Mein Permakultur-Garten-Projekt

Als wir im März das Jahr hier begonnen haben, hat jeder von uns eine Fläche im Gemeinschafts-Garten bekommen, die wir frei gestalten durften. Gleich am dritten Tag standen wir mit Holzpfeilern und Schnur im Garten und haben unser Stück abgemessen. Round about 80m². Mein erster eigener Garten. Ich weiß noch genau, wie ich mich gefühlt habe: Begeisterung und Vorfreude gepaart mit Überforderung und Ratlosigkeit. ‚Was ist denn nun zu tun und wie soll es später aussehen und wie mache ich das?‘

Anfang März: Erste Aufnahme von meinem Garten-Grundstück

Die ersten Wochen bestanden aus beobachten: Was ist da (Pflanzen, Tiere, etc.); wie fühlt sich es an da zu sein; was brauche ich; was fehlt mir; welche Träume und Ideen habe ich; was gibt der Boden her... aus ganz viieel lesen. Über Permakultur, Gartengestaltung, Bodenbearbeitung und und und.

Und wild drauf los hacken. Ganz nach dem Motto: Learning by doing. Denn so viel war klar: der Boden musste sowieso vorbereitet werden. Zum Großteil war das Stück im vergangenen Jahr nicht bewirtschaftet worden. Dementsprechend hat sich Gras, insbesondere Quecke breit gemacht. Wer Quecke nicht kennt: Hierbei handelt es sich um eine Gräserart, die unterirdisch lange Wurzeln ausbildet. Das fiese für den Gärtner ist: aus jedem Stückchen Wurzel, was nicht entfernt wurde, kann neues Gras aussprießen, die Pflanze sich also weiter vermehren.

Während dieser Zeit habe ich seehr viele Pläne und Skizzen angefertigt und wieder verworfen. Eines der Permkultur-Prinzipien lautet Gestalte vom Muster zum Detail. Also habe ich versucht das passende Muster zu finden.

Der Jahresverlauf schritt weiter voran, die ersten Kulturpflanzen mussten bereits ausgesäht werden. So habe ich kurzerhand in der Hälfte, die bereits freigelegt war, Dicke Bohne eingesät, welche als Leguminose die Bodenqualität verbessert.

Doch DAS Muster ließ noch auf sich warten. An einem Tag war ich ziemlich frustriert deswegen und habe es erst mal aufgegeben weiter zu planen, da ich irgendwie feststeckte. In dieser Nacht kam es dann auf einmal von ganz alleine zu mir. Ich lag im Bett und begann mich zu entspannen, und auf einmal war das Muster da. Ich knipste gleich das Licht an und begann meine Ideen in meinen Block zu kritzeln. Ich habe insgesamt drei Mal das Licht an und wieder ausgemacht. Es war als wäre ein Damm gebrochen, die Ideen kamen nur so herbeigeströmt.

April. Etwa einen Monat nach Beginn gab es dann die ersten sichtbaren Formen. Mit Hilfe von langen Stangen und Stroh (das als schützende Mulchschicht auf fertig bearbeiteter Erde dient) habe ich versucht mein auf Papier erstelltes Muster wirklich werden zu lassen.

Doch natürlich war es damit nicht getan. Das Muster war zwar da, doch nun ging es ins Detail. Welche Pflanzen möchte ich habe und wohin und mit wem und wie viele. Und immer wieder beobachten und auf das reagieren, was in meinem Garten passiert.

Nach dem übergeordnetem Muster folgten einige „feste“ Elemente: Ein Hügelbeet und ein Rankgitter/Windschutz/Sichtschutz.

Im April werden auch die ersten Pflänzchen eingesetzt und die frostunempfindlichen ausgesät, viele weitere Pflanzen werden bereits im warmen Haus vorgezogen.

Mai.

Anfang Mai kommt die im März eingesäte Dicke Bohne zum Vorschein. Und auch allgemein wird es jetzt schnell grüner. Inzwischen habe ich die Wege mit Häcksel ausgestreut, um die Wegestruktur besser erkenntlich zu machen und die Bodenqualität trotz ständigem Betreten eingermaßen zu erhalten.

Und eine Bienentränke ist als neues Element am Start. Denn ja auch Bienen brauchen Wasser zum trinken. Und da wir zwei Völker im Garten aber kein Wasser in der Nähe hatten, habe ich einfach mal ein altes Waschbecken umfunktioniert. Die Ttränke war mein Highlight der nächsten Tage/Wochen. Jedes Mal wenn ich dort Bienen hab trinken sehen, habe ich mich gefreut wie eine Bienenkönigin.

Nur zwei Wochen später sieht der Garten schon so aus:

Ende Mai: Es wird grün. Ein Rank-„Tipi“ für Feuerbohnen und ein Stuhl (wer weiß wofür) sind dazugekommen

Es ist immer wieder erstaunlich, was alles in so kurzer Zeit passieren kann. Alles wächst und gedeirht und es wird immer grüner. Die Eisheiligen sind auch vorbei, das Risiko der Nachtfröste also auf ein Minimum gesunken- jetzt dürfen auch die empfindlichen Pflanzen wie Tomaten, Kürbis oder Gurke rausgepflanzt werden. Andere Kulturen, die schon etwas länger in der Erde sind, wie Kartoffeln oder Zwiebeln schauen bereits aus der Erde heraus.

Juni. Es wächst und wächst und wächst. So rasend schnell. Nach einer Woche Abwesendheit musste ich mir die Wege wieder frei hacken damit ich überhaupt hindurch komme. Die Natur ist ein echtes Wunderwerk. Ich kann immer wieder nur stauenen, was sie alles fertig bringt. Abgeknickte, tot aussehende Pflanzen erblühen wieder zum Leben; trockene, harte Samen bringen lebendige, grüne Pflanzen hervor und aus brauner Erde entsteht ein Blütenparadies ohne mein Zutun.

Mitte Juni: Es wächst…

Doch natürlich bringt das Ganze auch einiges an Arbeit mit sich. Zumindest wenn ich auch einge der Sachen ernten möchte, die ich ausgesät habe. So wird das ‚Krauten‘, insbesondere das Distelstechen, zu meinem ständigen Begleiter, Kartoffelkäfer werden abgesammelt oder auch mal Schnecken, der Mulch wird je nach Witterung hin und her geschoben und habe ich das Krauten schon erwähnt?

Gleichzeitig gibt es auch in meinem Garten die ersten Sachen zu ernten: Radischen, Salat und Erdbeeren und seit kurzem auch Dicke Bohnen, Zuckerbsen und Kapuzinerkresse.

Und es gibt kein schöneres Gefühl als Sachen aus dem eigenen Garten zu ernten und zu essen, zu sehen wie Pflanzen, die ich nur als Samen in die Erde gelegt habe, wachsen und wie alles grün, bunt, lebendig wird.

Anfang Juli: Es wird bunt. Mohn, Malve, Tagetes, Klee, Kapuzinerkresse und Ringelblume zieren nun meinen Garten mit ihren Blüten.

Es ist eine super schöne Erfahrung diesen Garten mit all seinen Pflanzen und Tieren durch das Jahr begleiten zu dürfen und die Veränderung beobachten zu können.

Ein Kommentar zu “Mein Permakultur-Garten-Projekt

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