essen ist fertig, heißt das. Nach und nach treffen alle ein. Am Tisch wird es eng. Kein Wunder bei 14 Menschen. An unserer langen Tafel geht es wie immer bunt her. Es kommt gar nicht so selten vor, dass man einer fliegenden Brotscheibe ausweichen muss oder auf einmal ein Kind an deinem Bein hochklettern möchte. Inzwischen können wir auch alle die Gebärdenzeichen für Brot, Zwiebelschmelz und Milch, was bei dem Stimmengewirr echt praktisch ist, um nicht immer über den ganzen Tisch zu brüllen, wenn man etwas haben möchte. Allgemein herrscht ein reger Aufstrich-Marmeladen-Käse-Honig-Butter-Verkehr beim Essen, da die Dinge ständig von einem Ende des Tisches zum anderen wandern. Geworfen wird aber tatsächlich nur das Brot.

Um 9:15h geht es zum nächsten Punkt der Tagesordnung über: Arbeitsbesprechung- Was steht heute an? Heute ist Freitag. Das heißt: Putz-Party. Wohoo. Jeden Freitag nehmen wir uns etwa eine Stunde Zeit um sauber zu machen. Heute stehen die üblichen Sachen auf dem Programm. Die Badezimmer, fegen/saugen und die Küchen.

Ich übernehme eins der Badezimmer. Um 10h starten wir munter mit gemeinschaftlichem ‚Stups der kleine Osterhase‚ singen unsere Party. Da ich recht schnell fertig bin, nutze ich die Zeit um auch mein Zimmer noch mal schnell durchzusaugen. Die kleinen Spinnen am Fenster sind schneller mit Netze machen als ich gucken kann. Anschließend treffe ich mich mit den anderen und wir gehen für die restliche Zeit bis zum Mittagessen in den Garten. Zurück bleiben die Köche des Tages, da die Kochsession um 11:30h startet- also 1,5 Stunden vorm Mittagessen.

Im Garten gibt es im Moment viel zu sähen. Der kürzlich dazugewonnene Gemüseacker wurde von uns in den letzten Tagen in Beete eingeteilt und jetzt wird gesäht. Ein Beet Möhren, eins Zwiebeln, wieder Möhren und so weiter. Zwiebeln setzen bedeutet jede Zwiebel einzeln in den Boden stecken. Während ich Zwiebel für Zwiebel in den Boden setze, lausche ich den Plätschern unseres kleinen Wasserlaufs, die Sonne scheint mir ins Gesicht. Es ist so warm, dass ich sogar zwei meiner drei Schichten ausziehe.

Im Hintergrund ist der Gemüseacker zu sehen. Ich stehe auf meinem Beet und notiere etwas für meine Planung.

Die Kirchturmuhr schlägt halb eins. Einige Zeit später kommt die Frage ‚Hat jemand eine Uhr dabei?‘ Keiner von uns. Wie schön, denke ich mir, es hat nicht mal jemand ein Handy dabei. Nach meinem Zeitgefühl sind etwa 20 Minuten vergangen seit dem Glockenschlag, also schwingen wir uns auf die Räder und fahren zurück zum Haus.

Ich freue mich als ich sehe, dass draußen gedeckt ist, ziehe schnell meine Arbeitsklamotten aus und setzte mich an den Tisch. Die Glocke wird gebimmelt und unsere fleißige Küchencrew bringt große dampfende Töpfe nach draußen. Es wundert ich nicht sonderlich als ich sehe, dass es Kartoffeln gibt. Da wir hier versuchen uns so weit wie möglich selbst zu versorgen und wir selber massig Kartoffeln anbauen, gibt es recht häufig alle möglichen Varianten von Kartoffeln. Die heutige Kreation lautet: Himmel und Erde oder auch Kartoffel-Apfel-Suppe. (Äpfel haben wir auch in Hülle und Fülle). Dazu noch ein grüner Salat mit frischen Blättern aus dem Garten.

Wie immer alles ziemlich lecker, trotz der ungewöhnlichen Kombi. Ich bin noch beim letzten Bissen als der Nachtisch rausgetragen wird. Eine wichtige Regel auf Hof Luna: Es gibt immer Nachtisch. Find ich gut 🙂 Heute gibt es Schokopudding. Einmal mit selbstgemachter Hafermilch und einmal mit der frischen Milch von unseren Kühen. Yummy!

Da ich zum Glück nicht für den Abwasch-Dienst eingeteilt bin, kann ich gleich in die Mittagspause entschwinden. Ich schnappe mir ein Tuch und mein Notizbuch und gehe nach oben zum Tipi-Platz. Hier ist es wunderbar ruhig und sonnig. Ich genieße die Stille und die Geborgenheit dieses Ortes und lege mich ins Gras. Shavasana.

Nach einiger Zeit werde ich wieder munter. Ich hole mein Notizbuch hervor und arbeite etwas an meiner Gartenplanung. Hmm. Wohin kommt die Sitzecke? Ich begebe mich in Gedanken auf mein Stück Land und versuche zu erspüre, wo sich ein Sitzplatz am stimmigsten anfühlt. Die Süd-West-Ecke passt ganz gut. Dann kann ich weg von der Straße Richtung Wald und Permakultur-Garten gucken und hinter mir als Sicht- und Windschutz ein Rankgitter mit Kletterpflanzen platzieren. Ja, das fühlt sich gut an. Zufrieden mit der Entscheidung mache ich mich um kurz vor vier wieder auf den Weg nach unten zum Haus.

Als Nachmittags-Programm steht heute eine Theorieeinheit an. Dadurch, dass unser Permakultur-Design-Kurs Ende März ausgefallen ist, bekommen wir die für uns momentan wichtigen Inhalte privat vermittelt. Praktisch wenn man mit den Lehrern unter einem Dach wohnt. Thema der Einheit: Ökosystemkriterien. Welche Merkmale hat ein System, das sich selbst reguliert? Richtig interessant wird es bei dem Vergleich von ökologischen Systemen und sozialen Systemen. Ein Spaziergang auf den nächsten Hügel lässt uns das Dorf mit Umgebung von oben betrachten. ‚Welche Ökosystemkriterien könnt ihr sehen?‘ Vielfalt, Wechselwirkung, . ‚Seht ihr die Heckenstreifen auf unseren Weiden? Die dienen der besseren Vernetzung der verschiedenen Ökosysteme. So können haben die Tiere und Pflanzen einen Weg von dem Wald auf den westlichen Hügeln zu dem Wald der östlichen Hügel‘. Denn was früher alles Wald war, ist jetzt getrennt durch Straßen, Häuser, Weiden und Ackerland.

Nach etwa 2 Stunden ist die Einheit beendet. Ich verabschiede mich erst mal in den Wald um noch ein bisschen Ruhe und Zeit für mich zu haben. Dabei verbinde ich das Schöne mit dem Nützlichen und pflücke noch mal einen riesigen Sack Bärlauch, um unseren Aufstrich-Bestand zu sichern. Aufstriche produzieren wir nämlich auch selbst. Damit die nicht zu schnell aufgegessen werden, haben wir sogar inzwischen ein Aufstrich-Versteck angelegt.

Erfrischt von meinem Waldspaziergang werde ich mit Brotgeruch im Haus empfangen. Die heutige Ladung Brot ist grade fertig. Mal sehen wie lange diese 6 Brote reichen werden. Wahrscheinlich muss ich spätestens Sonntag das nächste Brot ansetzen. Inzwischen ist es schon kurz nach sieben. Mein Magen knurrt, Zeit fürs Abendbrot. Während die anderen schon mal den Tisch decken, mache ich noch schnell eine kleine Ladung Bärlauch-Pesto fertig. So kann ich statt Brot die Reste der Suppe mit Bärlauch-Pesto zum Abendbrot essen.

Welchen Film gucken wir eigentlich gleich?‘ Ach ja. Heute ist Freitag. Freitag ist Kinoabend auf dem Hof. Jetzt kann ich auch das Geräusch in der Küche zuordnen. Das ist die Popcorn-Maschine. Der Film des Abends ist Spuren. Die Geschichte einer Frau die mit ihren Kamelen die australische Wüste durchquert. So lassen wir die Woche entspannt ausklingen.

Der Tag endet, etwas später als gewöhnlich, was aber nicht schlimm ist, da ich diese Woche mein freies Wochenende habe. Trotzdem weiche ich noch vorm Schlafengehen die Haferflocken mit Rosinen für den Porridge am nächsten Morgen ein. Die letzte Aktion des Tages gilt wieder meinen Fensterbank Mitbewohnern, die ich noch einmal besprühe.

Kaputt aber zurfrieden mache ich das Licht aus. Ein weiterer langer Tag auf Hof Luna geht zu Ende. Kurz vorm Einschlafen kommt mir noch eine Idee für mein Beet. Eine Bienentränke- das wäre doch cool!

Permakultur- Einführung

Permakultur ist ein Tanz mit der Natur, bei dem die Natur führt.

Bill Mollison

Ich habe kürzlich meine erste Einführung in die Grundlagen der Permakultur bekommen. Dieses Zitat von Bill Mollison, dem Begründer der modernen Permakultur, ist nachhaltig bei mir hängen geblieben. Wahrscheinlich weil mich der Vergleich mit einem Tanz gleich berührt hat. Die Teife und Vielschichtigkeit dieses Satzes ist mir allerdings erst gerade beim schreiben klargeworden.

Permakultur ist ein Tanz…

Der Duden definiert Tanz als „Abfolge von Körperbewegungen, die nach einem durch Musik oder eine andere akustische Äußerung hervorgebrachten Rhythmus ausgeführt wird„. Es gibt also Bewegung – Handlung – Tun und einen übergeoordneten Rhythmus – ein Muster – ein Design.

Für mich ist Tanzen Freude, Kreativität, sich-selber-spüren und teilen.

...mit der Natur…

Es ist kein Solo-Tanz, sondern ein Tanz mit der Natur- ein Paartanz. Sobald zu zweit getanzt wird, entsteht eine ganz besondere Dynamik. Es ist wie eine eigene Sprache zwischen den beiden Tänzern. Es wird auf die feinsten Impulse reagiert, die eigenen Bewegungen auf die des Partners eingestimmt und das alles im übergeordneten Rhythmus der Musik. In der Permakultur tanzt der Mensch mit der Natur.

Wie begegnest du deinem Tanzpartner? Höflich, respektvoll, achtsam und aufmerksam. Nur gemeinsam kann etwas erschaffen werden- wird es zum Tanz.

…bei dem die Natur führt

Einer der Tänzer ist der Impulsgeber, der den Tanz führt. Der ‚Führer‘ hat einen übergeordneten Blick über die Situation. Er hört/spürt den Rhythmus, hat ein Gefühl für den Raum und die Elemente darin und gibt Impulse an seinen Partner.

Wenn die Natur führt

Was ist überhaupt die Natur? Meine ersten Assoziationen dazu: Natur ist alles, was grün ist, was unberührt vom Menschen ist. Ich denke jeder von uns hat eine eigene Vorstellung dazu, was Natur ist. Sogar der Duden hat sechs verschiedene Definitionen. Definitionen zur äußeren Natur beinhalten tatsächlich meistens ‚vom Menschen unberührt/unbeeinflusst‘. Gleichzeitig gibt es den Begriff der inneren Natur, was oft mit Seele oder Geist gleichgesetzt wird.

Ich persönlich finde dieses Paradox sehr schön: Natur ist alles, was nicht Mensch ist und gleichzeitig das tiefste Innere des Menschen. Das erinnert mich daran, was ich in der Yogalehrer-Ausbildung oft gehört habe: Die äußere Welt ist ein Spiegel meines Inneren.

Kann Natur also vielleicht als ‚alles, was nicht vom Verstand des Menschens kontrolliert wird‘, beschrieben werden (im äußeren und im inneren)?


Permakultur- Was steckt dahinter?

Das Permakultur-Prinzip wurde in den 70er Jahren von Bill Mollison und David Holgrem entwickelt. Die Idee dahinter war ‚eine zukunftsfähige Form der Landwirtschaft, die sich um sich selber kümmert‘. Also permanente Landwirtschaft- permanent agriculturepermaculture. Inspiriert dazu wurden sie dabei von Beobachtungen der Natur, natürlichen Ökosystemen und dem uralten Wissen von Naturvölkern. Denn eins war den beiden klar: So wie es ist, kann es nicht weiter gehen.

Die Wurzeln des Permakultur-Baums

Allem, was den Namen Permakultur trägt, liegen drei ethische Prinzipien zugrunde und bilden damit die Wurzeln, also die Grundlage. Bei der Formulierung dieser Wertebasis haben sich Mollison und Holgrem an Kulturen und Gemeinschaften orientiert, die langfristig lebenserhaltend agiert haben. Ein Beispiel hierfür sind die australischen Aborigines, die seit Jahrtausenden im Einklang mit der Natur existieren.

Earth Care – Sorge für die Erde

Was ist alles Erde? Die Erde ist unser Planet und wir bezeichnen das Boden-Substrat als Erde. Gemeint ist hier alles. Also der Boden, die Luft, Pflanzen, Tiere, Steine…

Oder um es mit schamanischen Worten auszusrücken:

Die Kinder von Mutter Erde: Die Steinmenschen, die Pflanzenmenschen, die Vierbeiner, die Zweibeiner, die Krabbelden, Kriecher, Geschuppten und Gefiederten- alle, mit denen wir verbunden sind.

Ein Permakultur-Designer fragt sich bei seinen Handlungen stets ‚Habe ich dabei an die Bedürfnisse unserer Erde gedacht?‘

People Care – Sorge für die Menschen

Es könnte argumentiert werden, dass wir Menschen als Kinder von Mutter Erde mit zur Erde gehören und demnach auch unter den Punkt Sorge für die Erde fallen, das würde allerdings der aktuellen Situation nicht gerecht werden. Deshalb wird Sorge für die Menschen noch einmal hervorgehoben. Konkret geht es bei diesem Grundsatz darum, dass die Arbeit (für die Erde) auch mit den eigenen Bedürfnissen übereinstimmen muss. Denn ist es nachhaltig aufzuhören die Natur auszubeuten aber stattdessen uns selbst auszubeuten?

Ab diesem Punkt geht Permakultur über bloßen Naturschutz hinaus. Zwischen den Bedürfnissen der Menschen und der Erde entsteht schnell ein Spannungsfeld. Es gilt diese Wiedersprüche aufzuheben.

Fair Share – Überschüsse fair verteilen

Man könnte sagen, dass es bei diesem Grundsatz um Wirtschaft geht. Es gilt zu erkennen Was brauche ich wirklich? Und dementsprechend seinen Konsum auf ein Minimum zu begrenzen. Denn unbegrenztes Wachstum ist auf einer Erde mit begrenztem Raum und begrenzten Ressourcen und Menschen mit einer begrenzten Lebensspanne eher unwahrscheinlich- um es mal vorsichtig auszudrücken. Trotzdem ist es das, worauf unsere Wirtschaft ausgerichtet ist. Dieser Grundsatz lädt dazu ein Konsum und Wachstum zu begrenzen und alles, was über ist weiterzugeben. Aus der Fülle heraus geben. So überlässt ein Gärtner, der nach den Prinzipien der Permakultur lebt, ohne Groll ein Drittel seiner Salatköpfe den Schnecken, wenn ihm die anderen zwei Drittel für sich selbst reichen.

Permakultur versucht diese drei Grundsätze in ein Gleichgewicht zu bringen. Sie sind die Wurzeln aus denen jegliche Planung und Handlung keimt.

Wichtig dabei bleibt zu wissen: Wir können nie alles komplett richtig oder perfekt machen. Handle nach DEINEM besten Wissen und Gewissen.

Dankbarkeitsrunde

Dankbarkeit ist das Gefühl, wenn sich das Herz erinnert.

Laura Seiler

Das Feuer ist fast heruntergebrannt, ein sonniger Tag voller Taten und Lebendigkeit geht zu Ende. Was bleibt ist eine tiefe Zufriedenheit und das Gefühl genau hier und jetzt richtig zu sein. Eine Erinnerung wird wach, ein Gefühl steigt empor. Ich horche in mich hinein und erkenne: Dankbarkeit.

Danke für die kleinen Dinge des Lebens.

Für eine Raupe, die in der Erde versteckt ist und mich für einen Moment innehalten lässt.
Für ein kleines Kind, das begeistert in der Erde rumwühlt.
Für das Wunder Natur, was mich staunen lässt, wie aus einem kleinen trockenen Samen eine lebendige grüne Pflanze werden kann.
Für ein spontanes Picknick im Garten.
Für die Zeit, die wir geteilt haben.

Dankbarkeit ist eine starke Kraft. Sie kann vieles überwinden und Negativität geradezu verbrennen. Wenn du dankbar bist, gibt es kein ABER, kein Was wäre wenn oder Mir fehlt dieses und jenes. Dankbarkeit lässt dich vollkommen im Moment aufgehen, zufrieden mit dem, was ist.

Wofür bist du gerade in diesem Moment dankbar? Halte kurz inne, schließe die Augen, wenn du magst, nimm einen tiefen Atemzug und spür einfach kurz in dich hinein. Was lässt dein Herz voller Dankbarkeit schlagen? Was gibt dir Freude, Mut und Vertrauen?

Vielen von uns fällt es zu Anfang schwer sich auf diese Dinge zu besinnen. Wir neigen dazu, die Sachen zu sehen, die nicht so gut laufen, überlegen, was wir verbessern/optimieren können oder was die anderen besser machen sollten. Und wir nehmen vieles als selbstverständlich hin. Bei wem von uns kommt noch regelmäßig ein Gefühl der Dankbarkeit auf, wenn Essen auf dem Tisch steht, die Wohung warm ist oder Wasser aus der Leitung kommt? Es ist im Moment nun mal so, dass die Ressourcen auf dieser Welt unterschiedlich verteilt sind. Das heißt nicht, dass wir uns deswegen schlecht fühlen müssen, wenn wir regelmäßig heiß duschen während wo anders auf der Welt die Menschen nicht genug Trinkwasser haben. Damit ist niemandem geholfen. Was ich mir für dich und mich wünsche, ist, etwas mehr Bewusstheit, Achtsamkeit und die daraus resultierende Dankbarkeit.

Übung: Dankbarkeits-Tagebuch

Eine sehr schöne Methode die Dankbarkeit mehr in dein Leben einzuladen, ist ein Dankbarkeits-Tagebuch. Schreibe einfach jeden Abend vor dem Schlafen zwei bis drei Dinge auf, für die du dankbar bist. Es können natürlich auch viel mehr Dinge sein. Du wirst merken, dass dir mit der Zeit mehr und mehr Dinge einfallen werden, für die du dankbar bist, je öfter du einfach mal innehälst und in dich hineinspürst. So wird es schon im Laufe des Tages Momente geben, wo dir bewusst wird: Ich bin dankbar hierfür. Einfach weil du deinen Fokus darauf legst und dich jeden Abend kurz damit beschäftigst. Lasse die Dankbarkeit in dein Leben einziehen.


Danke an die nährende Erde.

Danke an den Fluss des Lebens.

Danke an das Feuer der Transformation und des Neubeginns.

Danke an den Wind es Wandels.


Glücksklee-Kreis – Der Mittelpunkt des Beetes, was ich selber gestalten darf.

Kraft-Orte

Mein Kraftort ist der Ort, wo ich mich vollkommen entspannen kann. Hier lasse ich alles raus, alles gehen, alles zu.

Pures Sein.

Die meisten von euch werden schon einmal von Kraftorten gehört haben. Von heiligen Orten in der Natur, Plätze, die eine besondere Bedeutung haben. Von Stonehenge, Ayers Rock oder Machu Picchu.

Klar, das sind alles besondere Orte und auch Kraftorte. Doch für die meisten von uns doch eher ferne Reiseziele oder Sehenswürdigkeiten. Worum es mir gerade geht, sind persönliche, individuelle Kraft-Orte, um meinen Kraftort, DEINEN Kraftort.

Bei meinen Streifzügen durch den Hof und die Umgebung ist mir noch mal bewusst geworden, wie unterschiedlich sich Orte anfühlen können, selbst wenn sie nur einige Meter voneinander entfernt sind. Manchmal geht man ein paar Schritte und hat das Gefühl in einer anderen Welt zu sein. Es ist wie ein Aufatmen- ein Ausatmen. Plötzlich hast du das Gefühl anzukommen und loslassen zu können, ohne dass dir vorher bewusst war Anspannung zu empfinden.

Wasser hat die Eigenschaft zu reinigen, Dinge fortzuspülen, zu klären und festgefahrenes in den Fluss zu bringen.

Wozu ein Kraftort?

Jedes Wesen braucht einen geschützten Rückzugsort. Einen Ort des sorglosen SEINS. Einen Ort um zur Ruhe zu kommen und nach Innen zu horchen. Gerade wenn im Außen viel los ist, viel Bewegung, Veränderung und Unruhe. Wenn du mit Unsicherheit und Ängsten zu kämpfen hast, kann dir dein Kraftort die innere Stärke und Gelassenheit geben, um mit jeder Situation, die dir das Leben so vor die Füße wirft, zurecht zu kommen.

Mir hilft die Verbindung mit einem Kraft-Ort- einem Ort, der mir Kraft gibt- wieder zu mir selbst zu finden nach einem Tag voller Aktion und mit vielen Menschen um mich. Das Leben in einer (Hof-)Gemeinschaft ist wundervoll, bringt natürlich auch Herausforderungen mit sich. Hier ist immer etwas los, Menschen kommen und gehen und zu tun gibt es sowieso immer etwas. Da ist es manchmal schwierig den Kontakt zu mir selbst zu halten und zu spüren: Was brauche ich gerade? oder Passt mir das wirklich oder sage ich nur Ja, weil ich nicht Nein sagen möchte? Mein Kraftort hilft mir zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Und manchmal ist die heilsame Energie eines Kraftortes auch einfach gut für ein kleines Nickerchen, um die Energiereserven wieder aufzufüllen.

So ein Ort kann alle möglichen Formen annehmen. Denn jedes Wesen, jeder Mensch ist anders und hat andere Bedürfnisse. So kann auch dein Kraftort je nach Lebenssituation variieren.

Wie finde ich meinen Kraftort?

Gibt es einen Ort, wo du dich ganz wohl und geborgen fühlst? Vielleicht eine Lichtung in deinem Lieblingswald, eine Quelle oder ein kleiner Bachlauf, ein besonderer Baum, eine Bibliothek oder die Hängematte zwischen den Apfelbäumen? Dieser Ort muss kein bestimmtes Kriterium erfüllen. Wichtig ist, dass DU dich dort wohl fühlst. Spüre in deinen Körper hinein, der verrät dir, was dir gut tut und was du gerade brauchst. Wenn du an einem Ort -oder bei dem Gedanken an einen Ort- ein warmes, weites Gefühl bekommst. Wenn du ein Gefühl hast von Weite und Ausdehnung. Dann ist das für JETZT der richtige Ort für dich. Dann kann dies dein jetztiger Kraftort sein.


Du musst diesen Ort auch gar nicht physisch aufsuchen. Wenn es bei dir in der Nähe keinen solchen Ort gibt oder du gerade nicht die Möglichkeit hast dorthin zu kommen, dann stelle ihn dir einfach vor.

Fantasiereise zu deinem Kraftort

Mach es dir bequem und schließe deine Augen. Atme ein paar mal tief ein und aus. Spüre dich und deinen Körper- den Atem, der durch alles fließt. Dann setzte die Intention jetzt deinen Kraftort zu besuchen. Stelle dir diesen Ort vor, der dir genau das gibt, was du gerade brauchst. Und lass dich überraschen, was das ist. -Vielleicht erscheint dir eine dunkle Höhle im ersten Moment nicht besonderes reizvoll, bietet dir aber dann genau den Schutz und die Geborgenheit, die du gerade brauchst.- Lasse zu, dass der Ort zu dir kommt, sich vor dir entfaltet und beobachte einfach. Versuche im Spüren zu verweilen und lasse dich durchdringen von der Kraft dieses Ortes- von deinem Kraft-Ort.

Kehre zurück sobald du den Impuls dazu verspürst. Halte die Augen noch einen Moment geschlossen und spüre nach. Hat sich etwas in deinem Körper, in deinem Geist, bei deinen Gefühlen verändert? Öffne die Augen wenn du soweit bist.

Wisse, dass du jederzeit an diesen Ort zurückkehren kannst. Egal wo du gerade bist oder was du gerade erlebst. Es wird immer diesen Ort geben, der dich unterstützt mit dem, was gerade nötig ist. Dieser Ort ist in deinem Inneren- also immer mit dabei.


Ich wünsche uns allen, dass wir uns immer wieder Erlauben uns zu einem -inneren oder äußeren- Ort der Kraft zurückzuziehen, um gestärkt wieder zu kommen und den Höhen und Tiefen des Lebens gelassen entgegen treten zu können.


Die erste Woche

– In Bildern –

Um was es alles ging in meiner ersten Woche hier auf Hof Luna.

Erkunden

Forschen

Beobachten

(Kennen)Lernen

Ankommen

Thema Selbstversorgung

Thema Lernen

Thema Gemeinschaft

Thema Permakultur


Es war vielfältig, echt interessant und ich freue mich sehr darauf all diese Themen in nächster Zeit noch vertiefen zu können.


Bärlauch- Inspiration

-Wildkräuterzeit-

Bald ist es wieder so weit. Die Wildkräuterzeit beginnt. Durch den milden Winter und die warmen Temperaturen trauen sich schon die ersten Pflanzen aus der Erde heraus. Hier in Mittel-Deutschland habe ich bei meinem ersten Erkundungsspaziergang durch den Wald schon recht viel Grün entdeckt. Überall fängt es an zu sprießen und junge Pflänzchen kommen aus der dunklen Erde.

Schau dich bei deinem nächsten Spaziergang einfach mal um, du wirst erstaunt sein, was alles schon zu neuem Leben erblüht.

Eine kleine Achtsamkeitsübung

Gehe zu einem Fleckchen Natur bei dir in der Nähe. Wenn du magst, setze dir einen Zeitrahmen für diese Übung (z.B. 30 Minuten oder eine Stunde). Das kann helfen dich komplett darauf einzulassen. Sage dir: Diese Zeit ist jetzt nur für mich. Für diesen Zeitraum bleibt alles andere außen vor, damit werde ich mich danach wieder beschäftigen. Schicke so alle Gedanken und Pläne, Ängste und Sorgen fort.

Setze dich in Bewegung. Vielleicht gibt es einen Weg, den du noch nie gegangen bist und wo du immer schon mal wissen wolltest, wohin er führt. Gehe langsam und schaue dich um. Was kannst du beobachten, hören, riechen, fühlen? Was begegnet dir? Kleine Dinge, große Dinge, Strukturen, bewegliche Dinge. Wo zieht es dich hin? Lasse dich von deiner Inspiration und von deinem Gefühl leiten. Erlaube dir zu verweilen und genauer hinzuschauen. Es gibt kein Ziel, nichts, was du erreichen musst.

Kehre wieder um, wenn die Zeit vorbei ist. Vielleicht magst du wenn du wieder zu Hause bist, eine kleine Karte deines Weges zeichnen mit den für dich markanten Punkten deines Weges. Was ist dir in Erinnerung geblieben? Was war für dich wichtig und hat deine Aufmerksamkeit auf sich gezogen? Welche Gedanken und Gefühle sind bei der Übung aufgekommen?

Es ist sehr interessant, wie unterschiedlich die Wahrnehmung sein kann. Sowohl bei sich selbst zu verschiedenen Zeitpunkten, als auch bei verschiedenen Personen, die den gleichen Weg gehen. Oft ist der Fokus auf völlig verschiedenen Dingen und vielleicht fällt dir etwas auf, was andere überhaupt nicht wahrgenommen haben- und umgekehrt.

Eine Pflanze, die du jetzt schon entdecken kannst, ist der Bärlauch (Allium ursinum). Der Bärlauch mag es gerne feucht und schattig, weswegen er viel im Wald zu finden ist. Wo Bärlauch wächst, ist der Boden fruchtbar und feucht (Anzeigerpflanze).

Charakteristisch für den Bärlauch ist der würzige Duft nach Knoblauch. So lässt sich der Bärlauch auch zweifelsfrei von allen ähnlichaussehenden Pflanzen unterscheiden. Einfach etwas an den Blättern reiben und dann daran schnuppern. Um ganz sicher zu gehen, kann das Blatt auch etwas angerissen werden. Wenn es dann nicht nach Knoblauch riecht, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine andere Pflanze. Auf dem Bild ist das aktuelle Stadium des Bärlauchs zu sehen. Noch ohne Blüte, aber schon grün und saftig.

Da Bärlauch meist in Massen vorkommt, lässt er sich gut sammeln. Die Verwendungsmöglichkeiten sind zahlreich. Die Blätter können für Kräuterbutter oder -quark, als Brotbelag oder zum würzen in der Gemüsepfanne verwendet werden. Sehr lecker ist auch ein selbstgemachtes Bärlauch-Pesto. Hier ein kleiner Zubereitungsungsvorschlag:

Rezept: Bärlauch-Pesto

Deinen selbstgesammelten Bärlauch grob klein hacken.

Sonnenblumenkerne ohne Öl in einer Pfanne anrösten und die Kerne dann vom Herd nehmen und abkühlen lassen.

Gehackten Bärlauch mit ausreichend Olivenöl pürieren. Dabei etwas Geduld mitbringen und das Gemisch zwischendurch umrühren. Denk dran, es soll ein Pesto werden, also ruhig noch einen Schuss Öl dazu. So ergibt sich eine schöne, homogene Masse.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Die gerösteten Sonnenblumenkerne dazugeben und ebenfalls etwas mit pürieren.

Schmeckt sehr lecker auf Brot oder zu Nudeln, mit Kartoffeln oder was dir noch so einfällt.

Als Variation können auch noch Rosinen mitpüriert werden, was das Ganze etwas milder macht, oder Schafskäse.

Da ich persönlich nach Gefühl koche, gibt es keine genauen Mengenangaben. Ich lade dich dazu ein auf dein Gefühl zu vertrauen und auf deinen Geschmack. Wie sieht die Konsistenz aus, wie riecht es, wie schmeckt es? Mache deine eigene Kreation daraus, dein Essenskunstwerk. Und erlaube dir, dass es noch verbesserungswürdig sein darf.

Viel Spaß und guten Appentit.

Auch die Blüten und Samen lassen sich vielseitig verwenden. Die reifen Samen können beispielsweise getrocknet wie Pfeffer verwendet werden. Die kleinen Körner einfach in die Pfeffermühle geben oder mit dem Mörser zermahlen. Und et voilà haben wir ein neues, heimisches Gewürz.

Dem Bärlauch werden natürlich auch einige Heilwirkungen zugeschrieben. Das Lauchgewächs wirkt, ebenso wie Knoblauch, antibakteriell. Das Kraut hilft bei Magen-, Darmstörungen, senkt den Blutdruck und Cholesterinspiegel und ist allgemein blutreinigend, harntreibend, entzündungshemmend, schleimlösend und stoffwechselanregend. Also genau das richtige um den Körper nach dem Winter wieder in Schwung zu bringen, alte Schlacken und Ablagerungen zu lösen und aus dem Körper zu bringen. Oder mit Ayurveda-Termini ausgedrückt: Bärlauch reduziert Kapha und (in Maßen eingenommen) Vata und erhöht Pitta.

Es wird erzählt, dass der Name Bär-Lauch daher kommt, dass die Bären nach dem Winterschlaf als erstes Bärlauch essen, um sich nach dem langen Schlaf zu stärken und die Lebensgeister zu wecken. Eine andere Erzählung besagt, dass früher Pflanzen, die sehr kräftig und heilwirksam sind, mit dem Namen des Bären bedacht wurden, da dieser als starkes Tier besonders verehrt wurde. Andere Pflanzen sind beispielsweise Bärenklau, Bärlapp oder Bärwurz.

Also, ergreife die Chance und versorge dich mit regionalem, saisonalem und (höchstwahrscheinlich oder hoffentlich) biologischem Superfood. Beim nächsten Spaziergang einfach mal die Augen offen halten- und die Nase.

Ein Anfang…

Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Chinesisches Sprichwort

Ein Schritt…


Hallo liebes Erdenkind und herzlich Willkommen auf meinem neuen (ersten) Blog. Ich habe einen Schritt gewagt und werde nun für ein Jahr eintauchen in das Leben auf dem Biobauernhof Luna. In diesem Blog werde ich die nächsten Monate über die Erlebnisse und Erfahrungen meiner ‚Reise‘ berichten.

Mein Jahr auf dem Bauernhof.

Hof Luna ist ein Demeter-zertifizierter Bauernhof, der südlich von Hannover im beschaulichen Everode liegt. Man könnte auch sagen ‚weit wech vom Schuss‘, dafür Natur pur. (Also genauso wie ich es mag 🙂 ). Hier werde ich nun ab März für ein Jahr an dem Programm ‚Orientierungsjahr- Art-gerecht leben lernen‘ teilnehmen. Dabei geht es um Nachhaltigkeit, Selbstversorgung, Permakultur, Gemeinschaft und und und.

Durch diesen Blog möchte ich Dich daran teilhaben lassen. Ich wünsche mir eine Welt, wo wir uns gegenseitig unterstützen, uns austauschen und teilen. Die Idee mit diesem Blog mein neu erworbenes Wissen und meine Erfahrungen mit anderen Menschen zu teilen- es mit Dir zu teilen-, finde ich toll. So wird aus meinem eigenen kleinen ‚Ich finde meinen Weg-Projekt‘ ein Gemeinschaftsprojekt. Ich nehme Dich mit auf meine Forschungsreise zu der Frage:

Wie kann ich im Einklang mit der Natur leben und trotzdem als Teil dieser Welt?

Hof Luna ist der Ort, den ich mir unter anderem für die Beantwortung dieser Frage ausgesucht habe. Warum? Weil es hier neben dem biologisch-dynamisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb auch den sogenannten LernOrt gibt. Was man hier lernen kann? Gelehrt, gelernt und gelebt wird hier mit viel Enthusiasmus und Liebe rund um die Themen Permakultur, Wildniswissen, Selbstversorgung und Landwirtschaft. Und weißt du, was das schönste daran ist? Hier geht es nicht darum theoretisch Konzepte zu erlernen und am Schreibtisch sitzend Bücher zu wälzen. In diesem Jahr bin ich hautnah dabei und kann alles ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen und so die wertvollste Art von Wissen sammeln: Erfahrungswissen. (Etwas Theorie und einige Bücher lesen gehört wohl trotzdem noch dazu 😉 ).

Ein Gramm Praxis ist mehr wert als eine Tonne Theorie.

Swami Sivananda

Falls du dich jetzt fragst, was dieses Permakultur-Ding ist und was das überhaupt soll, helfen dir vielleicht folgende Sätze für einen kleinen Überblick: David Holgrem, Mitbegründer des Permakulturansatzes, definiert Permakultur als “kreative[n] Gestaltungsansatz, der auf eine Welt schwindender Energie- und Ressourcenverfügbarkeit reagiert”. Kurz zusammengefasst geht es darum eine zukunftsfähige Lebensweise zu entwickeln und Lebensräume zu schaffen, ausgehend von den drei Grundsätzen: Earth Care. People Care. Fair ShareSorge für die Erde. Sorge für die Menschen. Begrenze Konsum und Wachstum, verteile Überschüsse.

Hört sich gut an oder? Neugierige können hier noch etwas weiterstöbern: https://permakultur.de/was-ist-permakultur/. Und falls du jetzt Lust auf mehr bekommen hast, kannst du mich die nächsten Monate begleiten und mit mir nach und nach mehr über dieses so umfangreiche und wie ich finde zukunftsweisende Thema lernen.


Ich möchte mit diesem Blog ein Netzwerk aufbauen. Ein Netzwerk mit Menschen, die sich gegenseitig unterstützen- ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Ich möchte durch diesen Blog teilen, was ich in diesem Jahr erleben und erfahren darf – das, was ich in Fülle habe.

Es wird um eine bunte Mischung von Themen gehen angefangen bei Permakultur (was sonst?! 😉 ), Selbstversorgung über Landwirtschaft und Ökologie bis hin zu Ernährung und leben in Gemeinschaft. Mal mit wissenschaftlichen Inhalten, mal mit der persönlichen Erfahrung. Das ein oder andere Rezept zum selber nachmachen oder ein kleines Gartenprojekt werden auch dabei sein, sowie inspirierende Zitate oder interessante Fragen. Ich möchte dich mit auf die Reise nehmen durch gut durchlüftete Tiefen und baumige Höhen, über selbstgebackene Brotberge und zu ungeahnten Wissensquellen.

Ob als stiller Mitleser, aktiver Diskussionenstarter, begeisterter Wissenssammler oder kurzer Besucher, sei dabei und begleite mich auf meiner Reise. Wenn du magst, trage dich bei der Startseite ganz unten in die E-Mail-Liste ein und erfahre immer sofort, wenn es etwas neues gibt.

Hast du Fragen oder Anmerkungen kannst du mir natürlich gerne schreiben. Ich selber freue mich riesig auf dieses Abenteuer und hoffe auch dich neugierig gemacht zu haben.


Das vergangene Jahr habe ich mich viel mit den Fragen beschäftigt was ich gerne machen möchte (Was ist meine Berufung? Was kann ICH der Welt geben?) und wo es jetzt hingehen soll (Was ist mein Lebensweg?). Meine Suche, meine Fragen, mein Vertrauen und auch die dazwischen empfundenen Ängste und Unsicherheiten haben mich schlussendlich hierher geführt. Jetzt traue ich mich und mache…

meinen ersten Schritt…

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