Ein Tag auf Hof Luna

In diesem Blog-Post möchte ich euch mitnehmen auf eine Reise. Eine Reise nach Everode. Um genauer zu sein auf den demeter Hof Luna, wo ich nun seit über einem Monat lebe. Für einen Tag seit ihr hautnah mit dabei und könnt ein bisschen Hof Atmosphäre schnuppern.

Bist du bereit?

Los gehts.

Ich blinzel. Es ist noch nicht ganz hell. Ich höre wie im Flur eine Tür geht. Ah, das ist die Stallschicht. Also ist es noch vor sechs. Dann kann ich mich ja nochmal umdrehen.

Mein Wecker klingelt. Ich mache ihn aus. Jetzt ist es schon fast hell. 6:33h.

Der Wecker klingelt. Oh, da bin ich wohl noch mal weggedöst. 6:38h. Diesmal bleibe ich mit offenen Augen liegen und warte auf den dritten Wecker, der in zwei MInuten klingelt.

Dritter Wecker. Ich stehe auf und beginne mit meiner Morgenroutine. Dazu gehört momentan mit als erstes der Blick auf meine Fensterbank. Denn ich beherberge grade etliche kleine Pflänzchen, die auf meiner Fensterbank das Licht der Welt erblicken dürfen. Anzucht in anderen Worten. Da gibt es Tomaten, Paprika, Chilis und Tagetes (eine Blume). Da die Erde trocken aussieht, besprühe ich sie mit Wasser. ‚Die Saat schön feucht halten‚- so wurde es mir aufgetragen.

Nach einigen Yoga-Dehn-und Streck-Übungen gehe ich um 7:30h nach unten in die Küche. Noch ist es herrlich ruhig im Haus. Die Leute der Landwirtschaft sind noch im Stall, die Langschläfer schlafen noch und einige andere sind schon fleißig im Büro zu Gange. Ich habe Frühstücks-Dienst, was so viel heißt wie Frühstückstisch decken, Porridge machen, Kamin anmachen und Küche aufräumen. Als ich vor dem Kamin stehe, sehe ich, dass kein Holz mehr da ist. Also ziehe ich mit dem Holzkorb los und hole Holz aus dem Holzlager. Ich nehme gleich die Schubkarre mit und mache sie voll für die Heizung später. Bin ich eigentlich heute dran mit Heizen? Ein Blick auf unseren Wochenplan verrät mir, dass ich mich für diese Woche nicht mehr um die Heizung kümmern muss.

Unser Wochenplan. Hier tragen wir ein wer wann mit was dran ist.

Gegen 8:20h trudeln die ersten Leute aus dem Stall ein. ‚Früh dran heute‚ denke ich mir. 10 Minuten später gehe ich in den Flur und läute die Glocke: Kommt herbei, Essen ist fertig, heißt das. Nach und nach treffen alle ein. Am Tisch wird es eng. Kein Wunder bei 14 Menschen. An unserer langen Tafel geht es wie immer bunt her. Es kommt gar nicht so selten vor, dass man einer fliegenden Brotscheibe ausweichen muss oder auf einmal ein Kind an deinem Bein hochklettern möchte. Inzwischen können wir auch alle die Gebärdenzeichen für Brot, Zwiebelschmelz und Milch, was bei dem Stimmengewirr echt praktisch ist, um nicht immer über den ganzen Tisch zu brüllen, wenn man etwas haben möchte. Allgemein herrscht ein reger Aufstrich-Marmeladen-Käse-Honig-Butter-Verkehr beim Essen, da die Dinge ständig von einem Ende des Tisches zum anderen wandern. Geworfen wird aber tatsächlich nur das Brot.

Um 9:15h geht es zum nächsten Punkt der Tagesordnung über: Arbeitsbesprechung- Was steht heute an? Heute ist Freitag. Das heißt: Putz-Party. Wohoo. Jeden Freitag nehmen wir uns etwa eine Stunde Zeit um sauber zu machen. Heute stehen die üblichen Sachen auf dem Programm. Die Badezimmer, fegen/saugen und die Küchen.

Ich übernehme eins der Badezimmer. Um 10h starten wir munter mit gemeinschaftlichem ‚Stups der kleine Osterhase‚ singen unsere Party. Da ich recht schnell fertig bin, nutze ich die Zeit um auch mein Zimmer noch mal schnell durchzusaugen. Die kleinen Spinnen am Fenster sind schneller mit Netze machen als ich gucken kann. Anschließend treffe ich mich mit den anderen und wir gehen für die restliche Zeit bis zum Mittagessen in den Garten. Zurück bleiben die Köche des Tages, da die Kochsession um 11:30h startet- also 1,5 Stunden vorm Mittagessen.

Im Garten gibt es im Moment viel zu sähen. Der kürzlich dazugewonnene Gemüseacker wurde von uns in den letzten Tagen in Beete eingeteilt und jetzt wird gesäht. Ein Beet Möhren, eins Zwiebeln, wieder Möhren und so weiter. Zwiebeln setzen bedeutet jede Zwiebel einzeln in den Boden stecken. Während ich Zwiebel für Zwiebel in den Boden setze, lausche ich den Plätschern unseres kleinen Wasserlaufs, die Sonne scheint mir ins Gesicht. Es ist so warm, dass ich sogar zwei meiner drei Schichten ausziehe.

Im Hintergrund ist der Gemüseacker zu sehen. Ich stehe auf meinem Beet und notiere etwas für meine Planung.

Die Kirchturmuhr schlägt halb eins. Einige Zeit später kommt die Frage ‚Hat jemand eine Uhr dabei?‘ Keiner von uns. Wie schön, denke ich mir, es hat nicht mal jemand ein Handy dabei. Nach meinem Zeitgefühl sind etwa 20 Minuten vergangen seit dem Glockenschlag, also schwingen wir uns auf die Räder und fahren zurück zum Haus.

Ich freue mich als ich sehe, dass draußen gedeckt ist, ziehe schnell meine Arbeitsklamotten aus und setzte mich an den Tisch. Die Glocke wird gebimmelt und unsere fleißige Küchencrew bringt große dampfende Töpfe nach draußen. Es wundert ich nicht sonderlich als ich sehe, dass es Kartoffeln gibt. Da wir hier versuchen uns so weit wie möglich selbst zu versorgen und wir selber massig Kartoffeln anbauen, gibt es recht häufig alle möglichen Varianten von Kartoffeln. Die heutige Kreation lautet: Himmel und Erde oder auch Kartoffel-Apfel-Suppe. (Äpfel haben wir auch in Hülle und Fülle). Dazu noch ein grüner Salat mit frischen Blättern aus dem Garten.

Wie immer alles ziemlich lecker, trotz der ungewöhnlichen Kombi. Ich bin noch beim letzten Bissen als der Nachtisch rausgetragen wird. Eine wichtige Regel auf Hof Luna: Es gibt immer Nachtisch. Find ich gut 🙂 Heute gibt es Schokopudding. Einmal mit selbstgemachter Hafermilch und einmal mit der frischen Milch von unseren Kühen. Yummy!

Da ich zum Glück nicht für den Abwasch-Dienst eingeteilt bin, kann ich gleich in die Mittagspause entschwinden. Ich schnappe mir ein Tuch und mein Notizbuch und gehe nach oben zum Tipi-Platz. Hier ist es wunderbar ruhig und sonnig. Ich genieße die Stille und die Geborgenheit dieses Ortes und lege mich ins Gras. Shavasana.

Nach einiger Zeit werde ich wieder munter. Ich hole mein Notizbuch hervor und arbeite etwas an meiner Gartenplanung. Hmm. Wohin kommt die Sitzecke? Ich begebe mich in Gedanken auf mein Stück Land und versuche zu erspüre, wo sich ein Sitzplatz am stimmigsten anfühlt. Die Süd-West-Ecke passt ganz gut. Dann kann ich weg von der Straße Richtung Wald und Permakultur-Garten gucken und hinter mir als Sicht- und Windschutz ein Rankgitter mit Kletterpflanzen platzieren. Ja, das fühlt sich gut an. Zufrieden mit der Entscheidung mache ich mich um kurz vor vier wieder auf den Weg nach unten zum Haus.

Als Nachmittags-Programm steht heute eine Theorieeinheit an. Dadurch, dass unser Permakultur-Design-Kurs Ende März ausgefallen ist, bekommen wir die für uns momentan wichtigen Inhalte privat vermittelt. Praktisch wenn man mit den Lehrern unter einem Dach wohnt. Thema der Einheit: Ökosystemkriterien. Welche Merkmale hat ein System, das sich selbst reguliert? Richtig interessant wird es bei dem Vergleich von ökologischen Systemen und sozialen Systemen. Ein Spaziergang auf den nächsten Hügel lässt uns das Dorf mit Umgebung von oben betrachten. ‚Welche Ökosystemkriterien könnt ihr sehen?‘ Vielfalt, Wechselwirkung, . ‚Seht ihr die Heckenstreifen auf unseren Weiden? Die dienen der besseren Vernetzung der verschiedenen Ökosysteme. So können haben die Tiere und Pflanzen einen Weg von dem Wald auf den westlichen Hügeln zu dem Wald der östlichen Hügel‘. Denn was früher alles Wald war, ist jetzt getrennt durch Straßen, Häuser, Weiden und Ackerland.

Nach etwa 2 Stunden ist die Einheit beendet. Ich verabschiede mich erst mal in den Wald um noch ein bisschen Ruhe und Zeit für mich zu haben. Dabei verbinde ich das Schöne mit dem Nützlichen und pflücke noch mal einen riesigen Sack Bärlauch, um unseren Aufstrich-Bestand zu sichern. Aufstriche produzieren wir nämlich auch selbst. Damit die nicht zu schnell aufgegessen werden, haben wir sogar inzwischen ein Aufstrich-Versteck angelegt.

Erfrischt von meinem Waldspaziergang werde ich mit Brotgeruch im Haus empfangen. Die heutige Ladung Brot ist grade fertig. Mal sehen wie lange diese 6 Brote reichen werden. Wahrscheinlich muss ich spätestens Sonntag das nächste Brot ansetzen. Inzwischen ist es schon kurz nach sieben. Mein Magen knurrt, Zeit fürs Abendbrot. Während die anderen schon mal den Tisch decken, mache ich noch schnell eine kleine Ladung Bärlauch-Pesto fertig. So kann ich statt Brot die Reste der Suppe mit Bärlauch-Pesto zum Abendbrot essen.

Welchen Film gucken wir eigentlich gleich?‘ Ach ja. Heute ist Freitag. Freitag ist Kinoabend auf dem Hof. Jetzt kann ich auch das Geräusch in der Küche zuordnen. Das ist die Popcorn-Maschine. Der Film des Abends ist Spuren. Die Geschichte einer Frau die mit ihren Kamelen die australische Wüste durchquert. So lassen wir die Woche entspannt ausklingen.

Der Tag endet, etwas später als gewöhnlich, was aber nicht schlimm ist, da ich diese Woche mein freies Wochenende habe. Trotzdem weiche ich noch vorm Schlafengehen die Haferflocken mit Rosinen für den Porridge am nächsten Morgen ein. Die letzte Aktion des Tages gilt wieder meinen Fensterbank Mitbewohnern, die ich noch einmal besprühe.

Kaputt aber zurfrieden mache ich das Licht aus. Ein weiterer langer Tag auf Hof Luna geht zu Ende. Kurz vorm Einschlafen kommt mir noch eine Idee für mein Beet. Eine Bienentränke- das wäre doch cool!

2 Kommentare zu „Ein Tag auf Hof Luna

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