Permakultur- So fing die Reise an

Eine intensive Permakultur-Woche liegt hinter mir. Die erste Woche meines Permkaultur-Design-Kurses. Wenn ich gefragt werde, wie es war, weiß ich immer gar nicht, was ich darauf antworten soll. Denn es war so vieles. Und auch jetzt, wo ich überlege, was -von diesem riesigen Ganzen, was ich gelernt habe- ich mit euch teilen möchte, weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll.

Vielleicht einfach noch mal beim Ursprung.

Es war einmal ein junger Mann, Bill Mollison war sein Name, der in Australien lebte. Wir schreiben das Jahr 1959. In diesem Jahr zog Bill Mollison los in die Natur, den australischen Busch, den Urwald, den Dschungel. Er wollte die Flora und Fauna untersuchen. Er durchstreifte unerforschtes, unberührtes Gebiet. Wilde Landschaften. Und während er so dieses harmonisch funktionierende System betrachtete, schweiften seine Gedanken unwillkürlich zu den sich immer weiter ausbreitenden Rodungen und den Fortschreiten der industriellen Landwirtschaft. Und er fragte sich unwillkürlich „Wie gehen wir nur mit der Natur um?„. Er ließ seinen Blick wieder in den üppigen Urwald schweifen. Zu den kleinen Pflanzen, den Büschen, den Bäumen, den Insekten, Vögeln, Reptilien und Säugetieren. Alle diese Wesen teilen sich diesen Lebensraum. Ein System, was schon seit Jahrhunderten, wenn nicht sogar Jahrtausenden besteht. Ein Gedanke nahm langsam Form an und Bill Mollison schrieb in sein Tagebuch: „Ich glaube, dass wir in der Lage sind Systeme zu erschaffen, die genauso gut sind wie dieses hier.“ Der Grundstein der Permakultur war gelegt.

Nach dieser ersten Erkenntnis -Vision- folgten Jahre der Beobachtung. Bis Anfang der 70er Jahre sammelte Mollison Informationen. Sein Ziel war es positive Lösungen zu finden, ohne gegen das bestehende ankämpfen zu müssen- schlicht einen anderen Weg zu gehen. Viel Wissen sammelte er bei indigenen Völkern -insbesondere bei den Aborigines. Denn auch diese leben schon seit ewiger Zeit harmonisch und nachhaltig mit ihrer Umgebung zusammen. Auch ging er immer wieder selbst in die Natur und versuchte die Komplexität dieses Systems zu verstehen.

Anfangs war permaculture = permanent agriculture, also dauerhafte Landwirtschaft, vor allem für landwirtschaftliche Systeme gedacht. Doch mit der Zeit entwickelte sich ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Bereiche des Lebens miteinbezieht. So wird das Wort Permakultur inzwischen auch mit permanent culture- dauerhafte Kultur- übersetzt.

Gerade diese Ganzheitlichkeit macht für mich den Zauber von Permakultur aus. Es gibt nicht die eine Antwort oder Lösung oder das eine Ziel. Während des Permakultur-Design-Kurses wurde sehr oft und zu allen möglichen Themen gefragt ‚Macht man das so oder so in der Permakultur?‚ oder ‚Wenn ich das so mache, ist das dann Permakultur?‚. Die Antwort auf diese und ähnliche Fragen war stets ‚Es kommt drauf an‚. Heißt: Es kommt darauf an, was dein Ziel/deine Vision ist, was deine Bedürfnisse, Ressourcen und Begrenzungen sind. Ein Beispiel dafür, was nichts mit Garten oder Landwirtschaft zu tun hat, sondern eher mit dem sozialen Bereich, hat sich gegen Ende des Kurses zugetragen.

Am Ende des Kurses hatten wir die Möglichkeit unser neu erlerntes Wissen anzuwenden und auszuprobieren. Wir bekamen als Gruppe einen Design-Auftrag, welchen wir mit permakulturellen Werkzeugen angehen sollten. Am letzten Morgen sollten wir unser Design präsentieren. Alle Gruppen hatten dasselbe Problem: zu wenig Zeit für so eine komplexe Aufgabe. Als wir uns abends (unserem letzten Abend) um 21:21h für ein kleines Sommersonnenwend-Ritual trafen, war noch keine Gruppe wirklich fertig. Nun gab es verschiedene Arten mit dieser Situation umzugehen: Die meisten Gruppen trafen sich nach dem Ritual noch mal und arbeiteten weiter an ihrem Projekt. Am nächsten Tag stellten diese Gruppen tolle Design-Ideen vor mit kreativ gestalteten Präsentationen.

Bei der Feedback-Runde fragte eine Teilnehmerin ‚Ist das Permakultur so eine stressige Prüfungssituation zu kreieren? Das hat mir echt die schöne Woche ein bisschen kaputt gemacht den letzten Abend so zu verbringen.

Ja ist es.

Denn eine Gruppe entschied sich am Abend dazu die Arbeit ruhen zu lassen und am nächsten Tag zwar kein so gutes Ergebnis zu präsentieren, wie die anderen Gruppen, dafür aber einen schönen und stressfreien letzten Abend am Feuer zu genießen. Diese Gruppe hat die Selbstfürsorge über eine gute Präsentation gestellt

Permakultur sagt nicht, dass eine von den Gruppen richtig oder falsch gehandelt hat. Permakultur sagt ‚Es kommt drauf an‘. Es ist deine Entscheidung.

Permakultur gibt Werkzeuge an die Hand, um kreative Lösungen zu finden, möglichst zum Wohle aller Wesen.


Ich möchte euch nun eines der Werkzeuge aus dem Permakultur-Koffer vorstellen: Die 12 Prinzipien nach David Holmgren. Diese Prinzipien sollen dazu dienen die ethischen Grundlagen der Permakultur (zum nachlesen der Permakultur-Ethik: https://wirerdenkinder.family.blog/2020/03/30/permakultur-einfuhrung/) in konkretes Tun umsetzten zu können.

Das erste Prinzip lautet:
1. Beobachte und interagiere

Die Beobachtung ist in der Permakultur ein sehr wichtiger Schritt. Bevor es an die Planung geht, wird beobachtet. Und was? Alles, was da ist. Es werden alle Informationen gesammelt. Wichtig dabei ist auch wirklich nur zu beobachten- unvoreingenommen und wertfrei. Der zweite Teil ‚und interagiere‘ meint, dass du selbst auch immer Teil des Systems bist. Das heißt du kannst auch deine Interaktion mit den Systemelementen und allgemein deine Position im System beobachten.

Auch wenn dieses Prinzip sehr simpel erscheint, ist die Beobachtung ein sehr wichtiger Teil in einem Permakultur-Prozess und nimmt einen großen Zeitraum in Anspruch.

Es gibt sehr schöne Übungen, um einfach mal in diese Beobachtungsposition zu kommen und die Beobachtungsgabe zu schulen. Eine davon, die mich sehr inspiriert hat, nennt sich ‚I wonder…‘, also ‚Ich frage mich…‘. Bei dieser Übung geht es einfach und allein darum in deinem Garten (oder sonst wo) herum zu laufen, Dinge zu betrachten und Fragen zu stellen. ‚Warum stehen die Gänseblümchen hier immer in kleinen Grüppchen zusammen?‚, ‚Wie orten die Bienen Wasser?‚. Wichtig dabei ist: Du brauchst keine Antwortenzu finden. Es geht ums bloße Fragenstellen, ums Wundern und Staunen.

In den nächsten Wochen werde ich mir immer mal wieder ein paar der Prinzipien vornehmen und sie euch –step by step– vorstellen.

Bis dahin- viel Freude beim beobachten!

Ein Kommentar zu “Permakultur- So fing die Reise an

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